Home Artikel-ID: 2016_06_muc_15_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 30.06.2016
Aktuelle Ausgabe: 26 vom 26.06.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 06/2016 vom 07.02.2016
Alle Artikel der » Ausgabe 06/2016 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Wo die Schellenrührer raunzen

Bei der Werdenfelser Fasnacht pflegen Larvenschnitzer wie Georg Neuner das alte Brauchtum


Bevor am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt, geht es in den Faschingshochburgen noch einmal hoch her. In ländlichen Regionen ist das Karnevalstreiben noch stark vom Brauchtum geprägt - so etwa bei der Werdenfelser Fasnacht, die sich vor allem in Mittenwald, Garmisch, Partenkirchen, Grainau, Farchant, Wallgau und Krün abspielt. Die verkleideten Männer heißen hier »Maschkera« und tragen beeindruckende holzgeschnitzte Masken.

Tuch und Hut verhüllen den »Maschkera«, sodass er hinter seiner Larve unerkannt bleibt.
Foto: Klammt
   Tuch und Hut verhüllen den »Maschkera«, sodass er hinter seiner Larve unerkannt bleibt.

        

Das »Gsichtl« ist glatt und ohne Falten, es hat rote Backen, einen Schnurrbart und wird von schwarzen Locken eingerahmt. Der Mittenwalder Geigenbaumeister und Larvenschnitzer Georg Neuner hat diese Maske, im Dialekt »Larve« genannt, geschnitzt.

Bevor ein »Maschkera« sie trägt, zieht er ein Seidentuch auf, das Haare und Stirn verdeckt und unter dem Kinn geknotet wird. Darüber kommen die Larve, die durch ein Gummiband am Kopf gehalten wird, und ein Hut. Jetzt fehlt nur noch das »G'wand«, dann kann der »Maschkera« zu einem »Gungelabend« in ein Wirtshaus gehen. Dort sitzen Mädchen und Frauen zusammen und warten auf die »Maschkera«, und wenn sie kommen, wird getanzt.

»Wichtig ist, dass man beim Maschkeragehen nicht erkannt wird«, sagt Georg Neuner. Deshalb tauschen die Besitzer die Larven oft miteinander. Damit die Verkleidung perfekt ist, verstellen die Männer ihre Stimme: »Ein ›Maschkera‹ spricht nicht, sondern er ›raunzt‹«, sagt Neuner.

Kretznweibla und Brezenangler

Viele Masken der »Werdenfelser Fasnacht« sind schon sehr alt - manche bis zu 300 Jahre. Die ältesten sind die sogenannten »Kirchenlarven«. Sie wurden wahrscheinlich von Handwerkern geschnitzt, die beim Kirchenbau in der Region tätig waren. »In Mittenwald gibt es einen eigenen Typ von Larven, die sogenannten Geigenmacherlarven«, erklärt Georg Neuner. Diese kleineren Masken verdecken nur das Gesicht.

Tuch und Hut verhüllen den »Maschkera«, sodass er hinter seiner Larve unerkannt bleibt.
Foto: Klammt
   Drei Larven für die Werdenfelser Maschkera: Ende des 15. Jahrhunderts verlegten die venezianischen Kaufleute wegen eines Streits mit dem Tiroler Herzog Sigismund den großen Bozner Markt für fast 200 Jahre nach Mittenwald. Die Einflüsse des venezianischen Karnevals auf die Werdenfelser Fasnacht sind - neben Elementen des schwäbisch-alemannischen, tirolerischen und bayerischen Fasenachts-Brauchtums - bis heute sichtbar.

        

Larven werden aus dem Holz der Linde, der Zirbel- oder der Weimutskiefer gefertigt. Typische Faschingsgestalten wie Cowboys oder Hexen sucht man dabei vergebens: Die Masken zeigen ursprüngliche Typen, ruhige lächelnde Frauen- und Männergesichter. Es gibt viele verschiedene Maskentypen, die in den Hauptorten der Werdenfelser Fasnacht gleich sind. Dazu zählen die Schellenrührer, die Pfannenzieher, Jagglschutzer, s'Kretznweibla oder die Brezenangler.

Georg Neuner legt eine »Naggllarve« auf den Tisch. Sie ist aus dunklem Holz gefertigt und hat einen beweglichen Unterkiefer. Er hat sie vor Jahren für seinen Sohn geschnitzt, der damit sogar Tuba spielen konnte. Für den Geigenbaumeister und Larvenschnitzer ist es wichtig, dass seine Larven immer unterschiedlich ausschauen. »Andere Nase, andere Form, anderer Bart, anderer Ausdruck«, sagt er. »Mit 14 Jahren habe ich begonnen, Larven zu schnitzen«, sagt er.

Wie viele seiner Masken mittlerweile im Umlauf sind, weiß er nicht: Georg Neuner hat längst aufgehört zu zählen.

WERDENFELSER FASNACHT

  EINEN ÜBERBLICK über die »Werdenfelser Fasnacht und ihre Larven« gibt das gleichnamige Buch von Dirk Eckert aus dem Münchner Volk Verlag (ISBN 978-3-86222-193-6).

  DAS WERDENFELS MUSEUM (Ludwigstr. 47, 82467 Garmisch-Partenkirchen) zeigt Di bis So von 10 bis 17 Uhr im Fasnachtsraum verschiedene Masken.  www.werdenfels-museum.de

  DIE AUSSTELLUNG »FARCHANTER FASNACHT« ist noch bis Faschingsdienstag im Alten Bahnhofsgebäude (Bahnhofstaße Farchant) zu sehen. Öffnungszeiten: So 10-12 und 13-18 Uhr, Mo + Di 13-18 Uhr.

 

Sonntagsblatt-Fastenaktion: 7 Wochen ohne - ...dafür mit dem Sonntagsblatt

  SONNTAGSBLATT-FASTENAKTION: Jetzt das Sonntagsblatt 7 x lesen oder verschenken für nur 9,50 Euro inkl. MwSt. und Versandkosten in Deutschland. Das Abo endet automatisch nach der 7. Ausgabe.

Füllen Sie gleich das E-Mail-Bestellformular mit der Rechnungs- und Lieferadresse aus und senden Sie es an: abo@epv.de oder rufen Sie uns an unter: 089 1 21 72 0.

Alternativ können Sie auch unser  Bestellformular (PDF, 596 KB) ausdrucken und schicken an: Sonntagsblatt | Aboservice | Birkerstr. 22 | 80636 München oder faxen an: (089) 1 21 72-3 38.

 

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

Astrid Klammt

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2016_06_muc_15_01.htm
abgerufen 30.06.2016 - 10:30 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

Anzeigen

»Die Zehn Gebote«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!