28.04.2020
Wenrich Slenczka

"Leider verhindert Corona derzeit, bei einem Frankenwein zusammenzusitzen" - Drei Fragen an den neuen Würzburger Dekan

Ab dem 1. Mai hat das evangelische Dekanat Würzburg einen neuen Chef: Den bisherigen Dekan aus Weiden, Wenrich Slenczka. Wie vielen anderen bleibt Slenczka wegen der Corona-Pandemie eine offizielle Amtseinführung versagt. Wie er sich die Arbeit vorstellt, was eine gelingende Ökumene mit Frankenwein zu tun hat und wie er trotz der aktuellen Ausgangsbeschränkungen Kontakte knüpfen will, erzählt der 55-Jährige im Gespräch mit dem Sonntagsblatt.
Wenrich Slencka, Würzburger Dekan

Herr Slenczka, Sie kommen aus Weiden nach Würzburg: Was wird in Ihrer Funktion als Dekan anders sein als früher, was bleibt gleich?

Slenczka: Zunächst einmal ist für mich alles neu: neue Menschen, neue Gemeinden, neue kirchliche Einrichtungen, ein neue viel größere Stadt. Natürlich habe ich Erfahrung aus der Zeit in Weiden. Ich kenne meine Aufgaben und die kirchlichen Strukturen.

Aber mit neuen Menschen in einer neuen Umgebung kann ich nicht alles genau so machen wie bisher. Ich freue mich auf Neues. Es ist natürlich schwierig, weil direkte Kontakte jetzt nur sehr eingeschränkt möglich sind - wir suchen nach neuen digitalen Wegen. Denn nur wenn ich den Kontakt habe und die Situation kennenlerne, können meine bisherigen Erfahrungen nützen.

Würzburg ist Bischofssitz, die katholische Kirche allgegenwärtig. Wie wollen Sie da im Bereich der Ökumene Akzente setzen?

Slenczka: Christliche Gemeinschaft über die Konfessionsgrenzen hinweg findet immer zuerst in den persönlichen Begegnungen statt. Das war in meiner Zeit in Russland so, als wir eine verschwindende evangelische Minderheit gegenüber der sehr dominanten orthodoxen Kirche waren.

Das war im Gemeindepfarramt in Manching ebenso wie im Dekanat in Weiden. Leider hindert Corona uns derzeit, mal bei einem Frankenwein zusammenzusitzen - das wird aber noch kommen. Was die Akzente anbetrifft, so meine ich, dass wir die Verschiedenheiten nicht kleinreden sollen. Sonst verliert man den Charakter. Aber uns verbindet ja doch mehr als uns trennt, etwa verschiedene ökumenische Einrichtungen.

Die Pandemie verhindert Ihre offizielle Amtseinführung. Wie sehr beeinflusst sie neben dem kirchlichen auch Ihren persönlichen Bereich?

Slenczka: Das ist sehr schade. Eine offizielle Amtseinführung ermöglicht so viele Kontakte auf einmal. Das wäre ein Fest für das ganze Dekanat gewesen. Im persönlichen Bereich führt die Situation dazu, dass meine Familie später umziehen kann als geplant. Da das Abitur verschoben ist und der Notenschluss wohl auch später sein wird, muss meine Frau mit den beiden jüngeren Töchtern noch länger in Weiden bleiben.

So werde ich voraussichtlich bis Ende Juli zwischen Weiden und Würzburg pendeln. Ich hoffe aber, dass ich das so hinbekomme, dass man mich in Würzburg nicht vermisst. Vielleicht wird man beim Telefonieren mit mir manchmal noch eine Weidener Nummer im Display sehen. Aber das soll meinen Einsatz nicht einschränken. 

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