1.02.2018
Verkündigung online

So vielfältig wie wir aussehen und die Welt sehen ist auch unser Glaube. Für den einen ist er Privatsache, ein anderer würde ihn am liebsten der ganzen Menschheit kundtun. Wir haben 12 Beispiele gefunden, wie junge Christen das Internet nutzen, um möglichst vielen von ihrem Leben als Gläubige zu erzählen.
Blogger Frau Laptop Internet

1) Honigdusche – Über die Herausforderungen des Mutterseins

Sich selbst beschreibt Sarah Keshtkaran so: "Mama von zwei Kleinkindern, Studentin, Gastgeberin, Nachbarin, Kirchgängerin, Hausfrau, Predigerin, Möchte-gern-Autorin, Theologin, Fremdsprachenliebhaberin und Bloggerin." Auf ihrer Website und einem Instagram-Account postet die Sozialarbeiterin über Glück und dessen ungerechte Verteilung, ethische Herausforderungen ("Shoppen ohne schlechtes Gewissen?"). Und immer wieder über ihre Erkenntnisse als junge Mama, die Mut und Stärke aus ihrem Glauben zieht. Mit den Kindern und ihrem Mann, der Pastor einer freikirchlichen Gemeinde in Hamburg ist, will Sarah Ende 2018 nach Äthiopien auswandern.

Sarah scheut sich nicht davor, Probleme und Zweifel, etwa bei der Erziehung ihrer Kinder, zu thematisieren. Ihre Website ist schön bebildert und bietet Tipps für Do-it-yourself- und Literatur-Liebhaber.

 

2) 1711 – Theologie überkonfessionell aus der Ich-Perspektive

1711 Theologie aus der Ich-Perspektive

Die Autoren dieses Blogger-Kollektivs sind evangelische und katholische Theologie-Studenten. Ihre Texte räumen mit Vorurteilen auf, mit denen wohl viele Jung-Theologen zu kämpfen haben. Denn von kaum einer Studierendengruppe wird so viel Erklärung und Rechtfertigung der Fakultätswahl verlangt wie von ihnen. 

"Jeder Theologie-Studierende kennt das: „Und was studierst du?“ – „Ev. Theologie“ – „Du wirst Pfarrer/Pastor/Priester/Papst?“ Im besten Fall kommt dann noch ein: „Wow, so siehst du gar nicht aus!“ Aber dann geht es los…"    Jaan Thiesen, Autor bei 1711

1711 ist ein Projekt der Initiative ruach.jetzt für "innovative Verkündigung und Glaubenskommunikation" mit festem Blick für die Zielgruppe und dem Anspruch einer soliden wissenschaftlichen Basis.

 

3) Gott bewahre! – Ein Netz-Format zum Anhören

Der Journalist Wilhelm Ahrendt "lebt und liebt den Katholizismus", wie er auf seiner digitalen Visitenkarte beschreibt. In seinen Podcasts, die zwischen 20 Minuten und fast 2,5 Stunden dauern, widmet er sich fundiert recherchiert dem modernen Kirchenbau, interreligiösen Projekten oder der Vermittlung von Allgemeinwissen ("Was das Christentum ausmacht").

Hier können Sie reinhören:

 

4) Pastoracara – Aus dem Alltag einer Pfarrerin

Dass der Pfarrersberuf deutlich mehr Aufgaben umfasst, als sonntäglich eine eindrückliche Predigt zu halten, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Was genau ein Pfarrer an den restlichen Wochentagen zu tun hat, erfährt der Leser zum Beispiel von Carola Scherf auf ihrem Blog Pastoracara.

Dort berichtet sie von Notfallseelsorge und schwierigen Gottesdiensten,

"von der manchmal kleinen und engen, manchmal großartigen, wundersamen und menschlichen Welt der Kirche und ihrer Mitglieder".

Screenshot Pastoracara Blog Pfarrerin

 

5) Ball gefunden? – Eine Mitmachaktion zwischen den Welten

Bei einem crossmedialen Projekt des jungen Vereins Mannaplace beginnt die Reise jenseits des Internets. Und zwar mit einem blauen Ball. Wer ihn zufällig findet - in einem Blumenkübel der Fußgängerzone, neben seinem Fahrradschloss oder wenn er ihm in der U-Bahn entgegenrollt - der wird auf dieses Video hingewiesen:

Julius Schindler und sein Team führen die Ballfinder mit ihrem Song aus dem analogen in den digitalen Raum und zeigen dort auf multimediale Weise, was für sie gelebter Glaube bedeutet.

 

6) Segenregen – Leben à la #jesusfirst

Zu Lenas Leben gehören Bibelverse und Jesus als ihre ständigen Begleiter ganz selbstverständlich dazu. Und das merkt man auch ihren Blog- sowie Instagram-Posts an. Im Kampf gegen ihre Flugangst rezitiert sie Psalmen, in ihrer Freizeit bastelt sie - zum Beispiel Bibelhüllen - und stellt das Ergebnis ins Netz. Als junge Mutter mit Doktortitel stand Lena bereits vor vielen schwierigen Aufgaben, die sie nach eigener Aussage mit dem bedingungslosen Vertrauen in Gott meistern konnte. Die Elternzeit nach der Geburt ihres dritten Kindes verbringt sie mit ihrer Familie in Israel und Florida und begegnet auch dort in vielen kleinen und großen Momenten dem Segenregen von oben.

