6.07.2020
+++ News zum Coronavirus +++

Bayern lehnt die Lockerung der Maskenpflicht strikt ab

Aktuelles zum Coronavirus und seinen Auswirkungen auf kirchliche Einrichtungen, Veranstaltungen und unseren Alltag lesen Sie hier im Sonntagsblatt.de-Newsticker.
Dossier Corona Virus Coronavirus

Bayern lehnt die Lockerung der Maskenpflicht strikt ab

Montag, 6. Juli, 08.19 Uhr: Die bayerische Staatsregierung ist strikt gegen Lockerungen bei der Maskenpflicht. Der Chef der Staatskanzlei, Florian Herrmann (CSU), kritisierte in der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) die in anderen Bundesländern aufkommende Diskussion über eine Abschaffung der Maskenpflicht im Einzelhandel wegen angeblich geringer Fallzahlen: "Die bayerische Staatsregierung sieht nicht den geringsten Anlass, die Maskenpflicht aufzuheben." Die weltweit steigenden Infektionszahlen und die Hotspots in Deutschland zeigten, dass man bei Corona weiter "höchste Vorsicht walten lassen müssen", sagte Herrmann.

Nach Ansicht beinahe aller Experten sei die Maskenpflicht eines der wenigen wirksamen Instrumente, um die Pandemie zu bremsen, sagte der Staatsminister weiter. Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) reagierte skeptisch auf die Idee, dass man künftig beim Einkaufsbummel wieder auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten könne. Das Tragen von Masken im Einzelhandel und Nahverkehr sei schließlich eine der Voraussetzungen für die seit vergangenen Mittwoch geltenden Lockerungen in Hamburg. Erst nach der Urlaubszeit Ende August lasse sich abschätzen, wie sich die Pandemie entwickle.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich am Montag deutlich gegen eine Lockerung oder Abschaffung der Maskenpflicht ausgesprochen. "Corona bleibt die dominante Konstante", sagte Söder vor der Sitzung des CSU-Parteivorstandes in München. Daher gebe es "überhaupt keinen Anlass nachzulassen". Es gebe keine Alternative dazu, auch weiterhin umsichtig und vorsichtig zu sein: "Lebensfreude und Vernunft sind ein Brüderpaar." Eine Ende der Maskenpflicht wäre ein Fehler und ein falsches Signal an die Menschen, wenn man sich etwa anschaue, wie in England "die Pubs gestürmt" wurden.

Söder sagte, es bleibe beim Dreiklang "Testen, Abstand halten, Maske tragen". Durch umfangreiches Testen könnten Infektionsketten in einer Region schnell ermittelt und dann unterbrochen werden. Der CSU-Chef sagte, man halte an der bisherigen Strategie mindestens bis Herbst fest. Erst wenn man wisse, welche Auswirkungen die Sommerferien auf die Entwicklungen bei den Corona-Infektionszahlen haben, könne man sich mit weiteren Lockerungen beschäftigen. Corona werde auch in der zweiten Jahreshälfte das dominierende Thema für die Politik sein, sagte Söder - vor allem mit Blick auf die wirtschaftliche Lage.

Corona: KongressMesse für Sozialwirtschaft abgesagt

Freitag, 3. Juli, 11.26 Uhr: Die diesjährige KongressMesse für Sozialwirtschaft ConSozial ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Durch die für den Gesundheitsschutz nötigen Regeln des Abstandhaltens und Maskentragens wären keine verbindenden Veranstaltungen möglich gewesen, teilte Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) am Mittwoch in München mit. Die größte Sozialmesse dieser Art in Deutschland hätte Ende Oktober wieder in Nürnberg stattfinden sollen.

Zusammen mit den Partnern von der NürnbergMesse, den Rummelsberger Diensten für Menschen gGmbH und den Mitgliedern des Kuratoriums habe man nach reiflicher Überlegung entschieden, die Messe abzusagen, heißt es weiter. "Wir sind überzeugt, dass die NürnbergMesse alles Erforderliche tun würde, um die Hygienekonzepte umzusetzen. Da aber auf der ConSozial überwiegend Fach- und Führungskräfte der Sozialwirtschaft teilnehmen, bleibt die Gefahr, dass diese eine mögliche Ansteckung anschließend in ihren Einrichtungen weitergeben könnten", sagte Trautner.

Die ConSozial wird seit 1999 jedes Jahr vom bayerischen Sozialministerium mit Unterstützung der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege veranstaltet. An ihr nehmen mehrere tausend Gäste und Aussteller teil. 

Verband kritisiert gelockerte Besuchsregeln für Pflegeeinrichtungen

Donnerstag, 2. Juli, 09.14 Uhr: Die neuen gelockerten Besuchsregeln für Pflegeeinrichtungen in Bayern hat der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) als "unzumutbar" kritisiert. In einem Schreiben an Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) warnte der VDAB-Landesverband Bayern vor den Konsequenzen für die Einrichtungen. Zudem forderte der Verband mit Sitz in Augsburg eine bessere Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Regeln, wie er am Dienstag mitteilte.

Ihm sei bewusst, welchen Belastungen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit den Besuchsbeschränkungen ausgesetzt seien, sagte der Landesverbands-Vorsitzende Olaf Roßbach. Darum seien schrittweise Lockerungen geboten. "Allerdings dürfen dabei nicht die komplexen Herausforderungen und Risiken für die Einrichtungen aus dem Blick geraten, die mit einer Öffnung und der Lockerung der Besuchsregeln verbunden sind", sagte er.

Die aktuellen Besuchsregeln - die die Staatsregierung kürzlich mit der jüngsten Änderung der Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung beschlossen hatte - sehe der Verband daher "mit großer Sorge, denn es werden zu schnell Lockerungen rechtlich zugelassen", so Roßbach. Eine Umsetzung auf die Schnelle könne die Gesundheit der Bewohner und der Mitarbeiter gefährden. Zudem würden die Einrichtungen bei der Umsetzung der "abstrakten konzeptionellen Anforderungen" alleingelassen - die Gesundheitsämter vor Ort seien oft nicht bereit oder nicht in der Lage, die Konzeptionen fachlich abschließend zu prüfen, um den Einrichtungen Handlungssicherheit zu geben.

Roßbach forderte, "dass Lockerungen nur in dem Maße stattfinden, wie sie unter Beachtung des Infektionsschutzes möglich sind". Zudem müssten die Einrichtungen einen angemessenen Zeitraum für die Umsetzung erhalten. Die Gesundheitsämter seien verbindlich mit einzubeziehen, und die Einrichtungen müssten mit ausreichend Schutzmasken für Besucher versorgt werden. Es müsse der Eindruck vermieden werden, dass Einrichtungen böswillig Besuche verhinderten. 

Bayern will Schlachthöfe auf Corona durchtesten

Mittwoch, 1. Juli, 08.15 Uhr: Bayern will in Kürze in Fleischbetrieben die Belegschaft auf das Coronavirus testen. Betroffen seien neun Schlachthöfe, die in eine zweite Testrunde gehen, und jeweils zwölf Zerlegebetriebe sowie Betriebe mit dem Schwerpunkt auf der Herstellung von Fleischerzeugnissen und Wurstwaren, teilte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag in München mit. Die Tests sollen Infektionsausbrüchen wie bei dem westfälischen Fleischproduzenten Tönnies vorbeugen.

Laut Huml sollen sich zudem alle Bürger zeitnah bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen lassen können. Allerdings hätten Personen mit Symptomen Vorrang. Freiwillige Testungen sollten ausgebaut werden besonders in Pflege- und Altenheimen, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in der ambulanten Eingliederungshilfe und in Krankenhäusern. Auch für Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Betreuungsrichterinnen und -richter solle es rasch mehr Tests geben, sagte die Ministerin.

Verband kritisiert gelockerte Besuchsregeln für Pflegeeinrichtungen

Dienstag, 30. Juni, 17.00 Uhr: Die neuen gelockerten Besuchsregeln für Pflegeeinrichtungen in Bayern hat der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) als "unzumutbar" kritisiert. In einem Schreiben an Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) warnte der VDAB-Landesverband Bayern vor den Konsequenzen für die Einrichtungen. Zudem forderte der Verband mit Sitz in Augsburg eine bessere Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Regeln.

Ihm sei bewusst, welchen Belastungen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit den Besuchsbeschränkungen ausgesetzt seien, sagte der Landesverbands-Vorsitzende Olaf Roßbach. Darum seien schrittweise Lockerungen geboten. "Allerdings dürfen dabei nicht die komplexen Herausforderungen und Risiken für die Einrichtungen aus dem Blick geraten, die mit einer Öffnung und der Lockerung der Besuchsregeln verbunden sind", sagte er.

Die aktuellen Besuchsregeln - die die Staatsregierung kürzlich mit der jüngsten Änderung der Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung beschlossen hatte - sehe der Verband daher "mit großer Sorge, denn es werden zu schnell Lockerungen rechtlich zugelassen", so Roßbach. Eine Umsetzung auf die Schnelle könne die Gesundheit der Bewohner und der Mitarbeiter gefährden. Zudem würden die Einrichtungen bei der Umsetzung der "abstrakten konzeptionellen Anforderungen" alleingelassen - die Gesundheitsämter vor Ort seien oft nicht bereit oder nicht in der Lage, die Konzeptionen fachlich abschließend zu prüfen, um den Einrichtungen Handlungssicherheit zu geben.

Roßbach forderte, "dass Lockerungen nur in dem Maße stattfinden, wie sie unter Beachtung des Infektionsschutzes möglich sind". Zudem müssten die Einrichtungen einen angemessenen Zeitraum für die Umsetzung erhalten. Die Gesundheitsämter seien verbindlich mit einzubeziehen, und die Einrichtungen müssten mit ausreichend Schutzmasken für Besucher versorgt werden. Es müsse der Eindruck vermieden werden, dass Einrichtungen böswillig Besuche verhinderten.

Bayern lockert Maskenpflicht bei Kulturveranstaltungen

Dienstag, 30. Juni, 09.30 Uhr: Bei Kulturveranstaltungen in Bayern soll es künftig keine Maskenpflicht mehr geben. Auf festgelegten Sitzplätzen dürfe die Maske abgenommen werden, kündigte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in einem Medienbericht an. "Man kann die Kultur dann eine Stunde oder eineinhalb Stunden, je nachdem wie das Ganze dann konzipiert ist, ohne Maske genießen", sagte Söder der "Augsburger Allgemeinen".

"Wir wollen eine Perspektive für die Kultur", betonte der CSU-Chef. Der Veranstaltungsbetrieb habe sich bislang bewährt. "Die Kulturveranstaltungen verlaufen sehr seriös und sehr gut, deswegen werden wir so agieren", sagte Söder. Deshalb könne die Maskenregelung dort künftig ähnlich gehandhabt werden wie beim Kirchenbesuch. Beim Hineingehen und im Umfeld etwa des Garderobenbereichs gelte die Maskenpflicht aber weiter und sei sinnvoll. Auf den Sitzen in den Veranstaltungsräumen werde sie gelockert.

Das Infektionsrisiko bestehe jedoch grundsätzlich auch im Kulturbereich, mahnte der Ministerpräsident: "Wir erleben das gerade am Staatstheater Nürnberg, dort ist eine einzige Infektion zustande gekommen, die legt wieder den ganzen Betrieb lahm, der gerade am Anlaufen war", sagte Söder. "Wenn irgendetwas passiert, ist die Welt am nächsten Tag plötzlich eine andere", fügte er hinzu.

Martin-Luther-King-Musical wird auf 2021 verschoben

Montag, 29. Juni, 14.32 Uhr: Die ursprünglich für März dieses Jahres geplante Aufführung des Chormusicals "Martin Luther King - Ein Traum verändert die Welt" muss wegen der andauernden Corona-Pandemie erneut verschoben werden. Wie die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner mitteilte, finden die zunächst auf November 2020 verlegten Aufführungen nun stattdessen am 16. und 17. Oktober 2021 in der Bayreuther Oberfrankenhalle statt.

Grund sei das derzeitige Verbot von Großveranstaltungen, das wohl auch im Herbst noch gelten werde. Würde das Musical dennoch unter Einhaltung aller Corona-Regeln aufgeführt, ginge nach Aussage des Projektleiters Marcel Volkmann vom Veranstalter Stiftung Creative Kirche der Charakter des Events verloren. Mit Mundschutz und Abstandsregelung ließe sich ein solches Projekt kaum realisieren, sagte er.

Die letzten Proben für das Musical fanden im März 2020 statt. Wegen des großen zeitlichen Abstandes zu den neuen Aufführungsterminen ist für 25. September 2021 in der Freiheitshalle Hof eine Auffrischungsprobe geplant. Alle Mitwirkenden im Chor nehmen automatisch an den Aufführungen im Oktober 2021 teil, eine erneute Anmeldung ist nicht erforderlich. Auch die bereits erworbenen Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit.

Grüne in Bayern fordern mehr Unterstützung für Schulen

Montag, 29. Juni, 13.10 Uhr: Zusätzliche Unterstützungsangebote für die Schulen zum kommenden Schuljahr fordert die Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag. Die Schulen müssten unterstützt werden, um bestmöglich und flexibel auf die individuellen Lernrückstände von Schülern reagieren zu können. Auch das Schuljahr 2020/21 werde "coronabedingt eine Herausforderung", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Gabriele Triebel. Es gelte, die Schulfamilie zu unterstützen, "damit die unterschiedlichen Wissenslücken geschlossen werden können". Den entsprechenden Antrag hat die Fraktion beim Landtag eingereicht.

Üblicherweise bauten die Lerninhalte der nächsten Klassenstufe auf den Inhalten der vorangegangenen auf, hieß es. Homeschooling, unterschiedliche Bedingungen zu Hause und an den Schulen sowie der vielfach fehlende Überblick der Lehrkräfte über den Lernstand ihrer Kinder - all das werde das neue Schuljahr erschweren, so Triebel. Das jetzige Programm des Kultusministeriums reiche nicht aus, da es nur auf "Schüler auf Probe" abziele. Die Grünen fordern ein Angebot für alle Schüler, damit diese individuelle Lernrückstände aufholen können.

Als mögliche Unterstützungsangebote regte Triebel an, Lernstandstests für alle Klassenstufen und Schularten sowie zusätzliches Material - Empfehlungen, Lernvideos und konkretes Aufgabenmaterial - durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) bereitzustellen: "Damit stellen wir Bildungsgerechtigkeit her."

Huml: Behutsame Lockerungen für Besuche in Altenheimen und Kliniken

Freitag, 26. Juni, 14.50 Uhr: In den bayerischen Alten- und Pflegeheimen und den Krankenhäusern sollen ab 29. Juni mehr Besuche möglich sein. Die bisherigen Besuchsbeschränkungen würden durch individuelle Schutz- und Hygienekonzepte der Einrichtungen ersetzt, teilte die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml mit.

