Home Artikel-ID: 2016_12_03_01
Diese Woche - die aktuelle Ausgabe
Themen
E-Paper: Sonntagsblatt digital
Jetzt im Sonntagsblatt-Shop bestellen!
Archiv
Die Redaktion
Abo-Service
Anzeigen-Service
Leserreisen
Leserbriefe
Impressum



    
Heute: 01.09.2016
Aktuelle Ausgabe: 34 vom 21.08.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 12/2016 vom 20.03.2016
Alle Artikel der » Ausgabe 12/2016 im Archiv aufrufen.
  Druckversion


Fehler im System

Pflegebedürftigkeit macht arm. Das darf nicht sein.

Kommentar von Andreas Jalsovec

Oftmals, so berichtet eine Pflegeheimleiterin, reiche das Geld gerade noch für eine Tafel Schokolade als Geschenk für die Enkel. Mehr sei finanziell bei vielen Pflegeheimbewohnern nicht mehr drin. Pflegebedürftigkeit macht arm: Das ist die traurige Erkenntnis aus den Zahlen, die der Sozialverband VdK veröffentlicht hat. Demnach ist jeder dritte Pflegebedürftige, der im Heim wohnt, auf »Hilfe zur Pflege« angewiesen, also auf Sozialhilfe.

Dabei sollte die Pflegeversicherung genau das verhindern: dass Menschen im Pflegeheim zu Sozialfällen werden. Immer öfter jedoch ist das der Fall. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die ohne die »Hilfe zur Pflege« nicht auskommen, steigt seit Jahren an. Der Grund: Der Eigenanteil, den sie an den Kosten für das Heim tragen müssen, ist so hoch, dass ihre Rente dafür nicht ausreicht. Oder anders gesagt: Der Anteil, den die Pflegeversicherung übernimmt, ist zu gering. Die Hauptlast bleibt an den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen hängen.

Daran hat die Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung im Jahr 2015 nichts geändert. Und auch die neuerliche Anhebung 2017 dürfte das Problem kaum lösen. Denn der Fehler liegt im System: Abhängig von der Pflegebedürftigkeit zahlt die Pflegeversicherung für die Unterbringung im Heim stets eine feste Summe. Für den Rest muss der Pflegende selbst aufkommen.

Ist dessen monatliche Rente zu gering, springt der Sozialhilfeträger ein. Da aber künftig die Renten kaum steigen werden, die Pflegekosten hingegen weiter zunehmen, wird die Schere zwischen Rente und zu zahlendem Eigenanteil noch weiter aufgehen.

Nicht umsonst versuchen viele ältere Menschen und deren Familien, Heimaufenthalte so lange wie möglich hinauszuzögern. Zum einen, weil die Betroffenen lieber zu Hause wohnen. Zum anderen aber auch, weil ihnen schlicht das Geld für das Pflegeheim fehlt.

Helfen könnte ein Systemwechsel. Warum nicht die Pflegeversicherung zu einer Teilkasko-Versicherung umbauen, so wie es der Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege anregt?

Dessen Chef Bernhard Schneider schlägt vor, dass die Pflegekasse alle pflegebedingten Kosten übernimmt. Der Pflegebedürftige zahle dann nur noch 300 Euro im Monat plus Unterkunft und Verpflegung. Das rechne sich, so Schneider, wenn gleichzeitig die Krankenkassen die Behandlungskosten übernähmen. Die Gesamtkosten würden demnach auf mehr Schultern verteilt.

Mit anderen Worten: Es geht um mehr Solidarität in der Pflegefinanzierung, um die Pflegebedürftigen zu entlasten. Gelänge dies, hätte die Pflegeversicherung ihren Namen wirklich verdient.

Sonntagsblatt-Redakteur Andreas Jalsovec

 

  Was denken Sie? Schreiben Sie an Sonntagsblatt-Redakteur Sonntagsblatt-Redakteur Andreas Jalsovec:  ajalsovec@epv.de

Kreative Gemeinde - die besten Projekte und Initiativen der bayerischen evangelischen Kirchengemeinden

 

»Musica Sacra« - herausragende Werke der Kirchenmusik

MUSICA SACRA

 

Der Sonntagsblatt-Shop und das Sonntagsblatt-Blog.
 

 

 

 

 


Valid HTML 4.01 Transitional

/news/aktuell/2016_12_03_01.htm
abgerufen 01.09.2016 - 05:35 Uhr

© Sonntagsblatt 1998-2016, ImpressumWebmaster
Angebote für Webmaster / AGB

#nächstenliebejetzt: die Aktion gegen Hass und Angst des Evangelischen Presseverbands für Bayern, dem Verlagshaus des Sonntagsblatts

»Das Paradies«: Jetzt das neue THEMA-Magazin bestellen!

»Die Personen der Bibel«: der beliebte Glaubenskurs aus dem Sonntagsblatt jetzt als Buch für nur 19,90 Euro. Gleich bestellen!

Werden Sie Hoffnungsträger - und spenden Sie ein Patenschafts-Abo für Menschen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen. Jetzt mitmachen!