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Sonntagsblatt 07/ vom

Auf dem richtigen Weg

Anlagepleite: Die Landeskirche versucht Vertrauen zurückzugewinnen

Kommentar von Helmut Frank

Es hat heftig gerumpelt in der Münchner Katharina-von-Bora-Straße. Die hochriskanten Anlagegeschäfte des Dekanats München haben den Landeskirchenrat der bayerischen evangelischen Kirche in einige Nachtsitzungen gezwungen. Dabei ging es darum, wie man damit umgeht, dass bei hochriskanten Anlagegeschäften im Dekanat München Millionen an Kirchensteuermitteln verloren gingen, wie wer für was genau Verantwortung übernehmen muss und welche Konsequenzen für die Zukunft gezogen werden.

Das ist nötig, denn es kann noch schlimmer kommen: Dem Dekanat drohen rund 13 Millionen Euro Verlust: 5,5 Millionen Euro sind faktisch weg, weitere 7,4 Millionen gefährdet. Bei einem Gesamtanlagevermögen von 32 Millionen Euro ist das eine gewaltige Summe.

Man stelle sich auf den schlimmsten Fall ein und gehe damit auch bewusst an die Öffentlichkeit, sagte die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. »Wir wollen keine Salamitaktik«. Die Landeskirche setzt in der Aufarbeitung auf Transparenz und Aufklärung. Das ist unbedingt nötig, um das verloren gegangene Vertrauen wiederzugewinnen.

Die Kirchenleitung hat inzwischen personelle Konsequenzen gezogen: Die Kündigung des Leiters der Finanzabteilung im Kirchengemeindeamt, Andreas R., solle »sehr zeitnah« erfolgen, sagte Hübner. Gegen den Leiter des Kirchengemeindeamts laufe bereits ein Verfahren, auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Mit einem besseren Kontrollsystem will die Landeskirche Vorfälle wie der in München künftig vermeiden. In Bezug auf Anlagegeschäfte werde derzeit ein detaillierter Aufgabenkatalog aufgestellt, sagte Hübner.

Noch unklar ist, warum zwischen Juli und Oktober 2013 - also zwischen Bekanntwerden der ersten Insolvenz und dem Start der Sonderprüfung - nichts unternommen wurde - obwohl eine Reihe von Gesprächen stattfanden und Anweisungen erteilt wurden. Um Klarheit zu schaffen, hat Hübner beim Landeskirchenrat ein »Selbstklärungsverfahren« gegen sich beantragt.

Mit ihrem Krisenmanagement ist die Landeskirche auf dem richtigen Weg. Fehler kommen vor, menschliches Versagen kommt vor, Versäumnisse, Schludrigkeiten, manchmal ein Zuviel an Vertrauen in andere. Kirchenmitarbeiter sind keine Übermenschen. Wichtig ist, wie mit Fehlern umgegangen wird. Wichtig ist, dass die Strukturen so geändert werden, dass dieselben Fehler nicht mehr vorkommen. Transparenz und Aufklärung sind die Voraussetzungen für eine Neuorientierung.

 

  Was denken Sie? Schreiben Sie an Helmut Frank, Chefredakteur, E-Mail: hfrank@epv.de

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