Bei den Erleichterungen in Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen müsse man behutsam vorgehen, stellte Huml fest. "Denn gerade die kranken und pflegebedürftigen Menschen sind durch die Corona-Pandemie besonders gefährdet und bedürfen unseres ganz besonderen Schutzes". Sie sprach von einer "schwierigen Gratwanderung zwischen einem wirksamen Infektionsschutz durch Kontaktbeschränkungen und der Teilhabe am sozialen Leben".

Das bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium unterstütze die Häuser mit einem Hygiene-Rahmenkonzept, das konkrete Handlungsempfehlungen beinhalte, sagte Huml. In jedem Fall müssten die Besucher eine Maske tragen. Außerdem müsse der Mindestabstand von 1,5 Metern "nach Möglichkeit durchgängig eingehalten werden."  Auch zukünftig gelte der Grundsatz, dass die Verantwortung bei Trägern und Einrichtungen vor Ort lägen. Daher gebe es zusätzlich für Besuche die Regelungen der jeweiligen Einrichtung.

Sie sollten das Einhalten von Mindestabständen und Hygieneregeln regeln, aber auch die Belange der Bewohnerinnen und Bewohner berücksichtigen. Bewohner müssten beim Betreten der Einrichtungen registriert und aufgeklärt werden und dürften bei bestimmten Krankheitssymptomen mit Betretungsverboten belegt werden.

Festival junger Künstler Bayreuth geht in 70. Saison

Freitag, 26. Juni, 14.35 Uhr: Trotz der Corona-Pandemie startet das Festival junger Künstler Bayreuth, das älteste Festival Europas, im Sommer in seine 70. Saison. Wie die Verantwortlichen mitteilen, stehen die Jubiläumsfestspiele unter dem Generalthema "SOL. Summer of Love - der Bayreuther Sommer der Liebe". Coronabedingt wurden virtuelle Leuchtturmprojekte geschaffen, die weltweit Hunderte von teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler erwarten lassen.

Im Mittelpunkt stehen die Online-Produktionen unter Leitung von Professor Rudolf Haken aus den USA. Unter dem Titel "International Online Folk-Orchestra" treffen Musikerinnen und Musiker aus aller Welt in der digitalen Welt zusammen, um "gemeinsam" Volkslieder aus unterschiedlichen Kulturen zu spielen. Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist das Band-Camp unter der Leitung von Vladimir Ivanoff (Bulgarien/Deutschland) mit deutsch-arabischen Klängen aus dem 20. Jahrhundert.

In einem kabarettistisch aufbereiteten Kompositions-Workshop mit Professor Fredrik Schwenk von der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg verarbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Corona bedingten Shut Down und die Auswirkungen auf die Kunst und Kultur. Zudem wird es im Rahmen des Festivalsommers Live-Darbietungen vor Ort, wie zum Beispiel Auto-Konzerte, Percussions-Workshops und ein kleines Welttheater geben. Auch das Bildungsprojekt "Stepping Stone", bei dem Studentinnen und Studenten selbst Verantwortung beim Festival übernehmen, wird in diesem Jahr fortgesetzt.

Die ursprünglich geplanten Jubiläumsveranstaltungen, wie zum Beispiel ein Orchesterkonzert mit Beethovens neunter Symphonie sowie Orffs Musiktheater Prometheus, werden auf das Jahr 2021 verschoben.

Wahnfried-Konzerte in Bayreuth trotz Corona-Krise

Freitag, 26. Juni, 10.06 Uhr: Trotz Corona-Krise und des Ausfalls der Bayreuther Festspiele setzt das Richard Wagner Museum Bayreuth in diesem Jahr die traditionellen Wahnfried-Konzerte fort. Ein musikalischer Schwerpunkt liege auf Werken von Ludwig van Beethoven, der von Richard Wagner wie kein anderer verehrt worden sei und der vor 250 Jahren geboren wurde. So präsentiert das international bekannte "Voyager Quartet" in einem sechsteiligen Zyklus am 5., 12. und 19. Juli sowie am 9., 16. und 23. August sämtliche Streichquartette Beethovens.

Zu Gast bei den Wahnfried-Konzerten sind auch die Sopranistin Katharina Konradi, die im vergangenen Jahr bei der Tannhäuser-Neuproduktion als Hirtenknabe zu hören war, sowie der in seiner Rolle als "Gunther" und "Wolfram von Eschenbach" bekannte Bariton Markus Eiche. Aus Anlass des 175. Geburtstags des bayerischen Königs Ludwig II. steht zudem eine Konzertlesung mit Hans-Jürgen Schatz als Ludwig II. und Maria Hartmann als Cosima Wagner auf dem Programm.

Wegen der Corona-Krise können alle Planungen nur vorläufig sein. Es gelten Abstandsregelungen und Maskenpflicht. Karten sind ab dem 1. Juli an der Kasse des Richard Wagner Museums oder per Bestellung gegen Vorkasse erhältlich.

Mehr als 360.000 Pflegekräfte in Bayern wollen den Bonus

Freitag, 26. Juni, 08.16 Uhr: Fünf Tage vor dem Ende der Antragsfrist sind beim bayerischen Landesamt für Pflege bislang 362.339 Anträge auf den Pflegebonus eingegangen. Wie eine Sprecherin des Ministerium für Gesundheit und Pflege auf epd-Anfrage am Donnerstag mitteilte, sei nicht geplant, die Antragsfrist noch einmal zu verlängern. Sie sollte zunächst am 31. Mai enden und war noch einmal auf den 30. Juni verschoben worden. Die bayerische Regierung plant mit rund 132 Millionen Euro Kosten für die Prämien, hieß es. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hatte bei der Einführung mit 400.000 Anträgen gerechnet.

Der bayerische Pflegebonus, der in der Corona-Krise eingeführt wurde, beträgt 500 Euro. Auszubildende und Teilzeitkräfte mit weniger als 25 Stunden Arbeitszeit bekommen laut Ministerium 300 Euro. Den Antrag auf die Prämie können unter anderem Pflegende in Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, stationären Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie ambulanten Pflegediensten stellen. Auch Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Notfallsanitäter und nichtärztliche Einsatzkräfte im Rettungsdienst zählen zu den Berechtigten.

In den vergangenen Wochen hatte unter anderem die SPD an die Staatsregierung appelliert, die Belange von Bayerns Pflege- und Rettungskräften auch nach der Corona-Krise ernst zu nehmen. Der Pflegebonus sei eine wichtige Anerkennung, es brauche aber weitreichende Verbesserungen im Pflegebereich und deutlich höhere Löhne. 

Hohes Friedensfest in Augsburg im neuen Format

Donnerstag, 25. Juni, 18.24 Uhr: Abgespeckter, ohne Friedenstafel und in ungewohnten Live- und Online-Formaten soll das Hohe Friedensfest in Augsburg dieses Jahr stattfinden. Eröffnet wird das coronabedingt kleinere Friedensfest am 30. Juni auf der Sommerbühne im Annahof unter anderem mit einem Berliner Tanz-Theater, wie das Kulturamt der Stadt am Mittwoch bekanntgab. Statt der großen Friedenstafel am 8. August soll es Friedenspicknicks geben.

Die mit der Pandemie einhergehenden Beschränkungen ab März 2020 hätten die Vorbereitungen des Friedensfest-Programms "mit voller Wucht" getroffen und verbindliche Planungen unmöglich gemacht, heißt es weiter. Nun soll es aber wenigstens einen Teil der Veranstaltungen unter dem Thema "Rituale" geben. Angedacht sind Theater, Gespräche, Vorträge sowie Kunst und Aktionen im öffentlichen Raum und an mehreren Orten.

Am 6. Juli etwa ist die Historikerin und Ritual-Expertin Barbara Stollberg-Rillinger zum Thema "Die Kraft der Rituale" zu Gast, die 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse und den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa erhielt. Vom 21. Juli bis zum 8. August soll ein großformatiges Wandgemälde im öffentlichen Raum entstehen. Außerdem finden digitale Mitmachaktionen, Online-Videokonferenzen und ein Festival der Kulturen in gekürzter und veränderter Version statt. Ein Livestream vom Fanprojekt Augsburg des Stadtjugendrings befasst sich am 5. August mit Ritualen in Fußballstadien.

Auch das Multireligiöse Friedensgebet am 7. August und die Gottesdienste am Tag darauf sollen stattfinden, für alle Veranstaltungen gelten die jeweils erforderlichen und zu dem Zeitpunkt gültigen Hygienevorschriften und Zugangsbegrenzungen.

Corona: Chormusical-Aufführung in Bayreuth in 2021 verschoben

Donnerstag, 25. Juni, 10.30 Uhr: Die für März dieses Jahres geplante Aufführung des Chormusicals "Martin Luther King - ein Traum verändert die Welt" in Bayreuth wird auf den Herbst 2021 verschoben. Dies teilte die Stiftung Creative Kirche als Veranstalter am Mittwoch mit. Man müsse davon ausgehen, dass auch nach dem 31. Oktober 2020 Großveranstaltungen weiter verboten sind, insbesondere solche mit großem Chor. Außerdem führten die nötigen Regelungen, um eine Veranstaltung überhaupt stattfinden zu lassen dazu, dass der Charakter des Chormusicals durch Maskenpflicht und Abstandsregelungen verloren gehe, heißt es weiter.

Die Aufführung soll nun am 16. Oktober 2021 in der Oberfrankenhalle Bayreuth stattfinden. Am 25. September 2021 soll "zur Auffrischung des Geübten" eine zusätzliche Probe in der Freiheitshalle Hof stattfinden, an der alle Mitwirkenden teilnehmen. Eine erneute Anmeldung sei nicht erforderlich. Das Chormusical "Martin Luther King - Ein Traum verändert die Welt" wurde am 9. und 10. Februar 2019 in der Grugahalle Essen uraufgeführt. An dem ökumenischen Projekt beteiligten sich damals 2.400 Sängerinnen und Sänger, eine Big-Band, ein Orchester sowie und nationale und internationale Musicaldarsteller.

Ein Markenzeichen des Mitsing-Projekts "Martin Luther King", das vor der Corona-Pandemie seit Beginn des Jahres mit Big Band und einem professionellen Musicalensemble durch Deutschland tourte, ist die Mitwirkung zahlreicher Chöre aus der Region der Aufführungsorte. Für die beiden ursprünglich geplanten Aufführungen am 14. und 15. März in der Bayreuther Oberfrankenhalle hatten sich mehr als 1.100 Sängerinnen und Sänger vorbereitet, beteiligt hatten sich insgesamt 38 Chöre aus Oberfranken und anderen bayerischen Regionen. 

Staatsregierung begrüßt Lockdown in Gütersloh - und übt Kritik

Mittwoch, 24. Juni, 11.05 Uhr: Die bayerische Staatsregierung begrüßt den regionalen Lockdown im Landkreis Gütersloh nach der starken Verbreitung des Coronavirus dort. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe seinem Amtskollegen Armin Laschet (CDU) per Kurznachricht mitgeteilt, dass er das Vorgehen der nordrhein-westfälischen Landesregierung begrüße, sagte der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann (CSU) am Dienstag. Die Staatsregierung zeigte sich allerdings bei der mit 1.600 Personen hohen Zahl von Corona-Infizierten irritiert darüber, dass für den betroffenen Landkreis keine Ausreisebeschränkungen erlassen wurden.

Die bayerische Staatsregierung hat deshalb beschlossen, dass Beherbergungsbetriebe im Freistaat Gäste aus Regionen mit Corona-Hotspots nicht aufnehmen dürfen. Maßgeblich sei dabei die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Diese dürfe nicht über die bekannte Größe von 50 Menschen gestiegen sein. Maßgeblich seien dabei die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI), sagte Herrmann. Ausnahmen gelten nur für Personen, die einen negativen Corona-Test vorlegen können: "Es genügt ein Funke, um das Infektionsgeschehen wieder aufleben zu lassen."

Freistaat schließt Vertrag mit KVB: Mehr Corona-Tests möglich

Mittwoch, 24. Juni, 08.55 Uhr: Die Staatsregierung hat mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Bayern (KVB) einen Vertrag über noch offene Kostenfragen bei Corona-Tests geschlossen. Dies sei ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des bayerischen Testkonzepts, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag in München mit. Ministerin Melanie Huml (CSU) sagte, der Ausbau der Testkapazitäten sei von zentraler Bedeutung für eine "weiterhin erfolgreiche Eindämmung der Corona-Pandemie".

Nötig wurde der Vertrag, nachdem das Bundesgesundheitsministerium eine Verordnung zur Übernahme von weiteren Laborkosten für die gesetzliche Krankenversicherung vorgelegt hatte. In der Verordnung ist aber nur eine Übernahme der Laborkosten geregelt, nicht aber für die Abnahme des Abstrichs und auch nicht für Tests bei asymptomatischen Fällen. Diese entsprechenden Kostenlücken schließt der Freistaat nun durch den eigenen Vertrag mit der KVB, erläuterte Huml.

Der Freistaat hat eine deutliche Ausweitung der Testungen auf das neue Coronavirus beschlossen. Alle Personen, die auf Covid-19-Erkrankung getestet werden wollen, sollen nach dem bayerischen Testkonzept bei ihrem niedergelassenen Vertragsarzt dazu auch die Möglichkeit erhalten, hieß es.

Spitalkirchen-Konzertreihe startet unter Corona-Auflagen

Dienstag, 23. Juni, 11.09 Uhr: Die seit Jahren stattfindende Konzertreihe "Musik in fränkischen Spitalkirchen" kann dank der Lockerungen der Corona-Auflagen nun doch stattfinden - allerdings mit deutlich weniger Publikum. Den Auftakt bildet das Konzert am 26. Juni in der Ochsenfurter Spitalkirche um 20 Uhr. Einen Tag später spielt das "Barocktrompeten Ensembles Berlin" auch im Museum Kirche in Franken des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim festliche Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Wegen der Corona-Auflagen muss man sich für die Konzertbesuche vorab anmelden, in Bad Windsheim werden 24 Plätze vergeben.

Auch die Konzerte am 28. Juni in Röttingen und Aub finden wie geplant statt, ebenso - nach aktueller Planung - die Fortsetzung der Reihe im September. Dann soll an den vier Spielorten das Ensemble "TARS" italienische Musik von der Renaissance bis zum Spätbarock spielen. Besucher der Juni-Konzerte müssen einen Mund-Nasenschutz während des Konzertes tragen. Zudem werden die Kontaktdaten der Gäste aufgenommen und zeitweise gespeichert, hieß es aus dem Fränkischen Freilandmuseum.

Die meisten Kurzarbeiter im Mai in Bayern

Dienstag, 23. Juni, 08.48 Uhr: In Bayern waren im Mai mehr als ein Viertel der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Kurzarbeit. Das Münchner ifo-Institut teilte am Montag mit, nach ihrer Erhebung seien im Freistaat 1,469 Millionen Menschen auf Kurzarbeit gesetzt gewesen. Das seien 26 Prozent. Im größeren Nordrhein-Westfalen zählte man 1,466 Millionen oder 21 Prozent. Baden-Württemberg hatte 1,09 Millionen Kurzarbeiter (23 Prozent).

