19.05.2020
Was ist wann passiert?

Ausbreitung des Virus in Deutschland: Die Chronologie der Corona-Pandemie

Seit Wochen bestimmen das Coronavirus und die Maßnahmen zur Eindämmung seiner Ausbreitung das öffentliche und private Leben in Deutschland. Was seit Anfang des Jahres 2020 passiert ist: Eine Chronologie der Krankheit.
Coronavirus - Shutdown

Die Chronologie der Pandemie

27. Januar

In Bayern wird die bundesweit erste Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Ein 33-jähriger Mann hat sich wahrscheinlich bei einer Kollegin aus China angesteckt, wo das Virus in einigen Regionen längst zu drastischen Maßnahmen geführt hat.

26. Februar

Während die Ausbreitung in Bayern gut eingedämmt werden konnte, alarmieren Ende Februar Corona-Infektionen im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg. Viele Menschen haben sich dort bei einer Karnevalssitzung angesteckt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärt: "Wir befinden uns am Beginn einer Epidemie in Deutschland."

Erste Großveranstaltungen abgesagt

29. Februar

Nach tagelangen Diskussionen um Großveranstaltungen wird das erste Großereignis wegen Corona abgesagt: die Internationale Tourismus-Börse (ITB).

4. März

Der Mangel an persönlichen Schutzausrüstungen ist ein Problem. Der Corona-Krisenstab beschließt die zentrale Beschaffung durch das Bundesgesundheitsministerium.

9. März

In Nordrhein-Westfalen werden die ersten beiden Todesfälle nach einer Infektion mit dem Coronavirus gemeldet.

10. März

Der Krisenstab von Gesundheits- und Innenministerium empfiehlt die Absage aller Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern. Berlin sagt alle Veranstaltungen an staatlichen Theatern, Opern und Konzerthäusern ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert an Bevölkerung

11. März

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert an die Bevölkerung, das Möglichste gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu tun: "Da sind unsere Solidarität, unsere Vernunft, unser Herz füreinander schon auf eine Probe gestellt, von der ich mir wünsche, dass wir diese Probe auch bestehen." Am selben Tag stuft die Weltgesundheitsorganisation den Ausbruch des neuen Corona-Erregers als Pandemie ein.

13. März

Die Bundesländer beschließen die Schließung von Schulen und Kitas bis zum Ende der Osterferien. Die Bundesregierung kündigt Hilfen für die Wirtschaft an. Bundestag und Bundesrat beschließen im Eilverfahren Erleichterungen für die Kurzarbeit.

15. März

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ordnet Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Wiedereinführung von Grenzkontrollen zu den fünf Nachbarstaaten Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg und Dänemark an. Die Grenze überqueren dürfen nur noch Personen mit triftigem Grund, etwa Berufspendler.

Weltweite Reisewarnung

16. März

Bundeskanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Bundesländer beschließen Leitlinien für weitgehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Bars, Kinos und Freizeiteinrichtungen sollen schließen, auch religiöse Veranstaltungen in Kirchen, Moscheen und Synagogen werden untersagt, bestimmte Läden geschlossen.

17. März

Das Auswärtige Amt spricht eine weltweite Reisewarnung aus. Bundesbürger soll davon abgehalten werden, ins Ausland zu reisen. Zugleich kündigt das Außenministerium eine Rückholaktion für Deutsche im Ausland an. Die Europäische Union verhängt am selben Tag ein Einreiseverbot, das bis auf wenige Ausnahmen für alle Länder außerhalb der EU gilt.

18. März

In einer Fernsehansprache appelliert Kanzlerin Merkel an die Bürger, Sozialkontakte zu vermeiden, um Ansteckungen zu verhindern: "Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst."

Ausgangsbeschränkungen verhängt

20. März

Bayern und das Saarland verhängen als erste Bundesländer Ausgangsbeschränkungen für die Bürger. Erlaubt sind nur noch notwendige Wege etwa zur Arbeit oder zum Einkaufen. Auch kleinere Ansammlungen von Menschen in der Öffentlichkeit werden verboten.

22. März

Nach einer Beratung zwischen Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten erlassen alle weiteren Länder Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen, die einen ähnlichen Effekt haben. Aufenthalte im Freien sind nur noch allein, zu zweit oder mit den Personen aus dem eigenen Haushalt erlaubt. Direkt nach der Pressekonferenz zu den Maßnahmen begibt sich Merkel in Quarantäne, weil sie von einem infizierten Arzt geimpft wurde.

23. März

Das Bundeskabinett trifft weitreichende Entscheidungen zur Stabilisierung des Gesundheitswesens und der Wirtschaft und beschließt einen Nachtragshaushalt über 156 Milliarden Euro zur Finanzierung der Hilfen. Die Wirtschaft erhält praktisch unbegrenzte staatliche Garantien für Kreditaufnahmen. Der Bund bekommt mehr Kompetenzen bei der Seuchenbekämpfung. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen erhalten Geld und Finanzierungszusagen für Corona-bedingte Zusatzausgaben. Solo-Selbstständige können im vereinfachten Verfahren Hartz-IV-Leistungen beantragen. Kleinunternehmen und Kulturschaffende erhalten Zuschüsse. Mieter werden vor Kündigung geschützt.

25. März

Der Bundestag beschließt mit breiter Mehrheit im Eilverfahren und in verminderter Besetzung das Milliarden-Paket für Gesundheitswesen, Kultur und Wirtschaft. Zwei Tage später billigt auch der Bundesrat das Paket und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschreibt das Gesetz.

