Noch in diesem Jahrzehnt werden in Bayern voraussichtlich weniger Menschen eine Pflegeausbildung beenden und neu in den Beruf starten als Pflegekräfte in Rente gehen. Dies sei

"eine beunruhigende Perspektive",

sagte der Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB), Georg Sigl-Lehner, anlässlich der Vorstellung der Monitoringstudie zum Pflegepersonalbedarf in Bayern 2023 am Montag in Nürnberg.

Selbst bei steigender Ausbildungskapazität werde man schon in wenigen Jahren nicht mehr so viele Pflegefachpersonen in den Beruf bringen, "wie uns die Demografie kosten wird, wenn die Boomer-Jahrgänge in Rente gehen", sagte Sigl-Lehner weiter.

Um Fachkräfte kämpfen 

Deshalb müsse man nicht nur um jeden Ausbildungsplatz kämpfen, der beispielsweise durch schließende Krankenhäuser verloren gehen könnte, sondern auch die vorhandenen personellen Ressourcen viel besser nutzen, sagte der VdPB-Präsident.

In der zweiten Runde der Monitoringstudie Pflegepersonalbedarf Bayern präsentierte die VdPB nach ihrer Studie aus dem Jahr 2020 erneut aktuelle Zahlen für die bayerischen Regionen. Die Monitoringstudie wurde wie bei ihrem ersten Durchlauf im Auftrag der VdPB federführend durchgeführt von Michael Isfort von der Dienstleistung, Innovation, Pflegeforschung GmbH (DIP) und von Thomas Klie von der AGP Sozialforschung.

Das von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigte Pflegekompetenzgesetz werten sowohl die Studienautoren als auch die VdPB als wichtigen Impuls. Die im Dezember dazu vorgestellten Eckpunkte setzen auf neue Rollenprofile, mehr Eigenständigkeit und eine klare Profilierung eines autonomen Verantwortungsbereichs. Mit Blick auf den dramatischen Fachkräftemangel heute und in der Zukunft werde die Eigenständigkeit der Profession Pflege und das eigenständige Kompetenzprofil von Pflegefachpersonen immer relevanter, sagte Studienautor Thomas Klie.

Gesundheitsministerin sieht alle gemeinsam in Verantwortung

Die bayerische Gesundheitsministerin Gerlach sieht Bund, Länder, Kommunen, Träger, Verbände und Arbeitgeber gemeinsam in der Verantwortung, "Menschen für diesen sehr sinnstiftenden Beruf zu begeistern". Mit der Kampagne "Neue Pflege" wolle man junge Menschen für den Pflegeberuf werben, sagte Gerlach laut Mitteilung am Montag.

Außerdem habe man in Bayern im letzten Jahr die aufenthalts- und anerkennungsrechtlichen Verfahren ausländischer Pflegefachkräfte beschleunigt, vereinfacht und digitalisiert. Um ausgebildete Fachkräfte langfristig im Beruf zu halten, müssten Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen attraktiver gestalten, etwa mit einer angemessenen Bezahlung sowie individuell passenden Arbeitszeitmodellen.

Mehr Geld für die bessere personelle und materielle Ausstattung von Pflegeausbildung und -studiengängen forderte die SPD-Fraktion von der bayerischen Landesregierung. Außerdem sollten Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen dabei unterstützt werden, "attraktive Tätigkeitsfelder auf Augenhöhe für die Arbeit nach dem Studium zu schaffen", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Ruth Waldmann. Sie forderte zudem eine "echte Versorgungsplanung, welche die Bedarfe der Pflegebedürftigen und der pflegenden Angehörigen ebenso berücksichtigt wie die Anforderungen der Pflegekräfte".

Zukunft perspektivisch denken 

Mit der Studie und den sich aus ihr ergebenden Perspektiven wolle man nicht nur die Politik und andere Akteure zum Handeln bewegen, sondern auch selbst das Profil der professionellen Pflege noch differenzierter darstellen und nach außen kommunizieren, sagte VdPB-Präsident Sigl-Lehner.

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und nach eigenen Angaben ein unabhängiges Sprachrohr von und für professionelle Pflegekräfte in Bayern. Ihre Aufgabe ist es, die Qualität der Pflege weiterzuentwickeln, sowohl im Interesse der Berufsgruppe als auch für die Versorgungssicherheit für die Menschen in Bayern.

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