17.12.2017
Weihnachtsdeko

Wohin der Trend beim Schmücken geht

Weihnachtsmärkte sind Trendsetter, Kirchen oft Traditionshüter. Doch am Ende entscheiden persönlicher Geschmack und der Geldbeutel über die Weihnachtsdeko: lieber Strohsterne oder die Heilige Familie aus Glas?
Stand auf dem Regensburger Christkindlmarkt.
Kugeln in allen Farben und Größen gibt es bei den Ständen auf dem Regensburger Christkindlmarkt.

 

Mister Weihnachtsbaum – das ist Martin Luther: So jedenfalls suggeriert es ein Stahlstich aus dem 19. Jahrhundert. Das Bild zeigt den 24. Dezember 1536 im Haus des Reformators. Martin Luther spielt Laute. Neben ihm sitzen und stehen seine Lieben. Alle scheinen verzaubert auf den kleinen Tannenbaum im Raum zu blicken. Äpfel und leuchtende Kerzen hängen daran.

Luther ist zwar nicht der Erfinder des Weihnachtsbaums. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts hielt der Baum Einzug in die protestantischen Kirchen und Wohnstuben. Der Künstler Carl August Schwerdgeburth wollte vielmehr ein idyllisches Familienleben mit Krippenspiel, Liedersingen, Geschenken und Christbaum nachzeichnen.

Nostalgisch oder Ton in Ton

Auch heutzutage gehört der Weihnachtsbaum noch immer zum Heiligen Abend. Lediglich die Dekoration hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. In Regensburg wird Baumschmuck immer noch gerne auf dem Christkindlmarkt gekauft. Schon im Februar hat sich deshalb Christa Rupprecht, die einen Stand auf dem Neupfarrplatz betreibt, auf der Frankfurter Messe »Christmas World« schlau gemacht.

Der neueste Trend: Grüne Kugeln in Kiwi-Farben. Wer glaubt, dass Grün vor dem Weihnachtsbaums nicht zu sehen sei, irrt: »Die leuchten so richtig«, sagt Rupprecht. Vor 75 Jahren fing ihre Großmutter in Haigrub im Bayerischen Wald mit dem Baumschmuckgeschäft an. Damals waren Zuckerstangen im Baum noch etwas ganz Besonderes. Rupprecht hat die nostalgischen Süßstangen noch im Bestand. »Und jetzt kommen sie wieder«, freut sie sich.

Die Sterne aus Holzspänen, die den Christbaum der evangelischen Kirche Weiden schmücken, stammen aus den 1960er-Jahren.
Die Sterne aus Holzspänen, die den Christbaum der evangelischen Kirche Weiden schmücken, stammen aus den 1960er-Jahren.

 

Zum traditionellen Baumschmuck gehören vor allem christliche Symbole. Wer sich die Heilige Familie aufwendig in Glas gegossen an den Weihnachtsbaum hängen möchte, muss aber tief in die Tasche greifen: Kostenpunkt 120 Euro. Den Weihnachtsengel mit Rauschgoldhaar empfiehlt Rupprecht als Christbaumspitze: »Er sieht gut aus und geht nicht so schnell kaputt.«

In alter Tradition steht die Glasbläserkunst. Mario Triebel kommt eigentlich aus der Glasbläserstadt Lauscha in Thüringen. Dort hat er sich auf Hohlkörper spezialisiert, weil die Figuren für den Christbaum leicht sein müssen. »Vögel gehen gut, sie nisten in den Christbaumzweigen und wecken bei älteren Menschen Erinnerungen«, erzählt Triebel, der einen Stand am Neupfarrplatz betreibt. Äpfel oder Nüsse als Christbaumschmuck habe es früher nicht gegeben. »Die Glasbläser waren arm. Das konnten sie sich nicht leisten, Lebensmittel einfach in den Baum zu hängen.« So haben sie den Schmuck einfach als Glasbläser nachgebildet – und aus der Not eine schmucke Tugend gemacht.

Strohsterne in den Kirchen

Im Gustav-Adolf-Wiener-Haus in Regensburg gibt es seit zwei Jahrzehnten den Kreis der Montagsmaler. Das sind Frauen, die sich zu tatkräftigen Handarbeiterinnen gewandelt haben. Dieses Jahr hat das Team um Edeltraud Klingler feine Goldperlen und goldene Ringe zu kunstvollen Engel-Gebilden zusammengesteckt. Sodass heuer viele kleine Engel auf den Zweigen tanzen.

In den Kirchen geht es jedes Jahr traditionell zu. Kein Gebäude ohne strahlenden Tannenbaum. »Wir werden eine vier Meter hohe serbische Fichte haben«, erzählt Pfarrer Christian Bernat von St. Matthäus in Ingolstadt. »Ich habe sie beim Gärtner ausgesucht. Am 19. Dezember wird sie frisch geliefert, erst einmal flach hingelegt, um den oberen Teil schmücken zu können.« Große, selbst gebastelte Strohsterne werden ihn schmücken, dazu rote Kugeln.

In Weiden schmückt der Männerverein den Baum am 3. Advent. Seit Jahrzehnten verwendet er die Sterne, die der Frauenbund in den 1960er-Jahren aus feinen Holzspänen gebastelt hat. »Jedes Jahr neuen Schmuck zu kaufen, käme zu teuer«, sagt Mesner Christian Stahl.

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

Sonntagsblatt