29.07.2020
Zu Studienzwecken

Domspatzen testen sich 16 Wochen lang auf Corona

Mithilfe der Regensburger Domspatzen soll in einer Studie erforscht werden, wie großflächige Schulschließungen nach Corona-Infektionen vermieden werden können. Das Forschungsprojekt "STACADO" könnte Vorbild für viele weitere Musikgymnasien sein.
Regensburger Domspatzen Auftritt Konzert

"Diese Studie kann dazu beitragen, praktikable Strategien für eine sichere, effiziente und sinnvolle Testung von Schülerinnen und Schülern auf das Coronavirus zu entwickeln", sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) am Freitag. Denn Corona-Ausbrüche müssten möglichst frühzeitig erkannt werden.

Im Rahmen der Studie sollen Schüler im Alter von zehn bis 21 Jahren freiwillig 16 Wochen lang regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden.

Den dazu nötigen Rachenabstrich sollen sie selbst vornehmen. Die Schulleitung erhalte die Testergebnisse in anonymisierter Form, um den Schul- und Chorbetrieb entsprechend zu organisieren. Tritt ein Corona-Fall auf, könne umgehend der Quarantäneplan der Schule aktiviert werden.

"Die Regensburger Domspatzen spielen als Chor in der Champions League und sind in der eigenen Schule mit angeschlossenem Internat und täglichen Chorproben in dieser Pandemie besonders exponiert", sagte der wissenschaftliche Leiter der Studie, Michael Kabesch.

Man könne das Corona-Risiko durch das Zusammenspiel von Hygiene- und Schutzmaßnahmen und regelmäßiger kluger Testung um ein Vielfaches minimieren.

Domkapellmeister Christian Heiß sagte, dass die Sänger durch intelligentes und regelmäßiges Testen noch ein Stück mehr Sicherheit bekämen. Mithilfe der Studie könnten sich auch neue Möglichkeiten ergeben, wieder mit den Chören aufzutreten.

"Für uns geht es auch darum, sobald wie möglich wieder in einer sinnvollen Chorformation bei den Domgottesdiensten und auf der Konzertbühne singen zu können."

Das Forschungsprojekt unter dem Namen "STACADO" (Studie zur Ausbruchsvermeidung von Corona bei den Domspatzen) wird von der Kinderuniversitätsklinik Ostbayern und der Universität Regensburg durchgeführt. Das bayerische Wissenschaftsministerium übernimmt laut Mitteilung vom Freitag die volle Finanzierung in Höhe von 113.400 Euro. "STACADO" könnte Modell stehen für zahlreiche andere Musikgymnasien.

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