2.08.2020
Evangelische Morgenfeier

Haltet mich nicht auf (Genesis 24,56)

Die aktuelle evangelische Morgenfeier kommt an diesem Sonntag, 2. August, aus Nürnberg. Pfarrerin Sandra Zeidler spricht über das Reisen, Begegnungen und die Zeit.
Kapelle auf dem Hügel Reisen Predigt Morgenfeier Symbol

Haltet mich nicht auf

Ich finde mich in einer Wolke von blauen Schmetterlingen wieder. Aufgeregt flattern sie um mich rum. Ich bin ganz still, betört von den zarten Wesen: die blaue Farbe ihrer Flügel eingerahmt von einer feinen schwarzen Linie, gerändert mit zartem Weiß, ein bisschen wie ausgefranst. Ein Schmetterling setzt sich auf ein Blatt, klappt die Flügel zusammen und ich sehe die graubraune Unterseite mit den hingetupften schwarzen Punkten.

Es ist der 26. Juni 2018, über einen Monat sind wir schon unterwegs. Zwei Jahre später erinnere ich mich an diese wundervolle Reise quer durch Europa. Vieles ist mir sehr präsent, so wie die blauen Schmetterlinge, vielleicht auch weil in diesem Sommer das Reisen gar nicht so einfach ist. Auch ich weiß noch nicht, ob es für uns einen richtigen Sommerurlaub geben wird und deswegen sind die Erinnerungen so wertvoll für mich. Heute morgen möchte ich mit Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer, ein paar dieser Erinnerungen teilen. Ich nehme Sie mit  auf eine siebenmonatige Reise durch Europa in unserem silbernen Campingbus namens OttoCar! Zeige Ihnen Landschaften, Stimmungen, Lebensstile und Lebensgefühle, denen wir begegnet sind. Etwas von der Schönheit dieser Erde und dem Zwiegespräch der Seele mit Gott, das mich immer wieder getröstet hat.

Meine Frau und ich haben uns damals eine Auszeit genommen und sind einfach drauflosgefahren, weg von allen Verpflichtungen und Terminen. Fahren, wohin die Straße führt, übernachten, wo es uns gefällt! "Haltet mich nicht auf, denn der Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben." So habe ich mich gefühlt, als die Entscheidung gefallen ist: Toller Job – halte mich nicht auf! Liebe Kollegin – halte mich nicht auf! Schöne Wohnung in der Münchner Maxvorstadt – halte mich nicht auf!  "Haltet mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben."

Es war ein bisschen so wie Sophie Hunger singt: ich hab keine Angst vor der Straße, wir werden sehen, wir müssen es probieren, der Wind wird uns tragen.

Reisesegen

"Haltet mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben." Dieser Satz stammt aus der Bibel, vom Knecht des alt gewordenen Abraham. Abraham hatte ihn losgeschickt, um für den Sohn eine Braut zu finden. Und seine Reise führt ihn geradewegs zu Rebekka, zu einer entfernten Verwandten. In die alte Heimat, die Abraham einst verlassen hat mit seiner Familie. An einem Brunnen treffen sie sich – für Reisende vor allem in den Wüstenregionen des vorderen Orients ein überlebenswichtiger Ort. Die selbstbewusste Frau lädt den Fremden ein, der erzählt der Familie von seinem Anliegen, hat auch noch ein paar schöne Schmuckstücke dabei und man ist sich bald sicher, dass diese künftige Verbindung von Gott gewollt ist. Man isst und trinkt und am nächsten Morgen will der Knecht sofort losziehen, es ist doch alles besprochen:

Am Morgen aber standen sie auf, und er sprach: Lasst mich ziehen zu meinem Herrn. Aber ihr Bruder und ihre Mutter sprachen: Lass doch das Mädchen noch einige Zeit bei uns bleiben, vielleicht zehn Tage; danach mag sie ziehen. Da sprach er zu ihnen: Haltet mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Lasst mich, dass ich zu meinem Herrn ziehe.

