7.08.2019
"Haus des Stiftens"

Investmentfonds für Stiftungen und Vereine: So funktioniert Vermögenspooling

Wie können gemeinnützige Organisationen ihr Stiftungsvermögen ethisch nachhaltig und mit geringem Risiko anlegen? Mehr als 600 Stiftungen beteiligen sich am "Vermögenspooling" des "Haus der Stiftens". Das Sozialunternehmen hat drei Fonds aufgesetzt, in denen insgesamt rund 80 Millionen Euro verwaltet werden. Philipp Hof ist Geschäftsführer im "Haus des Stiftens" und hat das Vermögenspooling begründet. Im Sonntagsblatt-Interview erklärt er das Modell zur Geldanlage.
Philipp Hof ist Geschäftsführer des "Haus des Stiftens" in München. Im Sonntagsblatt-Interview erklärt er, wie Stiftungen ihr Geld im Vermögenspooling anlegen können.

Herr Hof, was steckt hinter dem Vermögenspooling für Stiftungen und Vereine?

Hof: Rendite gibt es heute nur noch über Risiko. Die wenigsten Einrichtungen haben aber genug Geld, um ihr Vermögen zu verteilen und das Risiko zu streuen. Wenn ich kein Risiko eingehe, bekomme ich auch kaum Rendite. Viele gemeinnützige Investoren verwalten zudem Geld einer Organisation und müssen ein bisschen genauer schauen, welches Risiko sie überhaupt eingehen können. Die meisten können nicht beurteilen, ob eine Siemens-Aktie ein geringeres Risiko birgt als eine argentinische Staatsanleihe.

Viele gemeinnützige Organisationen wollen mit ihrem Geld eine relativ sichere Rendite erzielen - und zu ihrem gemeinnützigen Zweck beitragen. Aber sie haben weder das Wissen noch die Strukturen, das Geld so anzulegen, wie das vielleicht eine große Stiftung oder eine vermögende Privatfamilie kann.

Beim Vermögenspooling legen wir das Geld zusammen und schaffen genau das, was ein Spezialfonds kann – nämlich eine größere Summe zu sehr günstigen Konditionen zu verwalten.

Wir beauftragen unterschiedliche Vermögensverwalter und können anders verhandeln und Konditionen bestimmen. Außerdem gibt es unabhängige Gutachter, die schauen, ob das Risikoprofil so aussieht, wie wir das wollen.

Wie wurden die Fonds aufgebaut?

Hof: Um überhaupt loslegen zu können, haben ein paar große Stiftungen ihr Geld in die Fonds gesteckt. Damit hatten wir schon mal eine Grundmasse und auch eine gute Expertise. Und dann kam über die anderen Stiftungen und Vereine immer mehr Geld dazu.

Es hat sich dann herausgestellt, dass wir noch ein besseres Reporting benötigen, damit auch der Vorstand einer kleinen Stiftung versteht, was mit einzelnen Kennziffern gemeint ist. Und es gibt einen Beirat, der alle drei Monate offene Fragen klärt. Wir haben eine Ampelsystematik – mit Gelb, Rot und Grün – die offenlegt, wie mit dem Geld umgangen wird.

Welche Fonds gibt es?

Hof: Es gibt einen Fonds, der zwei Prozent Ertrag pro Jahr erzielen soll. Ein anderer soll rund 2,7 Prozent Ertrag ausschütten, der dritte Fonds 3,4 Prozent. Je mehr Ertrag ich möchte, desto höher ist mein Risiko.

Und wie sieht es mit den Kosten aus?

Hof: Fonds haben die Tendenz, hohe Kosten zu erzeugen und intransparent zu sein. Unser Ziel war es, mit unseren Fonds deutlich günstiger zu sein als andere auf dem Markt. Außerdem wollen wir zeigen, welche Kosten wirklich entstanden sind. Denn es kommen ja auch Transaktionskosten und Provisionen hinzu. Bei allen drei Fonds haben wir gesagt, dass die Kosten zwischen 0,5 und 0,8 Prozent liegen sollen und komplett aufgeführt werden. Auch das wird von einem Wirtschaftsprüfer kontrolliert.

Wie sorgen Sie für Nachhaltigkeit?

Hof: Ein wichtiger Punkt in den Fonds sind ethisch nachhaltige Anlagen. Da gibt es ganz viele verschiedene Ansätze. Von den drei Fonds sind zwei ethisch nachhaltig. Ein Spezialist schaut einmal im Jahr in die Fonds und erstellt ein Gutachten.

