4.06.2020
Evangelische Kirchen in Bayern

Bamberg: "Stephanskirche" - Evangelische Kirche im Dekanat Bamberg

St. Stephan ist mit mehr als 6.000 Mitgliedern die größte evangelische Kirchengemeinde Bambergs. Der Vorgängerbau der heutigen evangelischen Dekanatskirche war ein Unikum im christlichen Abendland – nämlich das einzige Gotteshaus auf deutschem Boden, das von einem Papst geweiht wurde.
St. Stephan in Bamberg
Die frühere Stiftskirche St. Stephan: Das Deckenrelief in der Vierung entstand im Jahr 1688 und zeigt die Steinigung des ersten christlichen Märtyrers.

Geschichte der evangelischen Stephanskirche in Bamberg

Eine evangelische Kirche von einem Papst geweiht? Zu verdanken ist dieses Privileg einer besonderen Beziehung zwischen kirchlicher und weltlicher Herrschaft. Seit 1002 amtierte Heinrich II. als ostfränkischer König, in dessen Machtstruktur die römische Kirche eine große Rolle spielte – auch in einer Allianz gegen Bedrohungen durch das Byzantinische Reich. Mit der Errichtung des Bistums 1007 und dem Dom als Symbol der "Reichskirche" schuf er sich dafür in Bamberg auch eine Art geistliche Repräsentanz.

Papst Benedikt VIII., der Heinrich im Jahr 1014 zum deutschen Kaiser gekrönt hatte, erteilte am Osterfest 1020 dem jungen Bistum seinen Segen. Am selben Tag vollzog er in Anwesenheit des Kaisers und dessen Gemahlin Kunigunde die Weihe der neuen Kirche des Kollegiatstifts St. Stephan. Darstellungen des Herrscherpaars hielten die Erinnerung daran aufrecht: Heinrich trägt eine Miniatur des viertürmigen Bamberger Doms in der Hand, Kunigunde eine kleine Stephanskirche.

Stift St. Stephan: Eine Kirche wechselt die Konfession

Während der historischen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde auch das Stift St. Stephan säkularisiert. Und diese Zeit sorgte für einen bemerkenswerten "Lastenausgleich" in Oberfranken: Im überwiegend katholischen Bamberg und im mehrheitlich protestantischen Bayreuth erhielten die jeweiligen konfessionellen Minderheitsgemeinden je ein Sakralgebäude der anderen Kirche.

Bayerns "Bürgerkönig" Maximilian I. übereignete die zwischenzeitlich leer stehende Stephanskirche der knapp 150 Seelen zählenden protestantischen Gemeinde, die damit ihr erstes eigenes Gotteshaus bekam und dort am 28. Januar 1808 den ersten Gottesdienst feierte.

Mit dem Erbe ging man danach offenbar wenig pietätvoll um, wie in den 1950er-Jahren der damalige Bamberger Dekan Otto Dietz beklagte: "Ein der lutherischen Glaubenshaltung fremder Puritanismus übernahm dieses Kleinod und hat in gelegentlicher finanzieller Bedrängnis ohne Bedenken die Kirche um wesentliche, unersetzliche Kunstschätze ärmer gemacht." Verkauft wurden laut Dietz unter anderem zehn Altäre, vier holzgeschnitzte Statuen und die Kanzel, "eine der schönsten des Bamberger Landes".

Architektur der Stephanskirche: Vollendung nach Plänen Petrinis

Die ursprüngliche Kirche auf dem Stephansberg gibt es nicht mehr. Am romanischen Kirchturm, dem ältesten erhaltenen Teil des Bauwerks, entstand im 17. Jahrhundert zuerst ein neuer Chorraum. Langhaus und Seitenflügel auf dem kreuzförmigen Grundriss wurden nach Plänen von Antonio Petrini vollendet:

Er gilt als der führende Baumeister des Barock in Franken in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, zu dessen Werken unter anderem das fürstbischöfliche Sommerschloss Seehof bei Bamberg und die monumentale Hauger Stiftskirche in Würzburg zählen. Einen ähnlichen Kuppelbau wie im Stift Haug hatte Petrini auch für die Stephanskirche geplant – diese Idee blieb jedoch unverwirklicht. Eingeweiht wurde der Bau am 24. August 1717.

Hervorragende Kirchenmusik in St. Stephan

Geblieben ist glücklicherweise der prächtige barocke Orgelprospekt, in dem sich seit 2008 ein neues Instrument mit 3.556 Pfeifen verbirgt. Einen herausragenden Ruf hat sich die Kirchenmusik an St. Stephan erworben, die sowohl alte Meister wie zeitgenössische Werke zur Aufführung bringt.

Immer wieder ist die Kirche heute ein Ort für hochkarätige Kunstausstellungen – und auch im Raum selbst treten die barocken Stuckfiguren an der Decke in einen Dialog mit sakraler Gegenwartskunst. Augenfälligstes Beispiel dafür ist die zentrale "Altarinsel" mit Altar, Taufbecken und Kanzelpult, für die der Bildhauer Jürgen Goertz im Jahr 1986 eine kraftvolle Formensprache gefunden hat.

Statue der Kaiserin Kunigunde im Chorraum von St. Stephan
Patronin und Heilige: Statue der Kaiserin Kunigunde im Chorraum von St. Stephan. In der Hand hält sie das Modell der Kirche.

Evangelische St.Stephans-Kirche Bamberg

Die St.-Stephans-Kirche gehört zum Dekanat Bamberg und zum Kirchenkreis Bayreuth.

Evang.-Luth. Pfarramt St. Stephan
Stephansplatz 5
96049 Bamberg
Telefon 0951 9551751
E-Mail pfarramt.ststephan.ba@elkb.de
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