Da sprachen sie: Wir wollen das Mädchen rufen und fragen, was sie dazu sagt. Und sie riefen Rebekka und sprachen zu ihr: Willst du mit diesem Manne ziehen? Sie antwortete: Ja, ich will es. Da ließen sie Rebekka, ihre Schwester, ziehen mit ihrer Amme, samt Abrahams Knecht und seinen Leuten. Und sie segneten Rebekka und sprachen zu ihr: Du, unsere Schwester, wachse zu vieltausendmal tausend, und dein Geschlecht besitze die Tore seiner Feinde.

So machte sich Rebekka auf mit ihren Mägden, und sie setzten sich auf die Kamele und zogen dem Manne nach. (Genesis 24,54-61)

Die Reise des Knechts ist zu ihrem Ziel gekommen: er hat die Richtige für Abrahams Sohn gefunden – ist auch gut so, denn er musste ja zusehen, dass er mit einem Ergebnis nach Hause kommt. Rebekka dagegen, die Gefundene, ist entschlossen, eine Reise ins Ungewisse anzutreten. Ihr Weg liegt noch vor ihr. Eine Reise geht zu Ende, eine Reise beginnt.

Für mich war damals, im Frühjahr 2018 auch alles klar, alles besprochen, alles ausgemacht. Also, auf geht’s! Im Rückblick weiß ich, dass mir nicht klar war, wie viel Ungewisses auf mich, auf uns warten würde.  Viele Menschen haben gesagt, dass sie das mutig finden, einfach so loszuziehen und alles hinter sich zu lassen. Damals hab ich das nicht verstanden; für mich war das Losfahren, das Weg-sein-wollen, das Neue viel stärker. Und ich wollte gesegnet losziehen. Es gab einen wundervollen Gottesdienst zum Abschied, Reisesegen inklusive.

"Du, Schwester, wachse vieltausendmal tausend…" Diesen Segen bekommt Rebekka mit auf ihre Reise. Was für ein schöner Wunsch: entfalte dich, wachse – vielleicht an deinen Aufgaben, vielleicht über dich hinaus. Der Segen als Halt und Versprechen: Wenn Gott segnet, gibt Gott sich selbst mit auf die Reise.

Ich finde, auch heute hat Reisen immer noch etwas Archaisches, ist immer noch ein bisschen so wie in der Erzählung von dem Knecht und Rebekka. Klar, wir hatten auf unserem Road Trip ein gutes Navi, das uns sicher geleitet hat und wir haben einen 80-Liter-Wassertank im Bus. Aber genauso wie ein Kamel muss auch unser OttoCar von Zeit zu Zeit an einen Brunnen zum Auffüllen, genau genommen sogar an zwei verschiedene: Diesel braucht er ja auch ...

Das Archaische liegt darin, dass man nie weiß, wem man begegnen wird, was passieren wird, wo es einen hin verschlägt. Wir hatten den groben Plan, die Ostsee zu umrunden: Dänemark, Schweden, Finnland. Sankt Petersburg, Estland, Lettland, Litauen, Polen und schließlich die deutsche Ostseeküste. Ungefähr so ist es auch gekommen, ein bisschen Zeit haben wir verbummelt, ein bisschen haben wir abgekürzt, ein bisschen war jede allein unterwegs. Was mit der Seele passiert auf so einer Reise, das lässt sich nicht vorausplanen, aber man lernt, auf sie zu hören und ihr nachzugehen.

Und so sitze ich allein auf einem abgelegenen Campingplatz in Schweden und beobachte blaue Schmetterlinge. Das sind die richtig schönen Momente, da sitzen, beobachten, nichts ist wichtiger. Für mich waren diese Momente relativ selten, ich hab mich oft getrieben gefühlt oder besser: selbst getrieben, denn niemand anders hat es getan! Auch das sehe ich heute, im Rückblick: ich wollte unbedingt mit einem Ergebnis nach Hause kommen: Erholt, gereift, weise. Ich hätte das damals so nicht formuliert, aber irgendwie in mir drin war so ein Druck, was zu erleben und dadurch ein anderer Mensch zu werden. Bin ich auch geworden, wahrscheinlich, nur eben nicht so wie gedacht – schmerzvoller und langwieriger, denn die Reise dauert noch an. Ich lerne immer noch.