Screenshot Segenregen Blog

 

7) Johannes Hartl sorgt für MEHR Evangelium in der Welt

Er gehört mittlerweile zu den Top-Influencern unter deutschsprachigen Christen - nicht nur im Netz: Johannes Hartl, gebürtiger Niederbayer und promovierter Theologe, Buchautor und Musiker, Vater von vier Kindern und Gründer des "Gebetshauses" in Augsburg, füllt regelmäßig Event-Hallen.

Seine Vorträge sind eine Mischung aus missionarischer Predigt und Seminar für christliche Lebensführung. Auf YouTube erreichen sie und weitere Videos von Hartl, wie zum Beispiel seine 90-Sekunden-Ratgeber ("Gibt es die Hölle?", "Mag Jesus Muslime?" oder "Sollten Christen früher heiraten?"), Hunderttausende Zuschauer. 

 

8) Alltagsliebe – Eine Augsburger Familie lebt für das Gebet

Screenshot Alltagsliebe Blog

"Die Herausforderung für jeden Christen steckt ja im Alltag, im Einerlei, im Aus- und Durchhalten. (...) Aber genau da trifft uns die Liebe Jesu, sie ist alltäglich – nicht im Sinne von langweilig und vorhersehbar, sondern im Sinne von tragend im Alltag, verlässlich, immer da."         Inka Hammond

Als Inka zu bloggen begann, drehte sich ihre Welt um ihre Kinder und die Vereinbarkeit von Erziehung, gesunder Ernährung und effektiver Bewältigung von Alltagsaufgaben als Multitaskerin. 2018, schreibt die Bayerin, möchte sie ihren Blog stärker nutzen, um ihren Glauben und ihre Beziehung zu Jesus zu reflektieren. Und damit auch andere dazu zu inspirieren. Gemeinsam mit ihrem amerikanischen Mann kümmert sie sich nun auch um die Website er.hört  Ein (Familien)leben für das Gebet.

 

9) Burnin' Heart Reports – Christliche Kultur-Tipps

Wer die Verkündigung des Evangeliums auch beim Musikhören, Lesen oder im Kino wiederfinden möchte, bekommt hier Anregungen, Rezensionen und Veranstaltungshinweise. Dazwischen verstecken die jungen Autoren geistliche Impulsen für den Alltag und Gedanken zu den christlichen Festen.

Screenshot Burninheart Blog

 

10) Kirchengezeiten – Die Institution Kirche auf dem Weg ins Internet

Mit der Stelle als Social Media Managerin der evangelisch-lutherischen Kirche in Hamburg hat Ines Hansla Neuland betreten. Auf ihrem Blog Kirchengezeiten spricht sie über ihre Arbeit "als Kirchenferne und dem Weg zu neuen digitalen und realen Ufern – dies- und jenseits des Kirchenschiffes". Wer sich dafür interessiert, wie Kirchen im Web auftreten, wo sie sich hinzuentwickeln versuchen und was Medien, Fachkonferenzen und Ines Hansla dazu sagen, der ist hier richtig.

Screenshot Kirchengezeiten Blog

 

11) Poesie für den Herrn

Zugegebenermaßen ist das Konzept von Poetry Slams überhaupt nicht 2.0: echtes Papier statt Bildschirmgeflimmer und realer Beifall statt Likes. Die Spielregeln eines Slams konzentrieren sich aufs Hier und Jetzt und den Raum, in dem sie stattfinden, mit den Akteuren, die darin physisch präsent sind. Aber irgendeiner filmt doch immer mit und stellt das Material dann ins Netz. So gelangen die Gedanken der Slammer über Video-Plattformen an eine viel größere Öffentlichkeit. So zum Beispiel die der Düsseldorfer Theologie-Studentin Julia Kluge.

 

12) kreuz & queer – LGBTQI im Gemeindealltag

Screenshot evangelisch.de

Sechs Autoren wechseln sich Woche für Woche ab, um den Blog kreuz & queer stets zu erweitern, in dem es um lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Menschen in Kirche und Politik geht. Matthias Albrecht, Jahrgang 1982, ist seit März 2015 einer von ihnen. Der Soziologe mit Spezialisierung auf Gender Studies positioniert sich in seinen Beiträgen etwa zur Einführung einer dritten Geschlechtskategorie, der Ehe von Homosexuellen oder der Diskriminierung von LGBTQI-Menschen.

 

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Zum Tod von Trutz Rendtorff

Autor
Das Wort des Theologen Trutz Rendtorff, der am Heiligen Abend im Alter von 85 Jahren in München gestorben ist, hatte weit über den akademischen Hörsaal hinaus in der Öffentlichkeit großes Gewicht. Als führender evangelischer Sozialethiker beschrieb Rendtorff, der von 1968 bis 1999 als Theologie-Professor an der Münchner Universität unzählige Studenten-Generationen prägte, das Verhältnis von Kirche und Staat sowie ethische Grundpositionen.
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