20.06.2020
Digitale Gottesdienste

4. Bamberger Schnipselgottesdienst ist erschienen: Ein Ende ist noch nicht in Sicht

In Bamberg entsteht aktuell alle zwei Wochen eine neue Ausgabe des sogenannten Schnipselgottesdienstes, eines neuen digitalen Kirchenformats. Pfarrer Thomas Braun erklärt Sonntagsblatt.de, was hinter dem Projekt steckt und wie es vorerst weitergehen soll.

Erst vor wenigen Tagen wurden die Abstandsregeln für Kirchen in Bayern angepasst: von zwei auf 1,5 Meter. Folglich können künftig wieder mehr Menschen gleichzeitig Gottesdienste besuchen und gemeinsam feiern.

Doch bei vielen bleibt die Skepsis vor realen Treffen in Zeiten von Corona. Einige Kirchengemeinden im Dekanat Bamberg hatten sich bereits im Mai genau auf diese Situation eingestellt - und ein neues Gottesdienstkonzept aus vielen kleinen Videoschnipseln entwickelt, den sogenannten Schnipselgottesdienst.

EKD-Studie: Schinpselgottesdienst liegt voll im Trend

Einer der beteiligten Pfarrer, Thomas Braun, sagt Sonntagsblatt.de: "Wir wollten einen digitalen Gottesdienst für die Menschen anbieten, die nicht in die analogen gehen möchten." Gemeinsam mit seinem zehnköpfigen Team begann Braun daher, aus mehreren verschiedenen Videos oder Filmschnipseln von Vikaren, Diakonen und Pfarrern einen kurzen digitalen Gottesdienst zusammenzufügen. "Die Clips konnten mit dem Handy gefilmt werden, irgendwo in Bamberg oder Zuhause", so Braun.

Mit ihrem digitalen Format liegen die Bamberger voll im Trend, wie eine jüngst veröffentlichte Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zeigt. Darin heißt es, dass unter 897 befragten Kirchengemeinden 729 angaben, ein digitales Verkündigungsformat während der Corona-Krise angeboten zu haben. 60 Prozent der digitalen Verkündigungsformate seien dabei digitale Andachten und "digitale andachtsähnliche Formate", noch vor den digitalen Gottesdiensten, so die Autoren der EKD-Studie. Und: 72 Prozent der Befragten planen demnach, ihre Online-Angebote auch fortzuführen.

Es wird ständig experimentiert

Eine Idee hinter den Schnipselgottesdiensten sei auch, ein neues Publikum zu erreichen, das sonst nicht in den Gottesdiensten anzutreffen wäre, weshalb sich die Macher entschieden, keine Form zu wählen, die der "normalen" Gottesdienstform zu sehr ähnelt.

"Wenige würden sich wohl eine zwölfminütige Predigt online anschauen, aber 90 Sekunden dagegen schon", sagte Braun. Die einzelnen Folgen seien deswegen viel kürzer als ein üblicher Gottesdienst.

"Wir experimentieren auch immer noch, versuchen noch mehr Schnitte und mehr Tempo hineinzubringen", erklärt der Pfarrer. Trotzdem enhielten die Videos klassische Elemente wie Lesungen oder Abschnitte mit Kirchenmusik. Der nächste Schnipselgottesdienst ist bereits erschienen und dreht sich um das Thema "Durstig". "Wir können aktuell beispielsweise durstig nach sozialen Kontakten sein", erläutert Braun.

Schnipselgottesdienst: Dekan Hans-Martin Lechner begeistert von dem Format

Auch Dekan Hans-Martin Lechner war von Anfang an von dem kompakten Format begeistert. "Durch die Idee der Schnipsel kann jeder mal mitmachen, selbst ich", sagt er im Gespräch mit Sonntagsblatt.de.

Dabei betont er, dass das Projekt ganz ohne sein Zutun entstanden sei. "Ich finde es großartig und freue mich auch, dass es weitergeht", so Lechner.

"Wir haben schon den Plan für einen Schnipselgottesdienst am 5. Juli, an dem eigentlich das große Dekanatsfest anlässlich der 1.000-Jahr-Feier von St. Stephan geplant war, und wollen auch darüber hinaus weitere Folgen produzieren", sagte Pfarrer Braun.

Über ein Ende habe er noch nicht nachgedacht, weil es "einfach zu viel Spaß macht".

Das Ziel sei es, zwei Videos pro Monat zu produzieren. Helfer gebe es nach Aussagen von Braun genug. "Gleich von Anfang an haben die uns nämlich die Bude eingerannt. Wir haben also eine lange Liste an Leuten, die mitmachen wollen", sagte er.

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