Midsommar

In Schweden waren wir gut zwei Monate, länger als beabsichtigt, selbst für unseren ja nur sehr lose gestrickten Plan. Es war wohl die Zeit, die wir zwei gebraucht haben, zusammen und allein, um richtig anzukommen im Reisemodus. Wir haben uns treiben lassen, an der Schärenküste entlang, der Höga Kusten, die Tage wurden dabei immer länger, bis es Midsommar war. Nachts um vier ist es taghell – immer noch oder schon wieder! An Midsommar trifft man sich in jedem kleinen und großen Ort, tanzt, feiert und singt. An diesem Tag haben wir spontan gehalten an einem alten Bahnhof, der zu einem Café umgebaut war. Bunte Fahnen haben uns von der Straße herbei gewunken. Die Betreiberin erzählt uns, dass das ihr Lebenstraum ist, ein eigenes Café mit selbstgemachten Sandwiches und Kaffee – denn fika, die Kaffeepause ist in Schweden die wichtigste Mahlzeit des Tages. "Die schwedische Betti", so haben wir sie für uns genannt, hat uns dann auch gesagt, wo in der Nähe Midsommar gefeiert wird. Vier, fünf Häuser stehen da beieinander, eines ist ein Bauernmuseum, davor sitzen Menschen in rot gekleidet, mit bunt gestickten Bändern, selbstgeflochtenen Blumenkränzen im Haar. Viele tanzen im Kreis zur Musik von Geige, Akkordeon und Gitarre. Der Kreis wird größer, rumstehen und zuschauen gilt nicht, komm, mach mit! Alle sind fröhlich, freundlich, aber irgendwie auch verhalten, finde ich. Vielleicht greift auch hier beim Feiern das schwedische Lebensgefühl: "Lagom"ist eigentlich nicht zu übersetzen – "alles im richtigen Maß " trifft es wohl am besten. Lagom meint die Mitte zwischen "zu viel" und "zu wenig". Und so wirken auch die Tänzer und Tänzerinnen auf mich: Alles im richtigen Maß! Nur nicht übertreiben. Obwohl: die schwedische Betti hat uns erzählt, dass die Schweden gerne einmal in der Woche sich so richtig betrinken, dann wird voll über die Stränge geschlagen. Vielleicht haben sie später noch einen drauf gemacht auf diesem dörflichen Midsommar-Fest, da waren wir aber schon wieder zurück auf der Landstraße.

Ziellos waren wir eigentlich nie unterwegs, obwohl doch jeden Tag neu entschieden werden musste, wo genau es hingeht, wo vielleicht ein schöner Stellplatz lockt oder ob man nicht doch noch bleibt und weiter tagträumt. "Walking Aimlessly" heißt ein Lied der schwedischen Sängerin Anna Ternheim: "In den blauen Stunden der Morgendämmerung, bevor der Tag losrennt, und die Konfusion um sich greift: lass deinen Gedanken einfach freien Lauf..."