Gerade in den Ländern mit bedeutender Automobil- und Zuliefererindustrie werde besonders viel Kurzarbeit gefahren, sagt Arbeitsmarkt-Experte Sebastian Link von ifo. Insgesamt schätzt das ifo-Institut die Zahl der Kurzarbeiter im Mai auf bundesweit etwa 7,3 Millionen. 

Angela Merkel wirbt für neue Corona-Warn-App

Montag, 22. Juni, 10.20 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für die Nutzung der Corona-Warn-App geworben. "Laden Sie die kostenlose App herunter und nutzen Sie sie", sagte Merkel in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. Jeder, der die App habe, leiste einen Beitrag dazu, das Corona-Virus auch künftig unter Kontrolle zu halten. Die Kanzlerin betonte, dass bei der Anwendung der App die Privatsphäre geschützt werde. Die seit Dienstag verfügbare Corona-Warn-App wurde bis Samstag bereits mehr als 10 Millionen Mal heruntergeladen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der "Bild am Sonntag" sagte. Die Anwendung soll die Nachverfolgung möglicher Infektionsketten in der Corona-Pandemie erleichtern.

Die Daten, die die App erzeuge, seien konsequent verschlüsselt, führte Merkel aus. "Das heißt: Die App weiß weder, wer Sie sind, noch wo sie sich bewegt haben, und sie kennt auch nicht die Identität derjenigen, die Sie getroffen haben." Merkel hob auch hervor, dass die Nutzung "absolut freiwillig" sei. "Es gibt keine Belohnung für die Benutzung und keinen Nachteil, wenn sich jemand dagegen entscheidet. Aber es gibt, davon bin ich überzeugt, sehr gute Argumente für die App." Sie ermögliche es dem Einzelnen, zu erfahren, wenn er sich einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt habe. Zugleich habe die App einen Nutzen für die Gemeinschaft: "Und je mehr mitmachen, desto größer der Nutzen."

Münchner Orgelsommer startet am 5. Juli online

Donnerstag, 18. Juni, 17.00 Uhr: Der 7. Münchner Orgelsommer findet heuer in kleinerem Umfang vom 5. Juli bis 13. September statt - ausschließlich online. Auf dem Programm stehen sechs Orgelkonzerte, die jeweils am Sonntag um 19 Uhr im Internet abgerufen werden können. Es spielen die Kirchenmusiker der fünf teilnehmenden Kirchen. Am Eröffnungskonzert am 5. Juli nehmen alle Kantoren teil, Stadtdekanin Barbara Kittelberger spricht ein Grußwort. Die Konzerte sind ab der Erstausstrahlung auf unbestimmte Zeit abrufbar.

Am 19. Juli spielt Kirchenmusikdirektor Armin Becker (St. Matthäus), gefolgt von Klaus Geitner (Himmelfahrtskirche) am 2. August und von Michael Grill (Erlöserkirche) am 16. August. Am 30. August spielt Michael Roth (St. Markus) und am 13. September Tobias Frank (St. Lukas). Die sechs Konzerte werden an der Steinmeyer-Orgel von St. Lukas aufgenommen und auf der Website "www.muenchner-orgelsommer.de" sowie dem YouTube-Kanal "Münchner Orgelsommer" online gestellt.

Umfrage: Mehrheit der Bayern hat Angst vor zweiter Corona-Welle

Donnerstag, 18. Juni, 08.00 Uhr: Mehr als die Hälfte der Bayern fürchtet sich einer Umfrage zufolge vor einer zweiten Corona-Infektionswelle. Insgesamt 56 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der "Augsburger Allgemeinen" befragten Personen gaben an, sich davor "auf jeden Fall" oder "eher" zu fürchten. 31 Prozent der Befragten fürchten sich hingegen nicht, mehr als zwölf Prozent sind in diese Frage unentschieden. Vom 3. bis 17. Juni seien insgesamt 10.030 Personen aus Deutschland befragt worden, davon kamen 1.765 Umfrage-Teilnehmer aus Bayern.

Die Bayern sind damit nur weniger ängstlich als der Durchschnitt der Deutschen. Bundesweit gaben 58 Prozent an, Angst vor einer weiteren Infektionswelle zu haben, 29 Prozent verneinten dies. Blickt man auf die Parteipräferenzen der Befragten, ergibt sich folgendes Bild: Besonders ausgeprägt ist die Furcht demnach bei Wählern von Grünen und SPD, etwas weniger stark bei Unionsanhängern und Linke-Wählern. Nur die Anhänger von AfD und FDP gaben der Zeitung zufolge mehrheitlich an, sich nicht vor einer zweiten Corona-Infektionswelle in Deutschland zu fürchten.

Bayerisches Justizministerium: Kriminelle nutzen Corona-Krise aus

Mittwoch, 17. Juni, 12.05 Uhr: Laut dem bayerischen Justizministerium wurden in den vergangenen Wochen mindestens 771 Verfahren wegen Betrugs eingeleitet. Allein bei den Staatsanwaltschaften liefen mindestens 163 Ermittlungs- und Vorermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Anträgen auf Corona-Soforthilfen des Bundes und des Freistaates Bayern, heißt es.

Die Schadenssumme liege demnach, soweit schon ausgezahlt, bei etwa 1,7 Millionen Euro. Bei Anträgen im Gesamtwert von weiteren 2,2 Millionen Euro bestehe zudem der Verdacht auf falsche Angaben, ohne dass es allerdings zur Auszahlung gekommen sei, so das Ministerium weiter. Neben der Pflicht zur Rückzahlung der Corona-Soforthilfe drohen für den Betrug auch Geldstrafen und Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren.

Außerdem gebe es Erpresserschreiben, bei denen in E-Mails gedroht werde, Familienmitglieder mit dem Corona-Virus anzustecken. Das Ministerium weist auch auf "Corona-Fake-Shops" hin, bei denen gefälschte Schutzmittel, Medikamente oder nicht existente Impfstoffe gegen das Corona-Virus angeboten würden. Die bezahlte Ware werde entweder nicht oder nicht in der versprochenen Qualität geliefert.

Zudem gebe es auf gefälschten Internetseiten oder über E-Mails immer wieder Versuche, Kreditkarten- oder Kontoinformationen abzuschöpfen. Auch seien "falsche Polizisten" unterwegs, bei denen sich Kriminelle als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben unter dem Vorwand, Corona-Tests durchzuführen, um in die Wohnung zu gelangen. Andere Täter wiederum spiegelten vor, dass ein Angehöriger mit dem Corona-Virus infiziert sei und dringend Geld für seine Behandlung benötige.

Kultur trotz Corona auf der Sommerbühne Augsburg

Mittwoch, 17. Juni, 11.50 Uhr: Mit gut drei Dutzend kurzfristig organisierten Kultur- und Bildungsveranstaltungen beginnt in der kommenden Woche ein zweimonatiges Programm auf der "Sommerbühne" im Augsburger Annahof. Das Programm wurde vom Kulturamt in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Gesamtkirchengemeinde organisiert und wird von zahlreichen Einrichtungen veranstaltet.

Als Bühne dient das bereits vorhandene Plateau der Alten Bibliothek im Annahof, das noch überdacht werden soll. Dort finden dann im Zeitraum vom 24. Juni bis 15. August 37 Veranstaltungen statt vom Jazzkonzert bis zu Lesungen und Gesprächsabenden, zudem werden Corona-Kunst-Projekte vorgestellt. Um die derzeit geltenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen einhalten zu können, dürfen maximal 100 Personen die Veranstaltungen besuchen. "Sie können durch die beiden Einlässe zum Innenhof so auch gut geleitet werden", sagte Seidel.

Die Tickets zu allen Veranstaltungen können nur im Vorverkauf und nur online erworben werden unter www.sommerbuehne-annahof.de "und kosten zwischen Null-Euro mit kleiner Gebühr und maximal 16 Euro", sagte Beck. Eine Abendkasse gibt es nicht. Gespielt wird bei jedem Wetter außer bei Sturm.

Neue Corona-Regelungen in Bayern ab dem 17. Juni

Dienstag, 16. Juni, 13.00 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verkündet neue Corona-Regelungen für Bayern, die zum Teil ab Mittwoch, 17. Juni, gelten. "Bayerns Strategie war richtig. Wir stehen stabil. So ist es unser gemeinsames Bestreben weiter zu erleichtern, wo es möglich und sinnvoll ist", sagt Söder bei der Pressekonferenz.

Das sind die Regelungen und ab wann sie gelten sollen:

  • ab 17. Juni ist der Katastrophenfall aufgehoben
  • ab 17. Juni dürfen sich zehn Personen aus mehreren Haushalten treffen
  • ab 22. Juni dürfen Veranstaltungen bis zu 50 Personen in Innenräumen und 100 Personen in Außenräumen stattfinden
  • ab 1. Juli dürfen alle Kinder wieder in die Kitas, ab September sollen auch Schulen wieder im Regelbetrieb laufen

Auf die Frage, ob sich der Ministerpräsident einen Nürnberger Christkindlesmarkt vorstellen könnte, antworte Söder schlicht mit: "Schauen wir mal." Der bayersiche Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) konkretisierte einige der Reglungen noch und ergänzte beispielsweise, dass in Fernbussen jede Reihe wieder besetzt werden kann.

Gleichzeitig kam er noch einmal auf eine mögliche Auto-Kaufprämie zu sprechen. "Sie wäre für die bayerische Autoindustrie wichtig gewesen", sagte er auf der Pressekonferenz. Auch erfreulich: Bei Gottesdiensten wird der Mindestabstand von 2 Metern auf 1,5 Meter verringert. So sollen mehr Personen in die Bänke passen, erklärt Staatskanzleichef Florian Herrmann.

"Ich befürchte, dass wir global noch eine ganz schlimme Zeit bekommen werden", sagte Söder jedoch auch.  In diesem Fall werde Bayern auch in der Verantwortung stehen andere Länder zu unterstützen.

Rund 5,8 Millionen Euro für Jugendherbergen

Freitag, 12. Juni, 08.40 Uhr: Das Deutsche Jugendherbergswerk Landesverband Bayern e. V. (DJH) hat aus dem Corona-Programm Soziales der Bayerischen Staatsregierung rund 5,8 Millionen Euro zur Existenz-Sicherung erhalten. "Die Unterstützung hilft uns enorm, den Betrieb unserer Häuser wieder aufzunehmen", sagte Jugendherbergs-Präsident Klaus Umbach am Mittwoch laut Mitteilung des Sozialministeriums bei der symbolischen Scheckübergabe in München.

Vor allem junge Familien könnten nun wieder ein paar unbeschwerte Tage in einer Jugendherberge genießen, sagte Umbach. Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) betonte, dass die Jugendherbergen jungen Menschen wertvolle Begegnungsmöglichkeiten böten und sie wichtige Bildungsarbeit leisteten. "Dieser gesellschaftliche Beitrag darf dem Freistaat und den jungen Menschen in dieser herausfordernden Zeit nicht verloren gehen", sagte Trautner.

Seit 30. Mai 2020 sind die Jugendherbergen in Bayern nach der coronabedingten Schließung zuvor wieder geöffnet und können Gäste empfangen. Hierdurch werden auch wieder Einnahmen generiert. Zur Eindämmung des Infektionsrisikos beachten die Einrichtungen das Hygienekonzept "Beherbergung".

Coronafolgen treffen Gastgewerbe und Hotellerie hart

Mittwoch, 10. Juli, 11.35 Uhr: Das bayerische Gastgewerbe ist im Monat April durch die Corona-Krise schwer getroffen worden. Der Umsatz ist laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik um 76 Prozent eingebrochen gegenüber dem Vormonat, die Zahl der Beschäftigten ging im gleichen Zeitraum um 28 Prozent zurück, wie das Landesamt am Mittwoch in Fürth bekanntgab.

In den ersten vier Monaten 2020 ging der Umsatz des bayerischen Gastgewerbes gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30,2 Prozent zurück. In der Beherbergung sank der Umsatz im April 2020 um 88,3 Prozent, die Zahl der Beschäftigten sank um 21 Prozent. Am stärksten betroffen von der Corona-Pandemie sei im April 2020 die getränke-geprägte Gastronomie gewesen mit Umsatzrückgängen von knapp 90 Prozent. Die geringsten Umsatzeinbußen habe es dagegen bei den Campingplätzen gegeben mit einem Minus von 46 Prozent.

Zahl der Arbeitsstunden im ersten Quartal deutlich gesunken

Mittwoch, 10. Juli, 08.28 Uhr: Die Covid-19-Pandemie hat nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bereits im ersten Quartal 2020 deutlich auf das Arbeitsvolumen gedrückt. Die Arbeitszeit pro Erwerbstätigen lag in dem Zeitraum bei 349,8 Stunden und sank damit um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs "Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen", in Nürnberg mitteilte. Da der wirtschaftliche Shutdown aber erst in den letzten beiden März-Wochen begann, werde sich "die volle Wucht der wirtschaftlichen Einschränkungen" in den Zahlen für das zweite Quartal zeigen, sagte er.

Von Januar bis März 2020 wurde den Angaben zufolge pro Erwerbstätigem so wenig gearbeitet wie noch nie in einem ersten Quartal seit der Wiedervereinigung. Zur Begründung verwies Weber auf weniger Überstunden, einen Abbau von Guthaben auf Arbeitszeitkonten, Freistellungen, vorgezogene Urlaubstage und Kurzarbeit.

Die bezahlten und unbezahlten Überstunden je Arbeitnehmer sanken laut Institut im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 0,6 bzw. 0,4 Stunden. Die Beschäftigten machten in den drei Monaten im Durchschnitt 5,2 bezahlte und 5,5 unbezahlte Überstunden. Zusätzlich wurden im Schnitt je Arbeitnehmer zwei Stunden Guthaben auf den Arbeitszeitkonten abgebaut.

Die Zunahme bei den Freistellungen und beim genommenen Urlaub betrug den Angaben zufolge zusammengerechnet fünf Stunden pro Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahresquartal. Der Kurzarbeitereffekt belief sich im Schnitt auf zwei Stunden - er lag damit im ersten Quartal 2020 eine Stunde höher als im ersten Quartal 2019.

Tourismus in Bayern war im April weit im Keller

Dienstag, 9. Juli, 10.01 Uhr: Die Coronakrise hat sich auf den Tourismus in Bayern gravierend ausgewirkt. Das statistische Landesamt in Fürth hat am Dienstag die Gäste- und Übernachtungszahlen für den Monat April 2020 veröffentlicht. Sie zeigen einen Rückgang der Gäste um 94,5 Prozent. Es kamen 173.000 Besucher. Das Minus bei den Übernachtungen beträgt den Angaben nach 89,9 Prozent. Das waren 800.000 Übernachtungen.

