6.04.2021
Immaterielles Kulturerbe

Newsticker "Immaterielles Kulturerbe" - UNESCO und Länder

In regelmäßigen Abständen treffen sich die Länder und der internationale UNESCO-Ausschuss für Immaterielles Kulturerbe, um darüber zu diskutieren, welche Bräuche und Traditionen sich für die Aufnahme in die offizielle Liste Immateriellen Kulturerbes eignen. Unser Newsticker informiert über aktuelle Entwicklungen und Neuigkeiten zur UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.
Newsticker Immaterielles Kulturerbe
Newsticker Immaterielles Kulturerbe

Das Immaterielle Kulturerbe bereichert unsere Gesellschaft. Aus diesem Grund bietet die Sonntagsblatt-Redaktion ab sofort einen Newsticker an.  Hier berichten wir regelmäßig über Veränderungen, neue Vorschläge und bundesweite sowie internationale Entscheidungen.

Fotoausstellung "Der Herde folgen. Mit dem Schäfer unterwegs" in Coburg

7. April 2021: 240 Fotografien von Cordula Kelle Dingel werden bis 4. Juli in der Alten Schäferei Coburg ausgestellt. Die Fotografin begleitete den Schäfer und seine Herde aus Thüringen über vier Jahre hinweg. Die Bilder zeigen den Lebensalltag, egal bei welchem Wetter oder zu welcher Jahreszeit. Was Menschen motiviert, den unbequemen Beruf zu ergreifen und auszuüben, das beschäftigte Kelle Dingel. Sie war dabei aber nicht nur Beobachterin, sondern lernte die intensive Beziehung zwischen Mensch und Tier hautnah kennen. 

Einige der Fotografien sind auch Teil der Wanderausstellung KULTUR.ERBEN, die immaterielles Kulturerbe näher bringt, lebendiges Brauchtum in verschiedenen Lebensbereichen, wie Musik, Sport, Handwerk oder Arbeitsleben. Es sind Ideen und kreative Leistungen, die unmittelbar mit dem Menschen zu tun haben. Auf der Repräsentativen Liste der UNESCO stehen insgesamt 420 Formen des Immateriellen Kulturerbes.

Moderner Tanz als Immaterielles Kulturerbe?

6. April 2021: Die Bundesrepublik hat der UNESCO vorgeschlagen, den Modernen Tanz in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anzuerkennen. Gemeinsam mit Lettland, Österreich, Polen, Spanien und Tschechien nominiert Deutschland zudem die Flößerei für die internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes. Der zuständige Ausschuss der UN-Organisation entscheidet voraussichtlich Ende 2022 über die Anträge.

"In den beiden Nominierungen zeigt sich die ganze Vielfalt des Immateriellen Kulturerbes", betonte die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer. "Der Moderne Tanz steht für den kreativen Aufbruch der Goldenen Zwanziger. Bis heute ist er eng mit dem Kampf um Emanzipation und für eine offene, demokratische Gesellschaft verbunden", so Böhmer. "In der Flößerei spiegelt sich unsere Wirtschaftsgeschichte. Ohne die Versorgung mit Floßholz wäre die Entwicklung vieler europäischer Städte nicht denkbar gewesen", schildert Böhmer. "Handwerk und darstellende Kunst prägen unsere Gesellschaft. Ich freue mich, dass die UNESCO nun über die beiden Vorschläge entscheiden wird."

 

Karpfenteichwirtschaft, Krippenkultur und Wässerwiesen sind Immaterielles Kulturerbe

20. März 2021: Vier weitere Kulturschätze aus Bayern stehen ab sofort im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Neu hinzugekommen sind die traditionelle Karpfenteichwirtschaft, die Marktredwitzer Krippenkultur, die fränkischen Wässerwiesen und der Erhalt der bauhandwerklichen Praxis der Jurahäuser, wie das bayerische Heimatministerium in München mitteilte. Insgesamt stammen nun 32 von 126 Einträgen des Verzeichnisses aus Bayern. Die Entscheidung für die Neuaufnahmen habe die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag getroffen.

Die bäuerliche, kleinteilig geprägte Karpfenteichwirtschaft werde im Freistaat seit Jahrhunderten gepflegt, bei der Krippenkultur in Marktredwitz seien seit gut 150 Jahren zwischen Weihnachten und Dreikönig bei rund 50 Familien großflächige Krippenlandschaften mit Tonfiguren zu sehen. Die Bewässerung der Wässerwiesen in Franken im Flussgebiet von Rednitz, Regnitz und Wiesent sei eine seit dem Mittelalter belegte Wiesenbewässerung über Gräben und Wehre. Die Jurahäuser im Altmühljura seien unter anderem geprägt durch eine besondere Dachdeckung aus Kalkstein.