Reisen ist Begegnung

Wir sind so vielen Menschen begegnet auf dieser Reise. Anderen Reisenden, Einheimischen, welchen, die Zeit für einen Plausch hatten und andere, die weiter mussten. Und wir sind natürlich uns beiden begegnet, anders als gedacht. Dass es eng ist in so einem Bus, das wussten wir. Mir wurde es sehr bald sehr viel zu eng und ich wollte eine Zeit allein unterwegs sein. Das auszusprechen und auch durchzuführen hat weh getan. Wir hatten vielleicht ein anderes Bild von dieser gemeinsamen Reise. Und auch hier wieder: im Nachhinein war es für uns beide eine gute, wenn auch tränenreiche Zeit, allein unterwegs zu sein. Man ist gezwungen, sich klar werden: was will ich eigentlich? Auch so was Banales wie: will ich genau hier übernachten? Was will ich essen? Will ich heute lesen oder weiterfahren? So begegnet man letztlich sich selbst. Die Reise in die Ferne wird zu einer Reise in die allernächste Nähe, zu sich selbst. Ich hab gespürt, wie unausgegoren ich war und dass es gar nichts nützt, immer nur dagegen anzukämpfen. Es hat diese Zeit der Reise gedauert und es dauert noch an, aber ich merke, dass ich barmherziger mit mir geworden bin, nicht mehr so fordernd. Gottes Gnade hat sich langsam entfaltet, wie ein Tag ohne To-Do-Liste. Und wie gesagt, die schönsten Momente sind die, wo einen leichtflügelige blaue Schmetterlinge dazu bringen, einfach sitzen zu bleiben und zu schauen. Da habe ich mich verbunden gefühlt.

Russisches Intermezzo

Die Zeit vergeht, wir lassen uns treiben, von Ort zu Ort, von Küste zu Küste, von Land zu Land. Noch einmal durchatmen an der weichen finnischen Südküste, dann wartet das nächste Abenteuer: Sankt Petersburg!

Die Stadt empfängt mich mit sozialistischem Plattenbau, der die Randbezirke der Stadt prägt. Mittendrin mein Hotel, auf dem Dach steht in riesigen kyrillischen Lettern: Grand Canyon! Tatsächlich habe ich die Ruhe und die Idylle finnischer Stellplätze am Meer eingetauscht gegen den Trubel der zweitgrößten Stadt Russlands und der viertgrößten Stadt Europas. Ein Kulturschock!

Die Rolltreppe hinunter in den U-Bahn-Schacht ist schwindelerregend hoch. Mit der Metro fahre ich in eine andere Welt: bei meinem Hotel, wo ich einsteige, sitzen oben ältere Frauen und verkaufen Lauchzwiebeln und Gurken aus eigenem Anbau, jetzt stehe ich auf dem Newski Prospekt, der Prachtstraße mit seinen klassizistischen Bauten in rosa und petrol, dem Kaufhaus Gostiny Dwor und dem Singer-Haus mit dem riesigen Globus auf dem Dach. Ich schlendere über die großen Boulevards und an den zahllosen Kanälen der Newa entlang und kann mich nicht recht anfreunden mit dieser Stadt. Zu konstruiert, zu schön, zu bonbonfarben. Ich komme mir immer ein bisschen verloren vor zwischen den Sehenswürdigkeiten, die mich nicht berühren und den Bewohnern der Stadt, die auf mich gehetzt und ernst wirken. Eine Matrjoschka habe ich mir gekauft, eine aus Birkenholz gedrechselte Puppe, die man bäuchlings öffnen kann und dann kommt die nächste zum Vorschein, vier Puppen in einer. Zuerst hat mich an ihr der Gedanke fasziniert, dass in einem Menschen noch so viel versteckt ist, was man vielleicht von sich selbst gar nicht weiß und erst Schicht für Schicht entdecken muss. Seit Kurzem habe ich alle nebeneinander stehen, von groß nach klein, und denke öfter, dass all das Ich sein kann: groß und rund und sicher und auch klein und schutzlos.

Petersburg verlasse ich auf einer vierspurigen Straße, die aber gut und gerne fünf Autos nebeneinander verträgt – denkt jedenfalls der russische Fahrer! Ich halte mit, nur nicht beeindrucken lassen, und steure OttoCar auf die E20 Richtung Westen, Richtung estnische Grenze. Ein Straßendorf reiht sich an das nächste, alte Holzhäuser mit kleinen Gärtchen, immer mal wieder eine einfache Raststätte, an der Fernfahrer frühstücken.