Im April hatten nur rund 6.400 von den 12.000 bayerischen Hotels, Pensionen und Gästehäuser überhaupt geöffnet, hieß es. Ab Mitte März durften Gästebetten wegen der Corona-Pandemie nur noch "für notwendige, nicht touristische Zwecke" vermietet werden. Diese Beschränkung ist seit dem 30. Mai aufgehoben, so dass das statistische Landesamt auch für Mai noch mit keiner wesentlichen Besserung der Ergebnisse rechnet.

Laut Statistik waren alle Regierungsbezirke von den massiven Rückgängen betroffen. Die höchsten Einbußen gegenüber dem Vorjahresmonat mussten jedoch die Wirte in Schwaben hinnehmen. (96,3 Prozent weniger Gäste). In München kamen 95,8 Prozent weniger Besucher. Wegen der Beschränkungen hatten Campingplätze, Jugendherbergen und Ferien- oder Schulungsheime einen nahezu kompletten Ausfall der Belegung. 

Gesundheitsministerin richtet dringenden Appell an Angehörige von Pflegebedürftigen

Montag, 8. Juni, 11.06 Uhr: Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erinnert in der Corona-Pandemie an die Situation der pflegenden Angehörigen. Diese seien vor besondere Herausforderungen gestellt und fühlten sich verunsichert, wie sie mit dem Infektionsrisiko umgehen sollen, teilte Huml am Sonntag mit. Sie rief die Betroffenen auf, sich bei Fragen an eine der ingesamt 110 Fachstellen für pflegende Angehörige zu wenden, die es fast in jedem Landkreis und in fast jeder kreisfreien Stadt gebe. Die Fachstellen böten Beratung per Telefon und E-Mail an, einige kontaktierten ihre Klienten auch von sich aus.

Die Ministerin wies darauf hin, dass auch im Zweiten Bevölkerungsschutzgesetz Erleichterungen für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige, zunächst befristet bis Ende September, vorgesehen seien. Unter anderem sollen Menschen, die wegen der Pflege eines Angehörigen nicht arbeiten können, bis zu 20 Tage lang das Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung bezahlt bekommen. Außerdem sehe das Gesetz flexiblere Regelungen im Pflegezeit-und Familienpflegezeitgesetz vor. Huml betonte, dass sie den pflegenden Angehörigen und auch den Ehrenamtlichen, die sich um pflegebedürftige und ältere Menschen kümmern, besonders danke. 

Kapellen dürfen in Bayern wieder proben - Chöre noch nicht

Samstag, 6. Juni, 16.42 Uhr: Ab Montag (8. Juni) können Laienmusiker wieder gemeinsam proben. Die Lockerung der Corona-Beschränkung haben am Freitag die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml und Kunstminister Bernd Sibler (beide CSU) mitgeteilt. Üben und Proben von Instrumentalmusik werde in Gruppen von höchstens zehn Personen mit dem Leiter oder der Leiterin erlaubt. Der Mindestabstand zwischen den Musikern müsse zwei Meter betragen, zwischen Bläsern sogar drei Meter. "Eine Mund-Nasen-Bedeckung müssen alle Musiker tragen - außer bei Blasinstrumenten", sagte die Gesundheitsministerin. Die Proben sollen nach Möglichkeit im Freien stattfinden. Chöre und Gesangsgruppen dürfen noch nicht wieder üben.

Ihm sei bewusst, dass die vorliegende Regelung das musikalische Leben derzeit nur eingeschränkt wiederherstellen könne, sagte Kunstminister Sibler. Soweit es das Infektionsgeschehen zulasse, werde er sich für weitere Lockerungen einsetzen. Die Laienmusikkultur bedeute für Musikerinnen und Musiker mehr als nur bloßes Musizieren, sagte Sibler. "Sie ist gelebte Gemeinschaft sowie fester Bestandteil des bayerischen Lebensgefühls und Selbstverständnisses". 

Die Zahl der Arbeitslosen steigt weiter

Freitag, 5. Juni, 08.46: Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist aufgrund der Corona-Krise im Mai zum zweiten Mal und nun auf über 290.000 gestiegen. Damit lag die Arbeitslosenquote in Bayern im Mai bei 3,8 Prozent und um 1,1 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert, wie das bayerische Sozialministerium bekanntgab. Nach Ministeriumsangaben seien aber die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt weiterhin gut.

Am bayerischen Arbeitsmarkt seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin deutlich zu spüren, sagte Arbeitsministerin Carolina Trautner zu den am Mittwoch veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen für den Monat Mai. Dennoch gebe es nach wie vor einen Überhang an freien Ausbildungsplätzen im Vergleich zu den Bewerbern. So entfielen auf 100 Bewerberinnen und Bewerber rund 170 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern warnte vor einem Einbruch des Arbeitsmarktes angesichts der Corona-Krise. Neben der Beschäftigungssicherung müsse nun die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten ins Zentrum rücken, betonte der DGB. Man sehe derzeit eine "steigende Arbeitslosigkeit auf breiter Front, und zwar sowohl in der Grundsicherung als auch in der Arbeitslosenversicherung", heißt es weiter. Die Staatsregierung sei gefordert, sich auf Bundesebene für ein schnelles und starkes Konjunkturprogramm einzusetzen.

Auch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) rechnet nicht mit einer Trendumkehr am Arbeitsmarkt. Man habe einen Anstieg der Arbeitslosen und weiterhin große Unsicherheiten in den Unternehmen. Die knapp 140.000 Kurzarbeitsanzeigen für rund zwei Millionen Beschäftigte durch die Unternehmen seien historische Höchststände. Die Unternehmen täten aus Sicht des vbw aber alles, um Liquidität für den Bestand ihrer Betriebe und damit der Belegschaft zu sichern. Um einen schnellen Neustart zu ermöglichen, brauche man ein Belastungsmoratorium für die Unternehmen. Dazu gehöre der Verzicht auf die vorgesehene Verschärfung der Befristungsregeln. 

Viele Corona-Helfer zu Münchner Fronleichnamsgottesdienst eingeladen

Donnerstag, 4. Juni, 14.18 Uhr: Der Fronleichnamsgottesdienst am 11. Juni mit dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx soll auch eine Danksagung an Helfer in der Corona-Pandemie sein. Da wegen der Hygieneschutzmaßnahmen nur 70 Gäste im Münchner Liebfrauendom teilnehmen können, werde ein repräsentativer Querschnitt der Stadtbevölkerung eingeladen, teilte das Erzbistum am Donnerstag mit.

Ein Fokus liege dabei auf Menschen, die den Kranken und Notleidenden in der Corona-Krise helfen, etwa aus dem Gesundheitswesen und Altenheimen, aus Nachbarschaftshilfe, Obdachlosenarbeit, Suppenküchen oder der Bahnhofsmission. Einige Plätze sollen Gläubigen zur freien Verfügung stehen, der Einlass beginnt um 9.30 Uhr. Die traditionelle Fronleichnamsprozession mit sonst Tausenden Teilnehmern entfalle. Dafür werde Kardinal Marx nach dem Gottesdienst in einer kleinen Sakramentsprozession vor dem Dom die Stadt segnen. Der Gottesdienst um 10 Uhr wird auch im Internet per Stream übertragen.

Institut: Kurzarbeit erreicht Rekordzahlen

Mittwoch, 3. Juni, 08.24 Uhr: Im Mai waren nach Angaben des ifo Instituts in München mit 7,3 Millionen Beschäftigten so viele Personen in Kurzarbeit wie nie zuvor. "In der Finanzkrise lag der Gipfel der Kurzarbeit im Mai 2009 bei knapp 1,5 Millionen Menschen", sagte der Arbeitsmarktexperte Sebastian Link am Dienstag in München. In der Corona-Krise hatten die Unternehmen ursprünglich 10,1 Millionen Arbeitnehmer zur Kurzarbeit angemeldet. Laut ifo Institut wurden davon tatsächlich 71,6 Prozent in Kurzarbeit geschickt.

Dem Forscher zufolge arbeiteten in den wirtschaftsnahen Dienstleistungen 2,4 Millionen Menschen in Kurzarbeit, das waren 24,5 Prozent der Beschäftigten. In der Industrie waren es 2,2 Millionen Menschen, oder 31 Prozent aller Beschäftigten, im Handel 1,3 Millionen Menschen oder 29,7 Prozent. Besonders gering war die Zahl auf dem Hoch- und Tiefbau mit 22.000 Arbeitern oder 4,1 Prozent der Beschäftigten, hieß es. Ursprünglich angemeldet waren 163.000 Mitarbeiter.

Für die übrigen Wirtschaftszweige, die durch die Umfrage nicht erfasst wurden, schätzt das ifo die Kurzarbeit auf 1,3 Millionen Menschen oder 11,3 Prozent der Beschäftigten.

Im Gegensatz zur Finanzkrise, als über 80 Prozent der Kurzarbeiter in der Industrie beschäftigt waren, werde Kurzarbeit in der Corona-Krise über fast alle Wirtschaftszweige hinweg eingesetzt, hieß es. Grundlage dieser Zahlen sind die Konjunkturumfragen des ifo, bei denen im Mai erstmals der Anteil der Kurzarbeiter der Firmen abgefragt wurde. 

Bundesländer wollen keine erweiterten Sonntagsöffnungen

Samstag, 30. Mai, 10.07 Uhr: Die Bundesländer planen derzeit keine erweiterten Sonntagsöffnungen von Geschäften zum Ankurbeln der Konjunktur nach der Corona-Krise. Wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes epd in den zuständigen Ministerien ergab, gibt es nirgendwo konkrete Pläne dazu. Einzig Niedersachsen zeigte sich offen. Grundsätzlich seien Sonntagsöffnungen ein geeignetes Instrument, den stationären Einzelhandel zu stärken, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Dazu werde aber eine breite gesellschaftliche Diskussion gebraucht, ergänzte sie.

Zunächst wurden aber in Niedersachsen wie in vielen anderen Bundesländern auch die am Anfang der Corona-Pandemie geltenden Ausnahmen für Sonntagsöffnungen wieder zurückgenommen, teilweise schon um Ostern. In Bayern habe es keinen einzigen Antrag von Händlern für flexiblere Öffnungszeiten gegeben, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in München. Auch in Berlin wurde von der Möglichkeit, Geschäfte sonntags von 12 bis 18 Uhr zu öffnen, kaum Gebrauch gemacht, wie die dortige Senatsverwaltung mitteilte.

Die Bundesländer haben unterschiedliche Regelungen für verkaufsoffene Sonntage. Wegen des Sonntagsschutzes sind solche verkaufsoffenen Tage begrenzt. Eine Ausweitung wird unter anderem von Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen strikt abgelehnt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte zur Ankurbelung der Konjunktur nach der Corona-Krise erweiterte Ladenöffnungszeiten vorgeschlagen. In der ZDF-Sendung "Berlin direkt" sagte er, er könne sich "etwas mehr verkaufsoffene Sonntage, etwas mehr Flexibilität bei den Ladenöffnungszeiten" vorstellen. "Das hat noch niemandem geschadet", sagte Altmaier. Es gebe den Menschen "mehr Freiheit".

Corona-Krise: Landeskirche gibt eine Million Euro für Partnerkirchen

Freitag, 29. Mai, 11.42 Uhr: Die bayerische evangelische Landeskirche stellt in mehreren Initiativen insgesamt rund eine Million Euro an Hilfen für ihre Partnerkirchen in der Corona-Krise zur Verfügung. So gingen 100.000 Euro direkt an die weltweit 20 Partnerkirchen: Mit dem Geld könnten vor Ort Lebensmittel, medizinische Ausrüstung oder Hygienemaßnahmen bezahlt werden, teilte die Landeskirche am Freitag in München mit. Daneben habe die Landeskirche weitere 500.000 Euro bereitgestellt, die die Partnerkirchen über das Genfer Hilfsbündnis ACT (Action of Churches Together) in der Corona-Krise abrufen können. Diesem Bündnis gehören den Angaben zufolge 145 Kirchen und Organisationen aus aller Welt an.

Für den Lutherischen Weltbund stelle die Landeskirche 80.000 Euro für die Ersthilfe in Flüchtlingslagern in Lateinamerika, Afrika und im Nahen Osten zur Verfügung. Weitere 330.000 Euro seien über eine Spendenaktion des landeskirchlichen Partnerschaftszentrums Mission EineWelt in Neuendettelsau zusammengekommen: Dort habe man im März zu Spenden aufgerufen, um den weltweiten Partnerkirchen unter anderem bei der medizinischen Versorgung, der Aufklärungs- und Präventionsarbeit oder der Lebensmittelversorgung beizustehen. 165.000 Euro an Spenden seien eingegangen, die die Landeskirche mit Mitteln aus ihrem Haushalt verdoppelt hat.

Die Landeskirche weist in ihrer Pressemitteilung darauf hin, dass für die Verwendung der bereitgestellten Gelder strenge Regeln gelten. Schließlich sollten die Mittel nicht dazu dienen, Strukturen zu stützen, die schon vor der Corona-Krise in Schieflage geraten waren. Der zuständige Oberkirchenrat Michael Martin sagte, dass die Corona-Pandemie die enge Verbundenheit mit den Partnerkirchen verstärkt habe. Es werde deutlich, "dass schnelle Hilfe und ordentliche Nachweise auch in Krisenzeiten zusammen gehen können und müssen".

Fussek: Corona-Krise macht Fehler in der Pflege sichtbar

Donnerstag, 28. Mai, 10.39 Uhr: Der bayerische Pflege-Experte Claus Fussek sieht in der Corona-Krise die "einmalige Chance", aus den Fehlern in der Pflege der vergangenen Jahrzehnte Konsequenzen zu ziehen. "Es ist schon irre, dass wir so einen Wahnsinn gebraucht haben, um die Probleme sichtbar zu machen", sagte der Kritiker des deutschen Pflegesystems im Interview mit dem Radiosender Bayern 2 am Donnerstag. Es brauche eine bessere Bezahlung im Pflegebereich sowie mehr und bessere Pflegekräfte.

Natürlich müsse man Gewinne machen, räumte Fussek ein. Doch das Geld müsse auch bei den Pflegekräften, bei den Behinderten und bei den Pflegebedürftigen ankommen. "Ein funktionierendes Gesundheits-Pflege-System ist der Stabilitätsfaktor einer Gesellschaft." Außerdem sei eine Hospizkultur notwendig, mahnte Fussek. "Es ist doch irrsinnig, viele Menschen, die im Sterben sind, noch herumzutransportieren, als dass wir in den Heimen sagen, 'wir sind darauf aufgestellt, Menschen palliativ zu begleiten'."

Fussek kritisierte aber auch die Untätigkeit der Pflegekräfte. Denn diese seien nicht einmal zu fünf Prozent gewerkschaftlich organisiert. "Würden Pflegekräfte untereinander solidarisch sein, zusammen mit den alten Menschen, den pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen, diese Gruppe wäre die mächtigste Berufsgruppe in der Gesellschaft."

