01.03.2017
Reformationsjubiläum

Reformation im Fluss

An vier Wochenenden im Frühsommer heißt es im 500. Jahr der Reformation: Leinen los!
Dekanatskantorin Rebekka Leitloff, Pfarrerin Susanne Hötzel, Walter Weiss und Eva-Maria Hartmann (Dekanatsausschuss), v.l.
Planen die See- und Landgänge der Reformation (v. l.): Dekanatskantorin Rebekka Leitloff, Pfarrerin Susanne Hötzel, Walter Weiss und Eva-Maria Hartmann (Dekanatsausschuss)

Die Dekanate am Main zwischen Castell und Aschaffenburg verlegen die evangelischen Jubiläumsfeiern auf den Fluss – mit jeweils rund acht bis zehn Veranstaltungen. Koordinator Walter Weiss, Diakon im Dekanat Würzburg, macht gerade die Programmflyer druckfertig.

Wie entstand die Idee zu dieser Dekanate-verbindenden Aktion?

Walter Weiss: Vor vier oder fünf Jahren schlug ein Binnenschiffer einer hiesigen Pfarrerin vor, wir könnten in seinem Frachter eine Ausstellung machen und damit in ganz Deutschland rumschippern. Das war lieb gemeint, aber zu groß. Dann haben Reformationsjubiläum-Aktive aus ganz Bayern bei einem innovativen Treffen diesen Vorschlag gemeinsam durchdacht, es kamen viele Ideen hinzu und die Würzburger wurden ermutigt, eine Aktion zu Wasser weiter anzuschieben. Damals bekam »Reformation im Fluss« auch schon ihre Grundzüge: Lebensfreude, Freude am Glauben und ein Miteinander zu demonstrieren, die Leute zum Glauben einzuladen. Die Initiative der Würzburger wurde dann weiterentwickelt mit den Dekanen von Aschaffenburg, Lohr sowie Kitzingen, Castell und Markt Einersheim – die drei Letzteren bilden einen Verbund.

Ist das Reformationsschiff fest vertäut oder fährt es mit den Besuchern im Fluss?

Weiss: Es gibt auch Programmpunkte an Land, aber wir sind an allen vier Wochenenden viel unterwegs. Das erfordert, eine Menge Koordination, einen festen Fahrplan und ein sinnvolles Programm aufeinander abzustimmen. Da muss man Fahrzeiten, Anlegemanöver und die Zeit fürs Verlassen des Schiffs miteinander koordinieren. Und wer wusste schon vorher, dass Kapitäne auch ihre gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten haben und es eng werden kann, wenn abends ein Ball auf dem Schiff stattfindet und am folgenden Morgen ein Gottesdienst? Wenn man in einem Gemeindehaus feiert, hat man solche Probleme nicht.

Wo lagen die größten Herausforderungen?

Weiss: Wer zum ersten Mal auf das Projekt angesprochen wurde, konnte sich oft wenig Konkretes darunter vorstellen, weder in den Gemeinden noch bei der Sponsorenakquisition. Erst wenn man mit potenziellen Beteiligten darüber redet, entstehen Bilder. Die »Reformation im Fluss« hat ja einen ganz eigenen Charakter.

Wie würden Sie diesen Charakter beschreiben?

Weiss: Wir feiern, wir beschäftigen uns mit der Reformation, wir sind in der Öffentlichkeit präsent. Und zwar nicht auf einem Schiff für Senioren, sondern auch als junge Kirche. Es laufen viele Parallelveranstaltungen für Kinder, und viele junge Leute bestreiten selbst Konzerte und Feste. Dadurch bekommt »Reformation im Fluss« eine jugendliche Ausstrahlung. Und sie ist ein niederschwelliges Angebot für Leute, die Kirche überhaupt mal wieder kennenlernen wollen.

Wie viele Veranstaltungen wurden extra für »Reformation im Fluss« entwickelt und wie viele hätten sowieso, nur eben an Land, stattgefunden?

Weiss: Keine hätte es eh gegeben. Fast alles wurde eigens für diese Aktion geplant. Natürlich hätte es an den Sonntagvormittagen in den Ankerstädten auch einen Gottesdienst gegeben. Aber in dieser Intensität und Abfolge wurde das Programm in den Dekanaten extra entwickelt. Das gilt auch für den Aschaffenburger Kirchentag, der zwar sonst auch über Pfingsten gelaufen wäre, der aber immer etwas Besonderes ist. Den Aschaffenburger Kirchentag gibt es, soviel ich weiß, schon länger – aber das Schiff ist diesmal daran gekoppelt.

»Reformation im Fluss« erinnert an die Vorstellung der Ständigen Reformation. Wenn man in das bunt gemischte Programm schaut, ist der Name eher ein Werbeeinfall. Wird da nicht eine Chance vertan?

Weiss: Keineswegs. Der Name hat einen Doppelcharakter, man kann ihn wörtlich nehmen und als Hinweis auf Leitfragen wie: Wie ist die Reformation in den fünf Jahrhunderten vorangegangen? Und vor allem: Wie wäre sie ohne den Main verlaufen? Wenn man sich die Landkarte der frühen evangelischen Gemeinden anschaut, dann erkennt man: Am Fluss haben sich die Menschen und Ideen ausgetauscht. Der Main war die DSL-Leitung der damaligen Zeit. Das spiegelt sich genauso im Programm wider wie das Feiern!

 

Weitere Informationen: www.reformation-im-fluss.de

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