Am Abend schon sitze ich an der Küste und sehe die Sonne untergehen, sie lässt sich Zeit, ihr Licht wegzunehmen. Mittlerweile ist es Ende August. Die estnische Küste ist ein Paradies für Camper. Überall sind wunderbare Plätze versteckt, auf denen man frei stehen kann. Kiefern wachsen bis kurz vor den Strand, hinter den Dünen plätschert träge die Ostsee als wollte sie sagen: Zeit vergeht, schau ein bisschen zu. Die Einladung ist verlockend und wir nehmen sie immer wieder gerne an.

Tere Estland!

Aber: es gibt ja auch einen Plan und der sagt: immer weiter an der Küste entlang. Es gibt viele Abzweigungen von der Landstraße. Eine nehme ich ganz bewusst, die auf die Insel Saaremaa an der Westküste Estlands. Bei einem Forellenzüchter, der auch Stellplätze vermietet, treffe ich Erika aus Hannover. Sie ist 72 Jahre alt und erzählt mir, dass sie immer schon allein mit dem Wohnmobil unterwegs ist, auch jetzt wieder auf dem Weg zum Nordkap, da war sie schon dreimal, ob’s diesmal wieder klappt, na, mal sehen, wenn die Gesundheit mitmacht. Sie wird begleitet von ihrem Langhaardackel Sammy, der mich ganz toll findet und beschließt, fortan vor meinem Bus seine Siesta zu halten. Erika lädt mich auf ein Eis ein und wir schauen auf den Teich, in dem die Forellen springen.

Abends wacht Sammy noch ein wenig vor unser beider Campingmobile. Ich liege sicher und warm im Heck von OttoCar, die estnischen Wälder und die glucksenden Forellenteiche wiegen mich in den Schlaf.

"Estonian Lullaby", ein Gute-Nacht-Lied vom estnischen Komponisten Arvo Pärt, ist eigentlich ein Volkslied. "Wiegenlieder sind wie kleine Stückchen vom verlorenen Paradies" sagt Pärt. "Ein kleiner Trost, verbunden mit dem Gefühl von Tiefe und Intimität. Ich habe dieses Wiegenlied für Erwachsene geschrieben und für das Kind in jedem von uns."[1]

Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben

"Haltet mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben." Bei der Erzählung von Abrahams Knecht frage ich mich immer, ob er diesen Satz im Rückblick oder in der Vorausschau sagt. Meint er, dass Gott bis dahin, dass er gut in der alten Heimat ankommt, Rebekka am Brunnen trifft und sie die Richtige ist, alles hat gelingen lassen? Oder meint er das Losziehen, jetzt, wo mit der Zukünftigen alles geklärt ist, dass darauf Gnade liegt und sie den Moment nicht verpassen sollen.

Vielleicht kann man das gar nicht so trennen, vielleicht stimmt beides.

Als ich vor zwei Jahren losgezogen bin, da war mir klar, dass Jetzt der richtige Zeitpunkt war. Und das empfinde ich immer noch so. Auch wenn ich jetzt sehe, was wir alles hinter uns gelassen haben. Die ganze Bandbreite kann man vielleicht nie abschätzen. Und heute sehe ich, wie vieles gut war auf dieser siebenmonatigen Reise. Die zeitweilige Trennung. Was ich allein erlebt habe und die Erinnerungen, die wir teilen.

Das allein nachts wachliegen im Bus und das Wiedersehen. Die Kiefern am Strand und die sanft plätschernde Ostsee.

Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben. Das kann ich heute so aus ganzem Herzen sagen: Wir hatten keinen Unfall. Wir sind freundlichen und offenen Menschen begegnet. Wir zwei sind heil zurückgekommen und zehren von dem anderen Lebensstil: von der Langsamkeit, vom Draußen sein, von der Erfahrung, das für mich gesorgt ist.

Gnade heißt, dass Gott etwas gelingen lässt. Darauf kann ich vertrauen und losziehen und das kann ich so fühlen, wenn ich mein Leben überdenke. Mit Gottes Gnade gelingen die kleinen und die ganz großen Reisen, die wir lebenslang antreten.

[1] Zitiert nach https://www.arvopart.ee/en/arvo-part/work/330/, abgerufen am 1.7.2020, Übersetzung von der Autorin

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