Über die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis wird alle zwei Jahre in einem mehrstufigen Verfahren entschieden. Solch ein nationales Register ist laut Ministerium eine Verpflichtung aus dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes, dem Deutschland 2013 beigetreten ist.

 

Immaterielles Kulturerbe | Daten und Fakten

Was ist die Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit?

Für die "Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" stehen immer verschiedene Kulturformen zur Wahl. Zu den Vorschlägen zählen beispielsweise die Parfumherstellung in Frankreich, der Parrandas-Karneval in Kuba, das Lawinen-Risikomanagement in Österreich und der Schweiz oder die Reggae-Musik aus Jamaika.

Deutschland hat etwa gemeinsam mit Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei die jahrhundertealte Technik der Stoffveredelung, den sogenannten Blaudruck, eingereicht. Die handwerklich-künstlerische Technik wird noch heute von jungen Designern für Mode-Kollektionen in Zusammenarbeit mit Blaudruck-Werkstätten angewandt. Vielleicht ergänzt der Blaudruck schon bald die bisher 399 Formen Immateriellen Kulturerbes auf der UNESCO-Liste aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken.

Was bedeutet ein Platz auf der UNESCO-Liste für Immaterielles Kulturerbe?

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen aus der ganzen Welt. Aus Deutschland kommen zum Beispiel der Orgelbau und die Orgelmusik, aus Argentinien und Uruguay der Tango. Auch die traditionelle chinesische Medizin oder die italienische Geigenbaukunst sind Teil Immateriellen Kulturerbes.

Nach welchen Kriterien verläuft die Auswahl?

Nach Angaben der UNESCO müssen die Antragsteller nachweisen können, dass ihr vorgeschlagenes Brauchtum tatsächlich noch gelebt und praktiziert wird und somit zur Identität einer Gruppe von Menschen beiträgt. Zudem verpflichten sich die Staaten, zu deren Terrain ein Immaterielles Kulturerbe gehört, es zu fördern und Maßnahmen zu seinem Erhalt zu entwickeln.

Welche Länder sind Teil des UNESCO-Ausschusses zum Immateriellen Kulturerbe?

Bis 2018 sind 178 Staaten dem Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Aus ihnen wählte die UNESCO-Generalkonferenz ein Komitee aus 24 Staaten: Armenien, Aserbaidschan, China, Dschibuti, Guatemala, Jamaika, Japan, Kamerun, Kasachstan, Kolumbien, Kuba, Kuwait, Libanon, Mauritius, die Niederlande, Österreich, Palästina, die Philippinen, Polen, Sambia, Senegal, Sri Lanka, Togo und Zypern. Sie entscheiden jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.

Ausstellung leihen: KULTUR.ERBEN

Immaterielles Kulturerbe ist die Form sich auszudrücken - sprachlich, mit Körperbewegungen, in Ritualen oder Gegenständen, die der Mensch mit seinen Händen schafft. Die Leihausstellung KULTUR.ERBEN zeigt 37 Perspektiven auf klassisches und außergewöhnliches Kulturerbe. Von der Glasbläserei zum Eisschwimmen und vom Schafehüten zum Schlangenkult. Die Bilder der deutschen und internationalen Fotografen und Fotografinnen lassen den Betrachter erkennen, wie lebendig immaterielles Kulturerbe ist - und wie sehr es zum Leben jedes einzelnen Menschen gehört.

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Autor
Poetry-Slam, Tonnenabschlagen und Singen im Chor - diese vermeintlich zusammenhangslosen Traditionen haben eine Gemeinsamkeit: Sie alle sind Teil des immateriellen Kulturerbes - einer Sammlung lebendiger Bräuche und Riten, die der Gesellschaft Identität geben. Mittlerweile gibt es das bundesweite Verzeichnis der UNESCO seit fünf Jahren: Höchste Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen! Wir stellen Ihnen zehn ausgefallene Traditionen vor, die es auf die offizielle Liste geschafft haben.

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Viktualienmarkt München
Das Augsburger Friedensfest, die Agnes-Bernauer-Festspiele Straubing und die Schafhaltung sind seit März 2018 in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Der Münchner Viktualienmarkt zählt schon seit 2017 zum immateriellen Kulturerbe - und die Händler sind stolz darauf.