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Sonntagsblatt 07/ vom

Mildtätig und schön

Die ostfränkische Königin Editha war beim Volk beliebt


»Ihre adligen Züge erstrahlten in herrlicher Schönheit, dank ihres vollkomm'nen Wesens und Wandels galt sie nach dem einmüt'gen Urteil des Volkes als Herrlichste unter sämtlichen Frauen.«

»Herrlichste unter sämtlichen Frauen«: Editha von Wessex (910-946), Gemahlin von Kaiser Otto dem Großen (912-973).
Foto: epd-bild
   »Herrlichste unter sämtlichen Frauen«: Editha von Wessex (910-946), Gemahlin von Kaiser Otto dem Großen (912-973).

Der Dichterin Roswitha von Gandersheim (938-973) verdanken wir eine höchst eindrucksvolle Schilderung der angelsächsischen Königstochter Editha, der ersten Gemahlin des späteren Kaisers Ottos des Großen. Die Nonne wurde durch den Auftrag, das Leben Ottos des Großen und seiner Gemahlin zu beschreiben, zur Geschichtsschreiberin.

Diese Ehre allein erklärt jedoch nicht die auffällig positive Darstellung Edithas. Die fränkische Königin war beim Volk wegen ihrer sozialen Ader beliebt. Die Legende vom Maiblumenstrauß und der Weberstochter gibt Zeugnis davon. Darin wird erzählt, wie Editha in den Straßen Magdeburgs von einem blondhaarigen Mägdelein einen duftigen Maiblumenstrauß geschenkt bekam. Die Königin revanchierte sich mit einem Ring. Als die Magd in Not geriet, verschaffte ihr der Ring Einlass zu der mildtätigen Editha. Dort wurde sie reich beschenkt.

Nach den Worten Roswithas war sich das Volk einig, dass Editha »die beste von allen Frauen« sei. Sie war demnach »von reiner und edler Stirn, anmutigem Wesen und wahrhaft königlicher Gestalt«. Editha, 910 geboren, stammte aus einem angelsächsischen Geschlecht und war die Tochter Eduards des Älteren von Wessex, Nachfahrin des Heiligen Oswald (604-642), des ersten englischen Königs.

König Heinrich I. entsandte im Jahre 929 eine Delegation nach England, mit der Bitte um eine Braut für seinen Sohn Otto zu suchen. Das angelsächsische Königsgeschlecht von Wessex war mit einer großen Anzahl Prinzessinnen gesegnet, Otto als Thronfolger des Ostfrankenreichs war ein attraktiver Schwiegersohn, da sowohl das Ostfrankenreich als auch Wessex in den Dänen einen gemeinsamen Feind hatten. Editha erhielt Magdeburg als Morgengabe, das sich zum Lieblingsort des Paares entwickelte.

Im Jahr 936 wurde Edithas Ehegatte Otto I. in Aachen zum König gekrönt. Als Königin reiste sie mit Otto, soweit dieser nicht auf Feldzug war. Öfter hielt sie sich im Kloster Lorsch auf.

Editha starb am 26. Januar 946, anscheinend unerwartet und vergleichsweise jung, nach 17-jähriger Ehe. Otto soll stark getrauert haben. Tatsächlich gibt es auch frühere Belege, dass Otto seine Königin extrem schätzte: Als 939 ein Graf für seine Gefolgschaft das Kloster Lorsch forderte, antwortete Otto, indem er Mt. 7,6 zitierte: »Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen.«

Editha wurde im Mauritiuskloster in Magdeburg beigesetzt, an dessen Stelle heute der Magdeburger Dom steht. Das Grabmal im Magdeburger Dom wurde erst 1510 geschaffen. Darin befindet sich jedoch ein Bleisarg, der laut Inschrift die sterblichen Überreste der Königin beinhalten soll.

EDITHA VON WESSEX

Streit um eine Königin. Um die Gebeine der ersten Gemahlin Kaiser Ottos des Großen ist ein Streit entbrannt. Von Angela Stoye. » lesen!

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