Besuchsverbot für Pflegeheim

30. März

Als erstes Bundesland verhängt Niedersachsen einen Aufnahmestopp für Pflegeheime, nachdem im Hans-Lilje-Haus der Diakonie in Wolfsburg 17 pflegebedürftige Menschen an Covid-19 gestorben und fast die Hälfte der 165 Bewohner infiziert sind. Bayern zieht vier Tage später nach. Nordrhein-Westfalen und weitere Länder schreiben Tests vor einer Aufnahme vor. Zugleich bleibt das Besuchsverbot für Pflegeheime in der Kritik.

1. April

Bund und Länder verständigen sich darauf, die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und für persönliche Kontakte bis einschließlich 19. April zu verlängern. Sie gelten damit auch über das Osterfest.

3. April

Kanzlerin Merkel beendet ihre Quarantäne. Mehrere Tests waren negativ.

6. April

Jena führt als erste deutsche Stadt eine Maskenpflicht in allen Verkaufsstellen, im öffentlichen Nahverkehr und in Gebäuden mit Publikumsverkehr ein.

7. April

Das Robert Koch-Institut stellt eine App vor, mit der regionale Infektions-Cluster erkannt werden sollen. Die Daten werden auf freiwilliger Basis über Fitnessarmbänder und Smartwatches gesammelt und auf der Webseite "Corona-Datenspende" auf einer interaktiven Karte veröffentlicht. Eine App, die Kontakte zu Infizierten verfolgen soll, ist noch nicht in Sicht.

11. April

Bundespräsident Steinmeier wendet sich in einer Fernsehansprache an die Bürger. "Ich bin tief beeindruckt von dem Kraftakt, den unser Land in den vergangenen Wochen vollbracht hat", sagt er. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sprechen angesichts der Krise gemeinsam das "Wort zum Sonntag" in der ARD.

15. April

Bund und Länder beschließen bei ihren Beratungen in Berlin, die Öffnung von Geschäften mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmeter wieder zu erlauben. Es soll der erste Schritt vorsichtiger Lockerungen sein. Die Kontaktbeschränkungen werden ansonsten bis zum 3. Mai verlängert, ein Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August beschlossen. Mit der Öffnung von Geschäften starten manche Bundesländer schon am 20. April, andere wenige Tage später. Zugleich kritisieren nicht berücksichtige Läden und andere Wirtschaftszweige eine in ihren Augen ungerechte Behandlung. Rund 725.000 Betriebe in Deutschland haben inzwischen Kurzarbeit angemeldet.

Gottesdienste wieder erlaubt

17. April

Als erstes Bundesland erlaubt Sachsen wieder Gottesdienste mit maximal 15 Teilnehmern unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln. Am selben Tag findet ein Gespräch zwischen dem Bundesinnenministerium und Vertretern der Religionsgemeinschaften über mögliche religiöse Versammlungen statt. Nach der Öffnung von Geschäften hatten führende Geistliche auch für ihre Gemeinschaften Lockerungen gefordert. Immer mehr Bundesländer beschließen Lockerungen für Kirchen, Synagogen und Moscheen. Sachsen beschließt am selben Tag auch eine Maskenpflicht für den öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften. Binnen weniger Tage beschließen auch alle anderen Bundesländer eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes, obwohl die Bund-Länder-Runde nur eine Empfehlung dazu ausgesprochen hatte.

21. April

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagt das Münchener Oktoberfest ab, das am 19. September beginnen sollte.

22. April

In Deutschland wird die erste klinische Studie zur Erprobung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus genehmigt. Gesundheitsminister Spahn betont aber, dass es bis zu einem verfügbaren Impfstoff noch ein weiter Weg sei.

23. April

Der Koalitionsausschuss beschließt eine Erhöhung des Kurzarbeitergelds für Arbeitnehmer, deren Arbeitszeit um mindestens die Hälfte reduziert wurde, sowie weitere Hilfen, um soziale Härten der Corona-Krise abzumildern. Kanzlerin Merkel sagt in einer Regierungserklärung im Bundestag, dass ihr die Lockerungen der Beschränkungen in manchen Ländern "zu forsch" seien und warnt vor einem Rückschritt im Kampf gegen das Virus. Sie betont: "Diese Pandemie ist eine demokratische Zumutung."

29. April

Das Bundesverfassungsgericht kippt ein pauschales Verbot von Gottesdiensten wegen der Corona-Pandemie in Niedersachsen. Der saarländische Verfassungsgerichtshof erklärt die in dem Bundesland geltenden, sehr strengen Ausgangsbeschränkungen für unzulässig. Das Auswärtige Amt verlängert seine weltweite Reisewarnung bis zum 14. Juni.

30. April

Kanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Länder beschließen weitere Lockerungen: Spielplätze und Kultureinrichtungen wie Museen und Gedenkstätten sollen unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Gottesdienste sollen bundesweit ebenfalls unter Maßgaben erlaubt werden.

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Autor
Uschi Hartberger ist seit mehr als 25 Jahren ihre eigene Chefin. An der Würzburger Musikhochschule lehrt sie eine Methode zur Schulung der Körperhaltung und ist in einer eigenen Praxis tätig. Im Moment sind beide geschlossen, was Hartberger einen drastischen Umsatzeinbruch beschert. Wie so viele Selbstständige, beantragte sie Soforthilfe. Dass es die gibt, ist ohne Zweifel gut, sagt sie. Alleingelassen fühlt sich die 62-Jährige dennoch.