Evangelische Erzieherinnen und Erzieher erhalten mehr Gehalt

Mittwoch, 27. Mai, 12.40 Uhr: Erzieherinnen und Erzieher in evangelischen Einrichtungen und in den Sozialdiensten erhalten rückwirkend zum 1. Januar 2020 höhere Gehälter. Wie die Arbeitsrechtliche Kommission (ARK) am Mittwoch mitteilte, verdient die Leiterin einer Kindertagesstätte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern mit mindestens 100 Plätzen in der Endstufe 6 zukünftig 4.960 Euro, 266 Euro mehr als zuvor.

Auch die Bezüge einer Erzieherin oder eines Erziehers erhöhen sich in der höchstmöglichen Stufe. Sie steigen von 3.603 auf 3.934 Euro an. Grund hierfür ist, dass sie nun langjährige Mitarbeiter in ihrer jeweiligen Gehaltsgruppe in die höchste "Erfahrungsstufe" aufsteigen können. Die tarifliche Erhöhung zum 1. März für alle Beschäftigten beträgt 3,15 Prozent oder mindestens 90 Euro im Monat.

Oberkirchenrat Nikolaus Blum, der Vertreter der kirchlichen Körperschaften und damit der kirchlichen Arbeitgeberseite in der ARK, erklärte, die Kirche konkurriere auf der Suche nach guten Mitarbeitenden mit Arbeitgebern, die nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlen. "Mit dem ziehen wir jetzt gleich - oder übertreffen ihn sogar." Der Vertreter der Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst, Klaus Klemm, erklärte, die Coronakrise hätte die Bedeutung der Mitarbeitenden im Erziehungs- und Sozialdienst noch einmal besonders deutlich gemacht. Er freue sich daher, "dass die Bezahlung für die kirchlichen Angestellten ihrer Bedeutung entspricht".

Die Arbeitsrechtliche Kommission beschließt für die Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie die Arbeitsverträge und die Entgelte. Ihre Entscheidungen betreffen nach eigenen Angaben derzeit rund 117.000 Mitarbeitende. Die ARK besteht aus 16 unabhängigen Mitgliedern und ist paritätisch mit Vertretern der Mitarbeitenden und der Träger der Einrichtungen besetzt.

IfW: Nähe zu Ischgl erhöht die Corona-Infektionsrate

Mittwoch, 27. Mai, 12.33 Uhr: Die geografische Nähe zu Ischgl im österreichischen Tirol ist offenbar einer der Hauptrisikofaktoren für Corona-Infektionen in Deutschland. Landkreise, die näher an der "Superspreader-Location" Ischgl liegen, haben systematisch höhere Infektionsraten als weiter entfernte, teilte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit. Von anderen Corona-Hotspots wie dem Kreis Heinsberg (NRW) oder Mulhouse an der französischen Grenze gehe kein vergleichbarer Einfluss auf das Infektionsgeschehen in Deutschland aus. Das IfW hatte für seinen Corona-Monitor Daten des Robert-Koch-Instituts aus den 401 Landkreisen ausgewertet.

"Schon ein um zehn Prozent kürzerer Anfahrtsweg nach Ischgl erhöht die Infektionsrate im Durchschnitt um neun Prozent", sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. "Lägen alle deutschen Kreise so weit weg von Ischgl wie der Kreis Vorpommern-Rügen, gäbe es in Deutschland fast 50 Prozent weniger Infektionen mit dem Coronavirus." Daten vom 20. März zeigten auch, dass ein Drittel aller Fälle in Dänemark und ein Sechstel aller Fälle in Schweden auf Ischgl zurückgeführt werden konnten.

Andere Faktoren wie Handelsverbindungen nach China, Altersstruktur, Ausländeranteil oder ein "Home-Office-Index" hätten dagegen nur geringen Einfluss auf die Infektionsrate, so Felbermayr. Größere Bedeutung habe dagegen der Anteil der katholischen Bevölkerung. "Die katholische Kultur scheint die Zahl der Fälle zu erhöhen - wahrscheinlich durch die vielen Karnevalsfeiern Ende Februar." Untersucht wurden nur die Infektionsraten, nicht aber die Sterblichkeitsrate.

Söder: Lockerungen wie in Thüringen seien gefährlich

Dienstag, 26. Mai, 14.33 Uhr: Vor überstürztem Handeln bei der Lockerung von Corona-Schutzmaßnahmen hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gewarnt. Bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung des bayerischen Kabinetts sagte Söder, ein Paradigmenwechsel, wie er in Thüringen angedacht worden sei, "wäre ein Rückschritt und gefährlich gewesen". Denn Corona bleibe da.

Desinfektion, Masken und Abstand seien derzeit das weltweit einzige Schutzkonzept gegen das Corona-Virus, erklärte Söder. Dies aufzugeben, bedeute "wehrlos" zu werden. "Hoppla-Hopp-Orgien verunsichern die Menschen mehr, als die meisten glauben". Vorbehalte hat Söder auch gegen Lockerungen für Urlaubsreisen. "Wir als Bayern sind da ein gebranntes Kind", nachdem viele Skifahrer aus Österreich die Krankheit in das Bundesland gebracht hätten. Reiserleichterungen müssten "eine Grundsatzfrage der Koalition" sein, betonte Söder als CSU-Vorsitzender.

Das Kabinett hat am Dienstag eine neue Strategie für Corona-Tests beschlossen. Priorität hätten Menschen in medizinischen und pflegerischen Berufen und Patienten und Bewohner von Einrichtungen, erklärte Söder. Außerdem sollen Erzieherinnen und Erzieher und Lehrkräfte getestet werden. Wer Corona-Symptome hat, soll binnen 24 Stunden getestet werden und spätestens nach 48 Stunden ein Ergebnis bekommen. Wer keine Symptome hat, soll innerhalb von einer Woche ein Ergebnis haben. Die Gesundheitsämter sollen 1.000 zusätzliche neue Stellen bekommen.

Angesichts der immer geringer werdenden Infektionszahlen lockert der Freistaat in verschiedenen Bereichen die Beschränkungen erneut. Ab 1. Juli sollen alle Schulkinder und Kindergartenkinder wieder in die Einrichtungen und Schulen zurückgekehrt sein, sagte Söder. Die bayerische Regierung könne sich vorstellen, "nach den Sommerferien in den normalen Regelbetrieb überzugehen". Wenn regional mehr Infektionen gezählt würden, müsse man dann dort aber wieder einschränken.

Am 8. Juni können Freibäder, Tanzschulen, Fitnessstudios und Reha-Einrichtungen den Betrieb wieder aufnehmen. Ab 15. Juni können in Bayern wieder kulturelle Veranstaltungen mit 50 Teilnehmern in Räumen und mit 100 Personen im Freien stattfinden.

56 weitere Corona-Infizierte in Regensburger Asylunterkünften

Dienstag, 26. Mai, 08.14 Uhr: Nachdem in der vergangenen Woche vier positive Fälle von Covid-19-Erkrankungen in der Flüchtlingsunterkunft "Pionierkaserne" in Regensburg festgestellt wurden, hat das Gesundheitsamt Regensburg nun eine Reihenuntersuchung der Asylbewerber angeordnet. Demnach sind von 127 Personen 56 positiv und 71 negativ getestet worden, teilte die Regierung der Oberpfalz am Montag mit. Von den positiv getesteten Personen wiesen die allermeisten keine Symptome auf, einige wenige hätten leichte Symptome wie Kopfschmerzen.

Die 56 Infizierten seien umgehend unter Quarantäne gestellt und von den Nicht-Infizierten räumlich getrennt worden. Die übrigen Bewohner seien in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Regensburg in verschiedenen Kohorten in der Flüchtlingsunterkunft isoliert worden. Die gesamte Anker-Einrichtung "Pionierkaserne" stehe nun unter Quarantäne, außerdem gelte ein generelles Aufnahme- und Verlegungsverbot.

Zusätzlich seien in der vergangenen Woche 42 positive Testergebnisse in der Gemeinschaftsunterkunft "Dieselstraße" bekanntgeworden sowie ein Fall in der Gemeinschaftsunterkunft "Alte Straubinger Straße". Damit sei der Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner für die Stadt Regensburg überschritten worden.

Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit bei 72,08 und damit über dem vom RKI festgelegten Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. "Bei einem lokalisierten und klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen - in diesem Fall ist das Infektionsgeschehen auf Asylbewerberunterkünfte in der Pionierkaserne und der Gemeinschaftsunterkunft Dieselstraße beschränkt - müssten aber keine allgemeinen Beschränkungen in der Stadt Regensburg eingeführt werden", teilte die Regierung der Oberpfalz mit.

Innerhalb der Einrichtung "Pionierkaserne" gelten verschärfte Hygienemaßnahmen, hieß es. Bereits Ende März seien mögliche Risikopatienten mit Vorerkrankungen über das Infektionsgeschehen aufgeklärt worden. Es sei auch eine separate Unterbringung in einem geschützten Bereich angeboten worden. Diese sei aber von den meisten Risikopatienten abgelehnt worden. Die anderen hätten bereits nach wenigen Tagen die "freiwillige Selbstisolation" aufgegeben und sich für eine reguläre Unterbringung in der Anker-Einrichtung entschieden.

Bedford-Strohm: Corona-Krise wird fundamentale Folgen haben

Montag, 25. Mai 2020, 16 Uhr: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm prophezeit gesellschaftliche Veränderungen durch die Corona-Pandemie. In einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt er, die Corona-Krise werde fundamentale Folgen für die sozialpsychologischen, sozialkulturellen und sozialspirituellen Tiefenstrukturen unserer Gesellschaft haben. Der bayerische Landesbischof äußert sich in dem Beitrag auch zu Vorwürfen gegen die Kirchen, sie hätten in der Krise versagt. Vergangene Woche hatte die ehemalige Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) den Kirchen vorgeworfen, Schwache und Kranke allein gelassen zu haben. Das hatte Widerspruch hervorgerufen.

Bedford-Strohm wendet sich gegen theologische Deutungen, die Corona-Pandemie sei eine Strafe Gottes. Versuche, Gott zu erklären, führten nicht weiter. Das Staunen über Gottes Unbegreiflichkeit gehöre zum Glauben dazu. Aber durch Jesus Christus, in dem sich Gott offenbart habe, sei deutlich zu sehen, dass Gott kein Rachedämon sei. Er schicke kein Virus, um Menschen zu bestrafen und dazu noch so, dass damit zuallererst die Schwachen und Verletzlichen getroffen würden.

Wer den Glauben ernst nehme, der übe Verantwortung. Die Kirchen und ihre Mitarbeitenden hätten versucht, unter schwierigen Bedingungen ihren Dienst zu tun. Gerade bei der Seelsorge in Altenheimen und Krankenhäusern war das mit unauflöslichen Zielkonflikten verbunden - zwischen dem dringlichen Wunsch nach größtmöglicher, auch körperlicher Nähe einerseits und der Begrenzung des gerade hier potenziell tödlichen Ansteckungsrisikos andererseits, schreibt Bedford-Strohm. In diesen Zielkonflikten Menschen auch etwas schuldig geblieben zu sein, ist eine Last, die wir zu tragen haben und nur in Gottes Hand legen können.

Die erste Erkenntnis aus der Krise sei, dass der Mensch trotz materieller und technologischer Möglichkeiten verletzlich sei. Krankheit und Tod seien vor der Krise oft gedanklich in die Krankenhäuser und Altenheime abgeschoben worden. Plötzlich dächten aber alle über Krankenhauskapazitäten, Sterberaten, Ansteckungsrisiken und Trauergottesdienste nach. Aufgabe der Kirche nach der Krise könne es sein, die Grenzen menschlicher Möglichkeiten zu sehen und die Frage nach Gott und damit nach dem Sinn menschlichen Seins neu zu stellen.

Die Krise könne außerdem ein Anlass sein zum Nachdenken, wie die Menschen ihren Lebensstil den Grenzen des Planeten anpassen könnten.

Corona-Demos in Bayern verliefen weitgehend geordnet und friedlich

Sonntag, 24. Mai 2020, 18 Uhr: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat eine positive Bilanz zu den Demonstrationen am Wochenende gezogen. Von Freitag bis Sonntag habe es rund 100 Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen gegeben, die weitgehend geordnet und friedlich verlaufen seien, wie das Innenministerium in München mitteilte. Die Mehrheit der Demonstranten sei erkennbar bemüht gewesen, die für den Infektionsschutz notwendigen Mindestabstände und Hygienevorschriften einzuhalten.

Einige größere Versammlungen wie etwa die für Samstag auf der Münchner Theresienwiese angemeldete Demonstration fanden wegen eines Unwetters erst gar nicht statt. Laut Polizeiangaben stammten die Teilnehmer überwiegend aus dem friedlichen, bürgerlichen Lager. Bei mehreren Versammlungen sei eine klare Distanzierung zu radikalen Personen aus dem linken und rechten Spektrum, zu Reichsbürgern oder Verschwörungstheoretikern zu beobachten gewesen. Einige wenige Uneinsichtige hätten allerdings die Hygienevorschriften missachtetet, das Abstandsgebot ignoriert oder ein aggressives beziehungsweise uneinsichtiges Verhalten an den Tag gelegt, heißt es weiter.

Das regnerische Wetter sorgte auch dafür, dass weitere Corona-Demos etwa in Augsburg und Nürnberg nur von relativ wenigen Teilnehmern besucht wurden. In Augsburg wurden rund 500 statt der angemeldeten 1.000 Teilnehmer gezählt, wie ein Polizeisprecher dem epd auf Anfrage mitteilte. Bei mehreren Protestaktionen gegen die durch die Corona-Pandemie verhängten Grundrechtseinschränkungen in Nürnberg waren laut einer Polizeimitteilung annähernd 500 Teilnehmer anwesend.

Corona: Mehrheit spricht sich für Vermögensabgabe aus

Freitag, 22. Mai 2020, 09.50 Uhr: Die Deutschen haben laut einer Umfrage eine klare Vorstellung davon, wer für die Kosten der Corona-Pandemie aufkommen soll. 51 Prozent halten eine Vermögensabgabe für Reiche für sehr sinnvoll, weitere 30 Prozent halten sie für teilweise sinnvoll, teilte die Universität Freiburg am Dienstag mit. Dagegen sprechen sich nur knapp drei Prozent für generelle Steuererhöhungen aus.

Für die Umfrage haben Forscher der Universitäten München, Freiburg, Stuttgart vom 7. bis zum 17. Mai 2020 über 7.800 Personen in Deutschland zu ihren Erfahrungen und Einstellungen in der Corona-Pandemie online befragt.

Insgesamt gibt es laut den Wissenschaftlern ein hohes Vertrauen in die Gesundheitsmaßnahmen des Bundes und der Länder. Über 60 Prozent der Befragten halten diese für geeignet, um die gesundheitlichen Folgen in den Griff zu bekommen, heißt es in der Mitteilung. Deutlich skeptischer sind die Deutschen bei der Rettung der Wirtschaft: Nur knapp 35 Prozent sind davon überzeugt, dass die derzeitigen Maßnahmen reichen, die wirtschaftlichen Folgen zu stabilisieren.