 

Wie sich die Stiftungslandschaft in Deutschland verändert

Stiftungen in Deutschland
Mehr als 22.000 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts gibt es laut Bundesverband der Stiftungen in Deutschland. Sie geben ihr Geld überwiegend für gesellschaftliche Themen, Bildung, Kunst und Kultur aus.

Was halten Sie von Verbrauchsstiftungen, die ihr Geld innerhalb eines bestimmten Zeitraums komplett ausgeben?

Hof: Ich halte diese Entwicklung für sehr positiv, weil es Zwecke gibt, die eine klare zeitliche Begrenzung haben. Der Unternehmer Bill Gates hat von Anfang an deutlich gemacht, dass seine Stiftung zwanzig Jahre nach seinem Tod nicht mehr existieren wird, weil das Geld bis dahin ausgegeben ist.

Das Selbstverständnis einer Stiftung hat sich verändert. Eine Stiftung muss nicht für hundert Jahre oder mehr existieren, wenn sie keinen Ertrag erwirtschaftet und irgendwann nur noch sich selbst verwaltet. In den USA ist es üblicher, eine Stiftung mit einem präzisen Ziel und für eine bestimmte Zeit zu gründen.

Es geht nicht um die Frage, ob ich eine Stiftung gründe, weil die Zinsen hoch sind. Sondern um die Idee, mein Vermögen für einen bestimmten Zweck zur Verfügung stellen. Es geht darum, fokussiert zu sein und ein klares Ziel zu haben. Viel besser ist es doch, zu sagen, ich habe einen gewissen Betrag und suche mir dann einen Zweck und eine Region aus, die diesem Betrag entspricht.

Aber werden die Aufgaben nicht immer komplexer?

Hof: Tatsächlich sind die Probleme, mit denen wir es zu tun haben, so komplex, dass wir mit Geld oft kaum etwas verändern können. Wir müssen uns also mit Leuten zusammentun, die etwas vom Inhalt verstehen oder mir Strukturen zur Verfügung stellen. Geld, Wissen und Strukturen müssen zusammenkommen.

Damit verändert sich das Verhältnis von Stiftung zu Non-Profit-Organisationen. Es ist nicht mehr so, dass nur derjenige entscheiden sollte, der das Geld hat. Stiftung, Non-Profit-Organisation und Unternehmen sollten, wenn möglich, ein gemeinsames Ziel haben. Wenn sie dann ihre Ressourcen koppeln, kommen sie viel weiter. Und wenn sie gemeinsam etwas ändern, macht es allen am meisten Freude.

 

Digitalisierung als Herausforderung für Stiftungen

Welche Rolle spielt die Digitalisierung für Stiftungen?

Hof: Zum einen können damit Prozesse erleichtert werden. Für viele ist das Thema aber eine große Hürde, sie wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen, welche Kosten entstehen und wo es sich lohnen könnte, zu investieren.

Kleine Stiftungen brauchen nicht so viele Funktionen, ihre Anforderungen ähneln sich. Hier benötigen wir Cloud-Lösungen. Es muss uns gelingen, Prozesse zu vereinheitlichen. Schön wäre eine Art Marktplatz, der von verschiedenen Seiten befüllt werden kann.

Wir haben vor vier Jahren ein Tool entwickelt für das Berichtswesen von Stiftungen – und viel Lehrgeld gezahlt. So ein Tool zu entwickeln ist nichts, was man im Vorbeigehen macht. Wir suchen deshalb jetzt nach Partnern, mit denen wir gemeinsam an Themen arbeiten. Denn man muss eine gewisse Größe haben, um ein Tool nicht nur hinzustellen, sondern es auch betreiben zu können.

Haus des Stiftens

Das "Haus des Stiftens" mit Sitz in München ist ein Sozialunternehmen, das Stiftungen, Nichtregierungsorganisationen und Nonprofits unterstützen möchte. Die Einrichtung bietet Beratungen an, organisiert Webinare und hat Vermögenspooling-Fonds begründet. In Kooperation mit der amerikanischen Non-Profit-Organisation TechSoup Global wurde 2008 das Online-Spendenportal "Stifter-helfen.de – IT für Non-Profits" gestartet.

Philipp Hof ist Geschäftsführer des "Haus des Stiftens". Im Sonntagsblatt-Interview erklärt er, warum sich Stiftungen vernetzen sollten und wie sie von den IT-Produkten profitieren können.

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Stiftungsreferent Wilhelm Popp
Wilhelm Popp ist Stiftungsreferent im Kompetenzzentrum Fundraising der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern (ELKB). Der Verwaltungswirt berät Menschen sowie kirchliche und diakonische Einrichtungen, die sich dafür interessieren, eine Stiftung zu gründen. Im Interview erklärt Popp unter anderem, vor welchen Problemen sie dabei stehen.