15.11.2017
Sonntagsblatt-Sprechstunde

Meetings und Sitzungen mit »Wings« zum Erfolg bringen

Meetings und Konferenzen sind wichtig in vielen Berufen. Wie das »Wings-Prinzip« helfen kann, dass Sitzungen nicht lähmen, sondern inspirieren und beflügeln.

Seit ich meine neue Stelle angetreten habe, verbringe ich viel mehr Zeit als früher auf Sitzungen mit Kollegen aus anderen Abteilungen. Worüber wir sprechen, ist alles wichtig. Die Ergebnisse am Ende werden gut aufbereitet, und man kann damit weiterarbeiten. Und natürlich weiß ich, dass bestimmte Entscheidungen erst diskutiert werden müssen.

Aber ich merke, dass mich manche dieser Sitzungen richtig lähmen. Das, was da von Einzelnen gesagt wird, ist so undifferenziert, voller Kritik an anderen, negativ und irgendwie auch voller Misstrauen. Ich habe den Eindruck, dass dahinter uralte Konflikte stehen, die nie bearbeitet worden sind, oder dass Schlachten geschlagen werden, die eigentlich schon längst vorbei sind.

Ich will mich da weder hineinziehen lassen, noch will ich mich dem Ton, der da herrscht, anpassen. Ich will aber meine Zeit auch nicht nur damit verbringen, zu hoffen, dass auch diese Sitzung vorbeigeht.

Wie kann ich das, was mir wichtig ist, so sagen, dass ich authentisch bleibe, und sich nicht jede Sitzung so bleischwer anfühlt?

Herr F. (37)

 

Sitzungen, in denen immer die gleichen Ritter in ihren verrosteten Rüstungen aufeinander losrennen und krachend zusammenstoßen, sind nur am Anfang unterhaltsam. Irgendwann sind diese Rituale nur noch ermüdend und lähmend. Auch Sitzungen sind ein Ort, an dem Sie mit dem, was Sie vertreten wollen, gesehen werden und das Ergebnis mitbestimmen können. Mit wem und auf welche Weise können Sie das erreichen?

Mit wem – das bedeutet, genauer hinzuschauen, mit wem Sie da zusammensitzen. Gibt es Menschen, deren Beiträge Sie hilfreich, interessant oder nicht nur lähmend finden? Können Sie Verbündete gewinnen für gemeinsame Themen – oder vielleicht sogar für eine allmähliche Veränderung der Atmosphäre, einfach durch Ihre Art, sich zu Wort zu melden?

Auf welche Weise – das betrifft die Art, wie Sie sprechen wollen. Es gibt ein paar Kriterien, die mir persönlich helfen, Beiträge in solchen Meetings als hilfreich oder weniger hilfreich zu erleben: Ist der Gesprächsbeitrag wahr (oder ist es so eine aufgeschnappte Halbwahrheit, die sich bestens eignet, Vorurteile zu betonieren)? Ist er inspirierend und regt an, gemeinsam weiterzudenken – oder wirkt er eher lähmend auf die Gesprächsatmosphäre? Ist er jetzt gerade notwendig – oder haben drei andere vorhin schon das Gleiche gesagt? Ist er gütig, zeigt er Anerkennung für das, was andere getan oder gesagt haben – oder ist er voller Ironie und Sarkasmus und geht es eigentlich nur darum, die scharfe Zunge des Sprechenden zu bewundern? Ist er sinnvoll im Blick auf das gemeinsame Thema – oder geht es jetzt gerade nur darum, dass auch ich mich mal wieder zu Wort melde?

Wahr, inspirierend, notwendig, gütig, sinnvoll: Wenn Sie die ersten Buchstaben zusammenfügen, ergibt sich das schöne englische Wort »wings« – Flügel. Ich denke, dass es darum geht, wie Gesprächsbeiträge in diesen Sitzungen Sie selbst und andere beflügeln und so auch die gemeinsame Aufgabe leichter machen, statt dass sich alle zusammen schweren Schrittes durch die Tagesordnung schleppen müssen.

 

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