Dabei zeigte sich auch, dass sich die gefühlte und die tatsächliche Belastung sehr unterscheiden. So geben den Angaben zufolge Menschen aus Bayern und Baden-Württemberg an, sich eher weniger stark belastet zu fühlen - obwohl beide Länder am stärksten von hohen Ansteckungszahlen und Todesfällen betroffen sind. Befragte aus den Regionen Chemnitz, Sachsen-Anhalt oder Dresden fühlten sich hingegen besonders stark belastet, auch wenn es dort beispielsweise deutlich weniger Corona-Fälle als im Süden gibt. Am entspanntesten sind den Angaben zufolge die Norddeutschen.

Bisher keine höhere Sterberate durch Corona in Deutschland

Freitag, 22. Mai, 08.48 Uhr: Trotz Corona hat sich nach Einschätzung des ifo-instituts (München) die Sterberate in Deutschland kaum erhöht. Die Forscher der ifo-Niederlassung Dresden errechneten auf Grundlage der Zahlen des Statistischen Bundesamtes die Sterbewahrscheinlichkeiten unter Beachtung zufallsbedingter Schwankungen, wie das Institut am Donnerstag mitteilte.

Selbst die im April zu beobachtenden leichten Abweichungen der Sterbefallzahlen nach oben lägen innerhalb der Bandbreite, die sich durch Zufallseinflüsse erklären lasse, sagte Anna Kremer von der Dresdner ifo-Niederlassung. Auch in den besonders gefährdeten höheren Altersgruppen sei bislang keine höhere Sterblichkeit festzustellen. Allerdings dürften sich bei den Zahlen die von Bund und Ländern erlassenen Beschränkungen des öffentlichen Lebens noch nicht vollständig niederschlagen, da die Corona-bedingten Sterbefälle die Infektionen nur mit rund zweiwöchiger Verzögerung widerspiegelten.

Bundeskongress der Jugendarbeit um ein Jahr verschoben

12.10 Uhr: Der in Nürnberg geplante Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit wird vom September 2020 auf den September 2021 verschoben. Das hat am Dienstag der Bayerische Jugendring (BJR) als Mitveranstalter mitgeteilt. Die behördlichen Anordnungen wegen des Corona-Virus machten den Schritt notwendig, hieß es. Das Kongressteam wolle jetzt über ein digitales Angebot für die bundesweite Fachtagung beraten. Der Bundeskongress wird vom Forschungsverbund des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und TU Dortmund, dem Bayerischen Jugendring (BJR) und der Stadt Nürnberg vorbereitet.

Rund 1.500 Fachkräfte, Ehrenamtliche und Multiplikatoren aus Wissenschaft, Praxis, Verwaltung und Politik aus Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern waren zu dem Programm mit rund 160 Veranstaltungen erwartet worden. Die ersten beiden Fachkongresse dieser Art hatten 2002 und 2016 auf dem Campus-Gelände der Technischen Universität Dortmund stattgefunden.

Man konzentriere sich jetzt auf die Planungen für den Termin vom 20. bis 22. September 2021, sagte der Vorsitzende des BJR, Matthias Fack, laut einer Mitteilung. Zum Programm sollen Vorträge, Workshops, Projektvorstellungen und Forschungsberichte sowie eine Meile der Jugendarbeit in der Nürnberger Innenstadt gehören.

Aufnahmestopp in Pflege- und Behinderten-Wohnheimen aufgehoben

10.36 Uhr: Seit Anfang April durften die bayerischen Pflege- und Behinderten-Wohnheime keine neuen Bewohner aufnehmen, um besonders Gefährdete vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Von kommenden Montag an wird dieser Aufnahmestopp aufgehoben, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nach der Kabinettssitzung am Dienstag mitteilte. Allerdings gebe es Auflagen: Die Heime müssen eigene Konzepte vorlegen, um Bewohner und Personal zu schützen.

Wenn zum Beispiel eine Seniorin aus einem Krankenhaus in ein Pflegeheim verlegt werden soll, könnte die Klinik das erleichtern, indem diese Seniorin zuvor isoliert und negativ auf Covid-19 getestet wurde. Das gelte auch, wenn Menschen von Zuhause in eine Pflegeheim kommen sollten oder wenn sie dorthin zurückverlegt werden, teilte die Staatskanzlei mit. Ferner habe sich das Kabinett dafür ausgesprochen, die vorhandenen Testkapazitäten bei Personal und Bewohnern besser auszuschöpfen.

Notbetreuung für Kinder wird ausgeweitet

Mittwoch, 20. Mai, 08.24 Uhr: Die Notbetreuung für Kinder wird ab dem 25. Mai weiter ausgeweitet. Dann dürfen laut Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) alle Vorschulkinder sowie auch deren Geschwister wieder in den Kindergarten, teilte die Staatskanzlei nach der Kabinettssitzung am Dienstag mit. Auch Waldkindergärten dürften dann wieder öffnen, weil hier der Kita-Betrieb an der frischen Luft stattfinde und das Ansteckungsrisiko daher tendenziell geringer sei.

Kinder mit Krankheitssymptomen dürften auf keinen Fall die Kita betreten, hieß es. Auch die Großtagespflege werde wieder geöffnet. Dort werden laut Staatskanzlei maximal zehn Kinder gleichzeitig von zwei oder drei Tagespflegepersonen betreut.

Soweit die Entwicklung des Infektionsgeschehens dies zulasse, sollen ab 15. Juni die Kinder, die im Schuljahr 2021/22 schulpflichtig werden und die Krippenkinder, die am Übergang in den Kindergarten stehen, wieder aufgenommen werden. Zudem sollten ab dann parallel zum Schulbetrieb auch die Schüler der 2. und 3. Klassen wieder in den Horten betreut werden. 

Jugendarbeit will Pläne für "vorsichtige" Öffnung

10.09 Uhr: Einen Plan für eine vorsichtige Öffnung der Jugendarbeit fordert die katholische Jugend (BDKJ) in der Stadt Nürnberg. Während es für die Bundesliga oder die Gastronomie Konzepte gebe, blieben Jugendzentren "einfach mal zu", sagte Daniel Röhrer vom Nürnberger BDKJ-Vorstand am Montag dem epd. "Kinder und Jugendliche fühlen sich nicht gehört". Die Jugendarbeit spiele für junge Menschen aber eine wichtige Rolle, um soziale Kontakte zu halten.

Der BDKJ Nürnberg unterstreicht in einem Brief die Bedeutung der außerschulischen Jugendarbeit. Sie sei "ebenso unverzichtbar in unserer Gesellschaft wie die schulische Bildung oder ausgewählte Wirtschaftszweige". Durch das stark begrenzte soziale Umfeld der eigenen vier Wände würden soziale Spannungen und Konflikte entstehen, die vor allem durch die Jugendarbeit aufgefangen werden müssten. Röhrer betonte, man wolle vernünftig und vorsichtig sein. Die Ehrenamtlichen hätten bisher auch schon bewiesen, dass sie kreative Lösungen hätten. Aber nur digital gehe Jugendarbeit auf Dauer nicht.

Ilona Schuhmacher, Referentin für Grundsatzfragen und Jugendpolitik bei der Evangelischen Jugend Bayern (EJB), sagte dem epd, ihr Verband sei in der Frage defensiv, "weil wir uns der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind". Aber Ende Mai sollte auch ihrer Ansicht nach die offene Jugendarbeit wieder loslegen können.

Die EJB ist damit auf der Linie des Bayerischen Jugendrings (BJR). Ihr Vorsitzender Matthias Fack hatte in einer Mitteilung eine "Öffnung der Jugendarbeit mit Sorgfalt und Achtsamkeit" gefordert. Er betonte aber auch, dass die Angebote der Jugendarbeit "unverzichtbar und somit systemrelevant sind". Sie müssten noch in diesem Monat, spätestens zu den Pfingstferien, wieder öffnen dürfen.

Corona-Impfstoff soll ab September getestet werden

Dienstag, 19. Mai, 08.45 Uhr: Noch in diesem Jahr soll nach Angaben der Universität Marburg ein potenzieller Impfstoff gegen das neue Coronavirus in ersten klinischen Versuchen am Menschen getestet werden. "Der Bauplan für den Impfstoff ist fertig. Jetzt muss der Impfstoff für die klinischen Tests noch produziert werden", sagte der Marburger Virologe Stephan Becker am Montag. Becker ist Koordinator des Bereichs Neu auftretende Infektionskrankheiten im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung

Derzeit werde der Impfstoff für die erste klinische Phase von der Firma IDT Biologika in Dessau hergestellt, teilte die Universität Marburg weiter mit. Die Produktion werde voraussichtlich in drei Monaten abgeschlossen sein, so dass die klinischen Tests im September starten könnten. Dennoch werde in diesem Jahr noch kein Impfstoff zur Verfügung stehen. Die Entwicklung eines Impfstoffs sei ein langwieriger, mühsamer Prozess, erklärte Becker.

Der Impfstoff, der nun für die erste klinische Phase verwendet wird, sei unter der Leitung des Virologen Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt worden. Die klinische Prüfung werde von der Virologin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf geleitet. Addo sei bereits maßgeblich an der Entwicklung des Ebola- und des Mers-Impfstoffs beteiligt gewesen.

Regionalbischöfin: Keine Sonntagsöffnungen wegen Corona

11.04 Uhr: Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat sich gegen Pläne für eine Sonntagsöffnung von Läden und Geschäften im Zuge der Corona-Krise gewandt. Die Einschränkungen während der Pandemie wie Homeoffice und Kurzarbeit hätten vielen Menschen ihren gewohnten Rhythmus genommen, betonte die evangelische Theologin in einer Pressemitteilung. Dieser Rhythmus sollte durch Sonntagsöffnungen nicht noch weiter verwischt werden.

Denn die Menschen bräuchten gerade in Krisenzeiten einen klaren Rhythmus für ihr Leben, wie ihn der arbeitsfreie Sonntag biete. Das gelte auch für die Mitarbeitenden im Handel und ihre Familien. Der Handelsverband Bayern hatte ein Aussetzung des Verkaufsverbots an Sonntagen gefordert, um den Konsum wieder anzukurbeln.

An die Konsumenten appellierte die Regionalbischöfin, den örtlichen Handel zu unterstützen: "Wir sollten nicht den überregionalen Online-Handel von Großkonzernen nutzen und uns danach wundern, dass kleine Geschäfte vor Ort aufgegeben haben." Wenn Online-Bestellungen nötig seien, dann vorzugsweise bei kleinen Unternehmen oder bei Geschäften im eigenen Ort oder der eigenen Region, empfiehlt Greiner. Das erhalte die Vielfalt und vermeide Transporte. 

Justizminister warnt vor Corona-Betrügereien

Montag, 18. Mai, 09.59 Uhr: Der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) hat vor Betrügereien im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gewarnt. Kriminelle entwickelten in der realen und der digitalen Welt neue Betrugsmaschen, teilte er am Sonntag in München mit.

Als Beispiel nennt er Erpresserschreiben, in denen gedroht werde, Familienmitglieder mit dem Corona-Virus anzustecken. Die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) ermittle inzwischen in etwa zwei Dutzend solcher Fälle.

Es gebe auch Corona-Fake-Shops, die gesuchte Artikel wie Schutzausrüstung, Tests oder gar nicht existente wie Impfstoff anbieten, um dann nicht oder zumindest nicht in der versprochenen Qualität zu liefern. Eine Variante dazu sei Phishing, bei dem eine vermeintliche Bestellung dazu genutzt werde, an Kontoinformationen zu kommen oder Schadsoftware zu installieren.

Es gebe zudem Corona-Varianten des falschen Polizisten oder Enkeltrickbetrügers, warnte Eisenreich. Dabei geben sich Kriminelle an der Haustür als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus und dringen dann unter dem Vorwand, Corona-Tests oder Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen, in die Wohnung ein. Manche verkaufen dabei wirkungslose Artikel, andere lassen sich Geld geben für die angebliche medizinische Behandlung eines Angehörigen.

Der Minister forderte die Bürger auf, im Alltag und im Internet konsequent wachsam zu sein. "Wer die Sorgen der Bevölkerung in der Corona-Krise ausnutzt, um Straftaten zu begehen, wird nachdrücklich verfolgt", warnte er. Das gelte auch für Betrüger, die Corona-Soforthilfe beim Staat beantragt haben, obwohl sie gar nicht unternehmerisch tätig seien.

SPD-Sozialpolitikerin befürchtet Kita-Schließungen durch Corona

Sonntag, 17. Mai, 14.47 Uhr: Die SPD-Politikerin Doris Rauscher befürchtet dramatische Kita-Schließungen durch die Corona-Krise. Rund ein Viertel der privaten Kitas und Einrichtungen in freier Trägerschaft könnten wegen Geldproblemen gezwungen sein, aufzugeben, betonte die sozial- und familienpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion am Freitag in einer Pressemitteilung. Wenn der durch die Pandemie ausgelöste Lockdown ende, könnte es Tausende Kita-Plätze nicht mehr geben. Deshalb fordert Rauscher eine tatsächlich kostentragende Unterstützung" der Kitas und der Eltern durch den Freistaat.

Anti-Corona-Demo in München unter strengen Auflagen - Innenminister Herrmann kündigt "starke Polizeipräsenz" an

Samstag, 16. Mai, 09.26 Uhr: Zur geplanten Demonstration auf der Münchner Theresienwiese gegen die Corona-Beschränkungen sind nur 1.000 Teilnehmer zugelassen. Der Anmelder habe eigentlich 10.000 Demonstranten einladen wollen, aus Infektionsschutzgründen seien diese aber nicht genehmigt worden, teilte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) München mit. Die Demo zum Thema "Grundrechte" sei nach einer Gefahrenprognose des Polizeipräsidiums München und des städtischen Referats für Gesundheit und Umwelt mit strikten Auflagen zugelassen worden.

KVR München und Innenministerium kündigten eine harte Gangart an, sollten sich die Demonstrationsteilnehmer nicht an die Auflagen halten. "Verstöße gegen Abstandsregeln und andere Auflagen werden strikt geahndet", teilte Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle mit. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte am Freitag eine "starke Polizeipräsenz" an. Für das Wochenende seien in ganz Bayern bisher rund 70 Versammlungen angemeldet. Allein am Samstag sollen rund 900 Kräfte der Bereitschaftspolizei zusätzlich zu den Einsatzkräften der Landespolizei eingesetzt werden, um die Infektionsschutzmaßnahmen zu überwachen.

"Wir müssen das Recht auf Versammlungsfreiheit und den Schutz vor Corona-Infektionen bestmöglich in Einklang bringen", betonte Herrmann. Für die Demo in München heißt das: So würden unter anderem die Zugänge zur Versammlung kontrolliert, um die Teilnehmerzahl steuern zu können, wie das KVR mitteilte. Außerdem dürfe die Veranstaltung im Vorfeld nicht beworben werden. Beginn sei um 15 Uhr, die Dauer sei auf zwei Stunden begrenzt. Teilnehmer, Passanten und Pressevertreter müssten einen Mindestabstand von 1,50 Meter zueinander einhalten. Sollten die Infektionsschutzmaßnahmen nicht eingehalten werden, drohten Bußgelder und die Auflösung der Versammlung.

