19.07.2017
Insekt des Jahres 2017

Die Gottesanbeterin - eine tierische Femme fatale

Scheinbar ins Gebet vertieft, kann sie blitzschnell zuschlagen: die Gottesanbeterin. Das Insekt des Jahres 2017 ist eine Kannibalin, die alles frisst alles was ihr begegnet - egal ob Spinnen, Fliegen, die eigenen Kinder oder den Partner nach der Paarung.
Gottesanbeterin (Mantis religiosa).
Bei den Entomologen (so nennen sich Insektenforscher) haben Gottesanbeterinnen auch im Reformationsjahr 2017 Konjunktur.

 

Sie gilt als Femme fatale unter den Insekten: die Gottesanbeterin. Als opportunistische Räuberin und Kannibalin verspeist sie alles, was sich bewegt. Da wird auch schon mal das Männchen nach der Paarung gefressen, sagt Engelbert Mayer (Eichstetten) vom Naturschutzbund Kaiserstuhl. Das Senckenberg Deutsche Entomologische Institut in Müncheberg kürte die »Mantis religiosa« zum Insekt des Jahres 2017.

Sie ist die einzige Fangschrecke, die in Deutschland und Mitteleuropa vorkommt. »Mantis« bedeutet im griechischen Seherin. Wenn sie ihre Fangarme zusammenfaltet, sieht es aus als ob sie beten würde - daher der Zusatz »religiosa«. Tatsächlich wartet sie aber still, bis ein Insekt in der Nähe ihrer Fangarme ist, und fängt es in den Widerhaken. Die Mantis ist ein japanisches Symbol für Wachsamkeit, Geduld und Beständigkeit.

Das wärmeliebende Insekt lebe seit Jahrzehnten am Kaiserstuhl - der wärmsten Region in Deutschland, erläutert Margareta Barth, Präsidentin der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) Baden-Württemberg. Die Gottesanbeterin lebt vor allem in Böschungen oder geschützten Hausgärten. Mittlerweile breitet sie sich aufgrund des Klimawandels auch in nördlicheren Regionen Deutschland aus. Trotzdem ist sie ist streng geschützt und steht auf der Roten Liste.

Ursprüngliche Heimat Afrika verlassen

Sie soll nun auch statistisch besser erfasst werden. Deshalb ruft die LUBW dazu auf, beobachtete Tiere via Internet zu melden. Ziel sei es, einen fundierten Überblick über die Verbreitung der Art zu erhalten. Auf diese Weise könnten die Auswirkungen des Klimawandels sowie der Intensivierung der Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden dokumentiert werden.

Die sechsbeinige Gottesanbeterin wird bis zu sieben Zentimeter groß, die Männchen maximal sechs. Sie ist zartgrün bis braun, wenn sie läuft schaukelt sie hin und her und wirkt wie ein Blatt im Wind.

Egal ob Spinnen, Wildbienen oder Fliegen - als opportunistischer Räuber kann die Gottesanbeterin alles fangen und fressen, was sich bewegt. Sie macht auch vor dem Partner und den eigenen Kindern nicht Halt. Auch Eidechsen, kleine Schlangen oder junge Spitzmäuse stehen auf dem Speiseplan. Sie fliegt dabei nicht durch die Gegend wie eine Libelle, um Beute zu finden, sondern lauert ihrer Beute auf. Um gefangene Beute zu vertilgen, benutzt sie keine Zähne, sondern sogenannte Mandibeln.

Nach der Paarung legt das Weibchen das Schaumgelege ab. Aus dem Gelege schlüpfen zwischen 60 und 100 Junge aus. Nach der ersten Häutung fangen die kleinen Gottesanbeterinnen an zu fressen, auch sich gegenseitig. Alles was sich bewegt, wird geschnappt und vertilgt.

Ursprünglich stammt die Gottesanbeterin aus Afrika. Von dort hat sie sich über Südeuropa immer weiter in Richtung Norden ausgebreitet. Insgesamt sei die Art ein gutes Beispiel für die Auswirkung des globalen Klimawandels auf die mitteleuropäische Tierwelt, sagen Experten.

 

Wenn Sie eine Gottesanbeterin sichten, können Sie dies melden über die Internetseite www.gottesanbeterin-bw.de, die Smartphone-App »Meine Umwelt« oder per Mail: arten-melden@lubw.bwl.de

 

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Stell dir vor, es ist Reformationsjubiläum, aber keiner geht hin: »Mensch, wo bist du?« war zwar das Motto des Kirchentags in Bremen 2009, es würde allerdings auch 2017 passen: Mitteldeutsche Kirchentage ohne Besucher, millionenteure, aber leere Reformationsausstellungen, eine Überfülle an Angeboten, die sich gegenseitig »kannibalisieren«. Was bedeutet es vor diesem Hintergrund, dass die Gottesanbeterin zum »Insekt des Jahres 2017« gekürt wurde?
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