KVR und Innenministerium kündigten aber auch an, dass die Polizei mit Sensibilität und Einzelfallentscheidungen vorgehen werde. "Die Abwägung zwischen dem Versammlungsrecht und möglicherweise gegenläufigen Interessen der Öffentlichkeit oder von Sicherheitsbelangen ist eine Entscheidung, die in jedem Einzelfall sorgsam getroffen werden muss", so das KVR. Die Versammlungsfreiheit sei ein hohes Rechtsgut mit Verfassungsrang. "In der Einzelfallabwägung von Meinungsfreiheit und Gesundheitsschutz wenden wir strenge Maßstäbe an."

Eingreifen werde die Polizei dann, "wenn es erforderlich ist, beispielsweise, um unvertretbare Infektionsgefahren zu unterbinden", teilte das Innenministerium mit. Dafür gebe es ein stufenweises Vorgehen - das Ansprechen des betroffenen Demonstranten, Feststellung der Personalien, Platzverweise oder als letztes Mittel die Auflösung der Versammlung. Allerdings werde kein Demonstrant daran gehindert, seine Meinung kundzutun - sofern er sich an die Regel halte. Hetzerische Provokationen und aufwiegelnde Propaganda von Verschwörungstheoretikern und Extremisten seien aber höchst unverantwortlich.

Am vergangenen Wochenende waren Demos mit Tausenden Teilnehmern gegen die Corona-Beschränkungen aus dem Ruder gelaufen. Nicht alle Teilnehmer hielten sich an die Hygiene- und Abstandsregeln, außerdem wurden Polizisten angegriffen.

Regensburger Museum öffnet & bayerische Landesausstellung beginnt

Donnerstag, 14. Mai, 17.15 Uhr: Das Haus der Bayerischen Geschichte meldet sich nach der Corona-bedingten Schließung zurück. Am 19. Mai werde das Museum in Regensburg seinen Betrieb wieder aufnehmen, teilt das Haus mit. Auch ein neuer Eröffnungstermin für die Bayerische Landesausstellung "Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte" in Aichach und Friedberg steht: Sie werde am 9. Juni offiziell präsentiert und stehe ab 10. Juni für das Publikum offen.

Für Staatsminister Bernd Sibler (CSU) seien die Eröffnungen ein wichtiger Meilenstein für das kulturelle Leben in Bayern: "Kunst und Kultur brauchen Publikum - und das Publikum sehnt sich nach Kunst und Kultur. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen können uns Kunst und Kultur ein fester Anker sein", sagte er laut Mitteilung.

Im Museum in Regensburg ist mit der Wiedereröffnung die Fotoausstellung "Zeit lang - Erkundungen im unbekannten Bayern" von Sebastian Beck und Hans Kratzer, Redakteuren der Süddeutschen Zeitung, zu sehen. Mit den 33 außergewöhnlichen Bildern zeigten die Journalisten Bayern abseits der großen Touristenströme und brächen mit vielen gängigen Klischees. Die Schau sei kostenlos im Foyer zu sehen und laufe bis 30. August. Zum einjährigen Geburtstag des Museums am 4. Juni steige als besondere Attraktion der Fluchtballon von Naila auf.

Regionalbischöfin: Keine Sonntagsöffnungen wegen Corona

Donnerstag, 14. Mai, 15.40 Uhr: Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat sich gegen Pläne für eine Sonntagsöffnung von Läden und Geschäften im Zuge der Corona-Krise gewandt. Die Einschränkungen während der Pandemie wie Homeoffice und Kurzarbeit hätten vielen Menschen ihren gewohnten Rhythmus genommen, betonte die evangelische Theologin in einer Pressemitteilung.

Dieser Rhythmus sollte durch Sonntagsöffnungen nicht noch weiter verwischt werden. Denn die Menschen bräuchten gerade in Krisenzeiten einen klaren Rhythmus für ihr Leben, wie ihn der arbeitsfreie Sonntag biete. Das gelte auch für die Mitarbeitenden im Handel und ihre Familien. Der Handelsverband Bayern hatte ein Aussetzung des Verkaufsverbots an Sonntagen gefordert, um den Konsum wieder anzukurbeln.

An die Konsumenten appellierte die Regionalbischöfin, den örtlichen Handel zu unterstützen: "Wir sollten nicht den überregionalen Online-Handel von Großkonzernen nutzen und uns danach wundern, dass kleine Geschäfte vor Ort aufgegeben haben". Wenn Online-Bestellungen nötig seien, dann vorzugsweise bei kleinen Unternehmen oder bei Geschäften im eigenen Ort oder der eigenen Region, empfiehlt Greiner. Das erhalte die Vielfalt und vermeide Transporte.

Bayern gibt 200 Millionen für einen Rettungsschirm Kultur

Donnerstag, 14. Mai, 11.40 Uhr: Nach vielen Hilferufen von Künstlern und Spielstätten hat der Freistaat Bayern seinen Rettungsschirm für Kunst und Kultur von 90 Millionen auf 200 Millionen Euro erweitert. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz die Hilfepakete vor. 140 Millionen sind für Soforthilfen für Künstlerinnen und Künstler vorgesehen. 50 Millionen an Hilfen für 700 kleine und mittlere Theater und Kinos. Man dürfe die Inspirationen aus der Kunst für Bayern nicht vertrocknen lassen, sagte der Ministerpräsident. Zehn Millionen Euro erhalten Musikschulen und die Laienmusikvereine.

Für die Zeit nach Pfingsten machte Söder den Menschen Hoffnungen auf erste Theateraufführungen und Konzerte, die eventuell nach einem Probetrieb stattfinden könnten. "Wenn die Bundesliga wieder spielt und die Gastronomie geöffnet ist, wird es auch für die Kultur Wege geben", sagte er und verwies auf die Konzepte, die für Gottesdienste gefunden worden seien, mit denen gute Erfahrungen gemacht worden seien.

Wann die Zeit für einen Neustart des Kulturbetriebs gekommen sei, werde die Kultusministerkonferenz der Bundesländer abstimmen, sagte der bayerische Kunstminister Bernd Sibler (CSU).  In den größeren Theatern könne das im Herbst der Fall sein. Die Hygienekonzepte würden die Intendanten gerade erarbeiten. Auf eine bundesweite Abstimmung setzt für den Neubeginn in den Kinos auch Filmministerin Judith Gerlach (CSU). Das sei auch im Interesse der Kinos für den Neustart großer Filme.

Neue Website will Paaren in Corona-Beziehungskrisen helfen

Donnerstag, 14. Mai, 10.40 Uhr: Damit Liebe und Partnerschaft in Zeiten von Corona nicht auf der Strecke bleiben, gibt es ein neues Online-Angebot. Die Website "www.damit-die-liebe-bleibt.de" beschäftige sich mit den Themen "partnerschaftlicher Umgang, Liebe und Kommunikation" als Grundlage für eine gelingende Beziehung, sagt Bayerns Familienministerin Carolina Trautner (CSU). Der neue Online-Auftritt wurde vom Institut für Kommunikationstherapie konzipiert. Eine App werde in Kürze folgen.

"Gemeinsam als Paar die Krise zu meistern ist nicht nur in Zeiten von Corona eine große Herausforderung", sagte Trautner. Die neue Seite wolle Paaren helfen, konstruktiv an ihrer Beziehung zu arbeiten. So gebe es unter anderem einen Beziehungsfragebogen, Videos zu präventiven Maßnahmen sowie eine interaktive DVD-Reihe über gelungene Kommunikation.

Ganz aktuell sei ein Corona-Survival-Guide eingefügt worden, damit Paare die herausfordernde Zeit in der Corona-Krise besser bewältigen können, sagte Trautner. "Wir werden dieses Angebot bald mit der Paaradies-App, die Paare mit Anregungen und Übungen bei der Paarkommunikation unterstützen wird, erweitern." Am 15. Mai ist der von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Tag der Familie.

Ex-Ethikrat Nagel für Reform der Krankenhausfinanzierung nach Corona

Donnerstag, 14. Mai, 09.00 Uhr: Der langjährige Ethikrat Eckhard Nagel fordert als Konsequenz aus der Corona-Krise eine grundlegende Reform der deutschen Krankenhausfinanzierung. Das heutige Fallpauschalen-System sei sicher kein Zukunftsmodell und solle ersetzt werden durch ein differenziertes Finanzierungssystem, sagte der Bayreuther Medizinprofessor der "Augsburger Allgemeinen". Er sprach sich für mehr generelle Grundfinanzierungen aus, nicht nur wie geplant für Pflegekräfte, sondern auch für Ärzte.

Nagel plädierte zudem für "neue Anreizsysteme für eine bessere Versorgung, die zum Beispiel den Erfolg einer Behandlung in die Vergütung mit einbeziehen". In verschiedenen Ländern zeige sich, dass dies nicht zu Fehlanreizen, sondern zu einer Verbesserung der Versorgung führen könne, erklärte er.

Die generell gute Gesundheitsversorgung in Deutschland sei ein wichtiges Fundament gewesen, um mit der Pandemie umgehen zu können, sagte der frühere Ethikrat. Die positiven Erfahrungen änderten aber nichts an den großen Problemen der deutschen Klinken: "Wo Pflegemangel geherrscht hat, wird er auch weiterbestehen, wo Fachkräfte- und Ärztemangel herrscht, wird er weiterhin zu beklagen sein", warnte der Medizinmanagement-Professor.

Bayerisches Bündnis übergibt Unterschriften für Corona-Zuschlag

Mittwoch, 13. Mai, 14.05 Uhr: Ein Bündnis aus kirchlichen und gewerkschaftlichen Initiativen in Bayern hat mehr als 27.000 Unterschriften für einen Corona-Zuschlag für arme Menschen gesammelt. Für alle Menschen, die auf Hartz IV oder die Grundsicherung im Alter angewiesen sind, fordert die bayerische Initiative "Rechte statt Reste" monatlich 100 Euro "Corona-Zuschlag" zur Grundsicherung, wie der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (kda) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern mitteilt.

Die Petition "Geschlossene Tafeln - wir fordern 100 Euro Soforthilfe für Arme in der Coronakrise!" auf der Plattform Change.org sei inzwischen von 27.681 Bürgern unterzeichnet worden. Die Initiative hat die Unterschriften am Mittwoch an den Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) übergeben. In Ihrem Brief an den Minister schreibt sie, sie könne "nicht nachvollziehen, dass diejenigen Menschen, deren Existenzminimum durch die Krise seit nunmehr zwei Monaten unmittelbar gefährdet ist, immer noch kaum Aufmerksamkeit und Unterstützung seitens der Bundesregierung erfahren".

Seit Beginn der Corona-Pandemie habe die Politik zwar Milliardenhilfen für Betroffene auf den Weg gebracht, heißt es weiter. Doch die Menschen, die schon vor der Krise am Existenzminimum lebten, seien dabei bislang kaum berücksichtigt. Dabei litten gerade arme Haushalte unter den gestiegenen Lebensmittelpreisen, den explodierenden Ausgaben für Hygieneartikel, dem Fehlen des kostenlosen Schul- und Kitaessens oder dem Notbetrieb der Lebensmitteltafeln. Der Bundestag berät am Donnerstag im Rahmen der Verhandlungen über das Sozialschutzpaket II auch über einen Corona-Zuschlag.

Bayern will Demonstrationen nur an geeigneten Orten

Mittwoch, 13. Mai, 10.02 Uhr: Nach Übergriffen und zahlreichen Verstößen sollen Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen in Bayern künftig nur dort stattfinden, wo auch genügend Platz für die notwendigen Abstände ist. Außerdem solle die Polizei stärker darauf achten, dass die Hygienevorgaben eingehalten werden, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier".

Die Polizei werde gegenüber Versammlungsteilnehmern auch weiterhin "die notwendige Sensibilität" zeigen, sagte der Innenminister. Wenn aber jemand meine, "aggressiv und rücksichtslos auftreten zu müssen, werden wir klare Kante zeigen. Daher werden wir die Polizeipräsenz bei Demonstrationen deutlich erhöhen, wo es notwendig ist", kündigte Herrmann an.

Mundschutz auch in Biergärten und Restaurants - außer am Tisch

Dienstag, 12. Mai, 15.15 Uhr: In bayerischen Biergärten und Gaststätten wird nach der Wiedereröffnung ein Abstandsgebot von 1,50 Metern gelten. Wie Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) nach der Kabinettssitzung mitteilte, müssten das Abstandsgebot sowohl Gäste als auch Mitarbeiter einhalten. Familien und Menschen aus einem Haushalt könnten aber an einem Tisch sitzen. Es werde eine Mundschutzpflicht gelten - außer am Tisch. Auch Mitarbeiter müssten einen Mundschutz tragen.

Unter der Voraussetzung eines weiterhin günstigen Verlaufs des Pandemiegeschehens erfolgt laut Staatskanzlei eine stufenweise Öffnung der Gastronomie: Ab dem 18. Mai können Biergärten und Restaurants im Außenbereich bis 20 Uhr öffnen. Ab dem 25. Mai dürfen wieder Speisegaststätten im Innenbereich bis 22 Uhr öffnen.

Bayerisches Kabinett plant neues Konzept für Demonstrationen

Dienstag, 12. Mai, 15.01 Uhr: Nach den ausufernden Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen am Wochenende will die bayerische Staatsregierung ein neues Konzept für Versammlungen in Zeiten von Corona erarbeiten. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) werde in Zusammenarbeit mit den zuständigen Kreisverwaltungsbehörden ein Konzept entwickeln wie Versammlungen möglich sind ohne Dritte zu gefährden.

Es bestehe kein Zweifel an dem hohen Wert des Versammlungsrechts, das von konstitutiver Bedeutung für die demokratische Gesellschaft sei, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU). Aufgrund der Corona-Pandemie sei es jedoch erforderlich, dass die Vorgaben des Infektionsschutzes beachtet werden, "nur so kann der Spagat zwischen Meinungsfreiheit und Schutz der Gesundheit" gelingen.

In mehreren Städten Bayerns hatten Tausende Menschen gegen die ihrer Meinung nach zu strikten Regulierungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie protestiert. In München und Nürnberg waren deutlich mehr Menschen gekommen, Abstands- und andere Regeln zum Schutz vor Corona waren nicht eingehalten worden.

Bedford-Strohm "entsetzt" über Regelverstöße bei Demonstrationen

Dienstag, 12. Mai, 10.31 Uhr: Der EKD-Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Heinrich Bedford-Strohm hat sich empört über Proteste gegen Corona-Maßnahmen geäußert, bei denen Abstandsregeln nicht eingehalten wurden. "Ich bin entsetzt über die Bilder von den Corona-Demonstrationen und die Rücksichtslosigkeit, die darauf sichtbar wird", schrieb Bedford-Strohm auf Facebook.

Ein ganzes Land habe über viele Wochen mit großer, aus Einsicht kommender Disziplin die Kontaktbeschränkungen mitgetragen, erklärte der Ratsvorsitzende. Dadurch seien Bilder von überfüllten Krankenstationen und vielen Toten wie in Bergamo oder New York in Deutschland verhindert worden. "Und nun ignorieren viele der Demonstranten von gestern alle diese Regeln und gefährden damit nicht nur sich, sondern vor allem viele andere."

"Man kann über alle Maßnahmen kontrovers diskutieren", sagte der Theologe, der auch bayerischer Landesbischof ist. Aber sich unter Gefährdung anderer Menschen einfach über die Regeln, die gewählte Regierungen nach gründlicher Abwägung beschlossen haben, bewusst hinwegzusetzen, sei nicht in Ordnung. "Und dass Rechtsextreme und alle möglichen Verschwörungstheoretiker das jetzt für ihre Zwecke nutzen, ist umso schlimmer."

Am Wochenende hatten in mehreren deutschen Städten Tausende gegen die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie demonstriert. Manche Teilnehmer vertraten dabei krude Theorien, die die Gesundheitsgefahr durch das neuartige Virus infrage stellen und unterstellen, dass das Virus für Einschränkungen gegen die Interessen der Bürger missbraucht werde.

Internationaler Museumstag am Sonntag findet digital statt

Montag, 11. Mai, 13.35 Uhr: Die Museen in Bayern dürfen seit Montag unter Auflagen wieder öffnen. Aber der Internationale Museumstag am 17. Mai kann noch nicht wie gewohnt mit Veranstaltungen vor Ort stattfinden. Die Landesstelle für nichtstaatliche Museen teilt mit, dass der Tag ins Internet verlegt worden sei.

Stattdessen werde man unter #MuseenEntdecken in den sozialen Medien wie Instagram, Facebook, Twitter oder YouTube oder den eigenen Webseiten verschiedene Formate anbieten: Live-Führungen, 360-Grad-Rundgänge, interaktive Ausstellungen, Quiz-Spiele, Podcasts oder Video-Beiträge seien geplant.

Auf das Motto "Museen für Vielfalt und Inklusion" nimmt beispielsweise die KZ-Gedenkstätte Dachau Bezug, die auf ihrer Facebook-Seite Live-Rundgänge bieten werde. Das Porzellanikon, das staatliche Museum für Porzellan in Hohenberg an der Eger/Selb, wiederum bietet auf YouTube ab 14 Uhr live einen Blick ins Depot sowie Expertengespräche mit den Kuratoren. Die "kunst galerie fürth" lädt Kinder ab acht Jahren zu einem digitalen Live-Workshop ein. Alle geposteten Beiträge sind aufgelistet auf der Homepage.

Knabenchöre fordern Zeitplan für Öffnungen

Montag, 11. Mai, 13.15 Uhr: Fünf berühmte deutsche Knabenchöre sehen sich mit Blick auf die Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht. Es brauche "dringend klare Rahmenbedingungen und einen Zeitplan für die Wiederaufnahme des Probe- und Konzertbetriebs", erklärten die Ensembles. Es sind die Augsburger Domsingknaben, der Tölzer Knabenchor, die Regensburger Domspatzen, der Windsbacher Knabenchor und der Dresdner Kreuzchor.

Sollten die finanziellen Einbußen infolge der Corona-Einschränkungen noch länger anhalten, seien diese "existenzbedrohend für den Fortbestand der Chöre", hieß es in dem Appell. Die Chöre überbrückten die Krise bislang mit viel Kreativität, "die aber online an ihre Grenzen kommt", hieß es weiter. Proben seien seit Mitte März nicht mehr möglich, virtuelle Alternativen kein adäquater Ersatz.

Zwar werde der Schulbetrieb langsam wieder aufgenommen, jedoch fehle weiter eine politische Aussage oder Entscheidung darüber, wann mit Proben in Kleingruppen oder in Ensemblestärke wieder begonnen werden könne. Diese lange Pause bedeute, dass die Knabenchöre "nahezu vollständig wieder aufgebaut werden müssen", schreiben die Chöre. Zudem sei es in der aktuellen Situation kaum möglich, musikalischen Nachwuchs zu finden.

Regionalbischöfin Greiner entsetzt über Corona-Appell von rechtskonservativen Bischöfen

Sonntag, 10. Mai, 14.03 Uhr: Die evangelische Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat einen Appell rechtskonservativer Bischöfe gegen die Corona-Maßnahmen scharf kritisiert. In ihrer Predigt am Sonntag in der Michaeliskirche Hof äußerte sie ihre Entsetzung darüber, dass mehrere ranghohe Kardinäle, darunter der ehemalige Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Ludwig Müller, einen Internet-Appell mit Verschwörungstheorien etwa zu den Einschränkungen der Religionsausübung infolge der Pandemie unterstützt hätten. Dies sei kein Aufruf der katholischen Kirche, sondern von "fehlgeleiteten und fehlleitenden Menschen", so Greiner.

In dem Appell seien Halbwahrheiten ohne Liebe kombiniert mit merkwürdigen Verschwörungsszenarien. "Da sprechen Menschen, denen es primär um die Macht und Freiheit der Kirche geht und die dabei von der Macht der Liebe Jesu weit entfernt sind". Eine Kirche, die auf die Durchsetzung ihrer Freiheit poche, aber den Schutz der Schwachen nicht im Blick habe, sei keine Kirche Jesu Christi.

Im ersten Gottesdienst nach den Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen erklärte Greiner, sie stehe dazu, unter den Sicherheitsmaßnahmen Gottesdienst zu feiern, die der Staat und evangelische und katholische Kirche gemeinsam festgesetzt hätten. Singen mit Mundschutz sei gewöhnungsbedürftig. "Doch diese Einschränkungen machen uns nicht wirklich unfrei".

Am Sonntag war die katholische Deutsche Bischofskonferenz auf Distanz zu dem Appell gegangen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, erklärte, die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Bischofskonferenz unterscheide sich grundlegend von dem Aufruf.

Kliniken in Bayern auf dem Weg zum normalen Betrieb

Samstag, 9. Mai, 14.56 Uhr: Die Krankenhäuser in Bayern können sich allmählich wieder auf einen gewohnten Betrieb einstellen. Am Samstag trat im Freistaat eine neue Allgemeinverfügung in Kraft, nach der bis auf wenige Ausnahmen reine Privatkliniken und psychosomatische Einrichtungen ohne Einschränkungen in ihren Normalbetrieb zurückkehren, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Krankenhäuser, die für die Versorgung von gesetzlich Versicherten zugelassen sind, müssten zunächst 30 Prozent ihrer Intensivkapazitäten mit Beatmungsmöglichkeit und ein Viertel ihrer Normalkapazitäten für die Versorgung von Patienten mit dem Corona-Virus zur Verfügung halten, hieß es. Vorsorgeeinrichtungen und Rehakliniken sollen 30 Prozent der Kapazitäten reservieren.

Man müsse aber weiter vorsichtig agieren, erklärte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Jeder Schritt müsse im Hinblick auf die Belastung der Kliniken und die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens abgewogen werden.

Herrgottskirche mit Riemenschneider-Altar öffnet wieder

Freitag , 8. Mai, 10.40 Uhr: Die Herrgottskirche mit ihrem Riemenschneider-Altar in Creglingen kann nach mehrwöchiger coronabedingter Sperrung am 12. Mai wieder öffnen. Das kleine Gotteshaus am Creglinger Friedhof werde zu den gewohnten Öffnungszeiten von dienstags bis sonntags zugänglich sein, kündigte die Stadtverwaltung Creglingen am Freitag an.

Besonders der von Tilman Riemenschneider (um 1460-1531) geschaffene Marienaltar zieht jährlich mehrere Zehntausend Besucher in die Kirche. Das über neun Meter hohe Kunstwerk mit seinen detailreich aus Lindenholz geschnitzten Figuren zeigt als Hauptmotiv die zum Himmel auffahrende Maria. Auch alle zwölf biblischen Apostel sind in dem Kunstwerk abgebildet.

Statistik: März-Tourismus dramatisch eingebrochen

Donnerstag, 7. Mai, 14.15 Uhr: Der Tourismus in Bayern ist im März wegen der Corona-Pandemie dramatisch eingebrochen. Wie das bayerische Landesamt für Statistik in Fürth nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte, meldeten die knapp 11.000 geöffneten Beherbergungsbetriebe im Freistaat nur eine Million Gäste. Das sei ein Rückgang um 61,5 Prozent im Vergleich zu März 2019. Die Zahl der Übernachtungen sei um 53,4 Prozent auf rund 3,2 Millionen eingebrochen.

Von den Rückgängen seien alle Betriebsarten betroffen: Die höchsten Einbußen hätten im Vergleich zum März 2019 die Jugendherbergen, Campingplätze und Hotels verzeichnet. Bei allen dreien habe es rund 65 Prozent weniger Gästeankünfte gegeben sowie rund 60 Prozent weniger Übernachtungen. Vorsorge- und Rehaeinrichtungen sind offenbar noch glimpflich davongekommen: Hier gab es 33,5 Prozent weniger Gästeankünfte und 22,9 Prozent weniger Übernachtungen.

Flüchtlingsrat befürchtet steigende Ansteckungsgefahr für Geflüchtete

Donnerstag, 7. Mai, 09.53 Uhr: Die Auflockerung der Corona-Beschränkungen in Bayern führt nach Ansicht des bayerischen Flüchtlingsrats zu steigenden Infektionszahlen in den ANKER-Zentren und Gemeinschaftsunterkünften (GUs). Wer in Mehrbettzimmern untergebracht sei und sich mit anderen Bewohnern Küchen, Toiletten und Waschräume teilt, könne weder Mindestabstände einhalten noch physische Kontakte reduzieren, teilte der Flüchtlingsrat am Mittwoch mit.

Entsprechend steige die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Flüchtlinge in Unterkünften weiterhin an. Der Bayerische Flüchtlingsrat fordert deshalb den Freistaat dazu auf, auf die Unterbringung in Mehrbettzimmern zu verzichten und stattdessen Einzelzimmer zu gewährleisten. Dazu sollten auch Jugendherbergen und Hotels angemietet werden.

Weiter fordert der Flüchtlingsrat, dass Flüchtlinge unbürokratisch aus den Unterkünften ausziehen dürfen sollten, um die Belegung weiter zu entzerren. Es sei "erschreckend, dass die bayerische Staatsregierung an ihrer strikten Lagerunterbringung von Flüchtlingen festhält, obwohl die Flüchtlingsunterkünfte gefährliche Infektionsherde darstellen", kritisiert der Flüchtluingsrat.

"Wer präventiven Infektionsschutz betreiben will, könne dies nur durch ein massives Reduzieren der Belegung der Unterkünfte erreichen", sagt Alexander Thal, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats. Die bayerische Staatsregierung unterlasse dies jedoch und nehme "billigend die Durchseuchung der Unterkünfte in Kauf", heißt es weiter.

Ökonomen: Unterricht für alle Altersgruppen während Corona-Krise

Mittwoch, 6. Mai, 11.33 Uhr: Rund 100 Ökonomen aus dem Bereich der Bildungsforschung haben vor den negativen Folgen der Schul- und Kita-Schließungen für die Kompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen gewarnt. In einem sechsseitigen Papier fordern sie von der Politik "umfassende Maßnahmen, um frühkindliche und schulische Bildung in Deutschland sofort in angepasstem Format für alle Altersgruppen anzubieten", teilten sie am Dienstag mit. Das Papier wurde von Wirtschaftsforschern der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), dem DIW Berlin, der FU Berlin, vom ifo Institut München und von der Universität Würzburg unterzeichnet. 

Die Ökonomen rechnen langfristig mit "beträchtlichen ökonomischen Kosten", sollten die Schul- und Kita-Schließungen nicht adäquat kompensiert werden. So würden Beschäftigte "Gehaltseinbußen von bis zu 10 Prozent pro verlorenem Schuljahr erleiden, und das über das gesamte Berufsleben hinweg", sagte Simon Wiederhold laut Mitteilung. Die Politik müsse sicherstellen, dass sich Bildungsungleichheiten in der Corona-Pandemie nicht weiter vergrößerten, sagte Alexander M. Danzer, Professor für Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomie an der Katholischen Universität Eichstätt. Fehlende Endgeräte - ein Problem bei einkommensschwachen Kindern - dürften den Zugang zu digitalen Bildungsformen nicht verhindern.

Sollte Distanzlernen in einzelnen Haushalten nicht möglich sein, müssten die Kinder in eine Notbeschulung aufgenommen werden, schlugen die Wissenschaftler vor. Auch in Kitas sei es angezeigt, altersgerechtes Fördermaterial zum Vorlesen, Malen und Spielen zur Verfügung zu stellen und über Videoanrufe oder Telefonate regelmäßig Kontakt zwischen Fachkräften sowie Kindern und Eltern herzustellen.

In einem zweiten Schritt müsste der Besuch von Kitas und Schulen zumindest zeitweise wieder ermöglicht werden, erläuterten die Forscher. Kleingruppen, die sich tage- oder wochenweise abwechseln, seien dafür geeignet. Schließlich sollten in einem dritten Schritt die Bildungs- und Lehrpläne von Kitas und Schulen für das kommende Jahr angepasst werden. Außerdem forderten die Initiatoren des Aufrufs Strategien und Konzepte klar zu kommunizieren, um Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagogen nicht länger zu verunsichern. 

Alle weiteren Meldungen der vergangenen Tage lesen Sie hier.

Melden Sie uns Ihre Hinweise und Änderungen!

Mailen Sie uns Ihre Hinweise in Bezug auf Terminänderungen oder -absagen aufgrund des Coronavirus - oder informieren Sie direkt über das Kommentarfeld! Alle Kommentare werden redaktionell geprüft und anschließend freigeschaltet.

Sie haben Tipps und Ideen für die Arbeit in kirchlichen Einrichtungen und Gemeinden? 

Wie geht Ihre Gemeinde mit der aktuellen Situation um? Bieten Sie einen besonderen Service an? Gibt es einen Hilfsdienst mit Ehrenamtlichen? Schreiben Sie uns! Sie erreichen die Redaktion unter redaktion@sonntagsblatt.de.

ShareFacebookTwitterShare

Kommentare

Von Gunther Leupold am Sonntag, März 15, 2020 - 08:41

Ich bin geradezu entsetzt, dass die ELKB nicht die gebotenen Konsequenzen aus der Corona-Gefährdungslage zieht und alle Gottesdienste für diesen Sonntag (15.03.2020) bis auf weiteres sofort absagt.
Die Verantwortlichen für die katholischen Glaubensgeschwister im Erzbistum München geben ein überzeugendes Beispiel ab, wie man adäquat und konsequent auf eine derartige Bedrohungslage reagiert.
Gunther Leupold
Prädikant

Neuen Kommentar schreiben

Weitere Artikel zum Thema: