25.06.2017
Gemeindegründung FreshX

Was sich hinter »Fresh Expressions of Church« verbirgt

Christliches Leben neu denken und zukunftweisende Formen dafür ausprobieren - das will die Bewegung »Fresh Expressions of Church« aus England. Wie FreshX in Franken aussehen kann, soll ab Herbst in einem Kurs in Rothenburg ob der Tauber erkundet werden.
Matthias Scheller, Dekanatsjugendreferent in Würzburg.
Matthias Scheller, Dekanatsjugendreferent in Würzburg.

Nach »frischen Ausdrucksformen für Kirche«, in Deutschland unter dem Namen »FreshX« bekannt, sucht ab Herbst ein Kurs in Rothenburg ob der Tauber. Der evangelische Würzburger Dekanatsjugendreferent Matthias Scheller leitet einige Kurseinheiten, ist aber selbst auch wissbegieriger Teilnehmer. Im Interview verrät er, was die Teilnehmer des Kurses erwartet und warum er die Bewegung »FreshX« so spannend findet.

Was fasziniert Sie an FreshX?

Matthias Scheller: Kirche muss sich verändern angesichts sinkender Besucherzahlen bei Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen. Das alte Prinzip »Kommt alle zu uns« funktioniert offensichtlich nicht mehr. Wir Christen müssen uns vielmehr fragen: »Wie erreichen wir die Leute?« Und FreshX spricht sie da an, wo sie sich aufhalten.

Wo wird der Kurs ansetzen?

Scheller: Er wird der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Ein gutes Zeichen ist jetzt schon, dass ihn sehr viele Menschen unterstützen. Die katholische Seite zieht mit, die Stadt Würzburg und auch die Kirchen in Schweinfurt.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?

Scheller: Michael Wolf vom Amt für Gemeindedienst in Nürnberg hatte im letzten Jahr einen Kurs mit 35 Teilnehmern. Nun hat Nürnberg mit der Jugendkirche LUX aber auch ein besonders prominentes Beispiel für eine FreshX-Initiative. Den Zuspruch bei uns können wir nicht genau abschätzen, stellen uns aber mal auf 20 ein.

Wie war das erste Echo auf die Ankündigung?

Scheller: Wir halten am 6. Juli einen Infoabend in Würzburg ab, zu dem haben schon viele gesagt: »Da komme ich und guck mir das mal genauer an. Dann entscheide ich, ob ich an dem Kurs teilnehme.« Ich hoffe, dass das einschlägt.

Wie kommen Sie mit Ihrer Doppelrolle als Kurs-Mitleiter und Gast klar?

Scheller: Gut, glaube ich. Wir teilen uns die Aufgaben zu viert: Michael Wolf aus Nürnberg, Studentenpfarrer Matthäus Wassermann, der neue leitende CVJM-Sekretär Daniel Klein und ich. FreshX bezeichnet sich als »missional«.

Was bedeutet das Wort genau?

Scheller: FreshX soll Menschen ansprechen, die noch keinen Bezug oder keinen Bezug mehr zur Kirche haben. Es ist aber nicht das Ziel, die zu bekehren. »Missional« bedeutet in diesem Zusammenhang: rausgehen und offen und öffentlich vom Glauben sprechen. Demgegenüber ist das Wort »missionarisch« leider etwas negativ besetzt.

Ihre Zielgruppen sind Menschen, die sagen: »Christus ja, Gemeinde oder Kirche in der jetzigen Form nein«…

Scheller: Wir möchten noch mehr Menschen erreichen, Leute, die etwas verändern wollen, sind uns willkommen, auch bei dem Kurs, der im Herbst beginnt.

Welchen Input versprechen Sie sich von Teilnehmern, die nicht an Gott glauben?

Scheller: Sie gehen mit anderen Fragen an die Welt heran als kircheninterne Kräfte. Sie haben andere Ideen, was die Menschen heute eigentlich umtreibt und was sie sich wünschen. Im Dialog mit ihnen können Dinge entstehen, die es bisher überhaupt nicht gibt.

Warum konzentrieren sich auffällig viele FreshX-Initiativen in pietistischen Kernlanden?

Scheller: Da kann ich nur Vermutungen anstellen, z. B. dass der Zuspruch zu kirchlichen Angeboten auch dort abnimmt. Und dass die Menschen sich dort sagen: »FreshX ist genau das, was wir suchen«.

Was ist für Sie ein besonders ausgereiftes Beispiel?

Scheller: Außer dem Vorzeigebeispiel aus Nürnberg fällt mir Neunkirchen am Sand ein, wo ein Pfarrer ein Café in einem alten Bahnhof aufgemacht hat. Die Initiative hat sich sehr schön ausdifferenziert und ist zugleich gewachsen. Das Café hat regionale Produkte ins Angebot genommen und ein großes ehrenamtliches Team drumherum aufgebaut. Die kommen mit den Besuchern ins Gespräch, auch über Glaubensfragen.

Was kann man davon lernen?

Scheller: FreshX hängt sehr stark an Persönlichkeiten. Wenn es jemanden vor Ort gibt, der eine Idee, eine Vision hat und der Leute fürs Mitmachen begeistern kann, dann kommt die Bewegung weiter. Vor allem, wenn die Initiative dann noch auffallende und geeignete Räumlichkeiten beziehen kann.

 

Infos

 

Share Facebook Twitter Google+ Share

Weitere Artikel zum Thema:

Lutheraner in den USA

Fromme Tattoos sind ihr Markenzeichen: die US-amerikanische Pfarrerin Nadia Bolz-Weber.
Nach Persönlichkeiten wie Nadia Bolz-Weber sehnen sich viele lutherische Christen aus dem liberalen Lager: Charismatisch, aber nicht evangelikal; Tattoos, rebellischer Look und doch theologisch so ur-lutherisch, wie man es sich kaum »orthodoxer« ausmalen könnte. Jetzt war die US-Pfarrerin und Bestsellerautorin auf Buchpräsentationstour in Europa. Auch in Deutschland wird sie immer populärer. Zum Abschluss ihrer Europareise schaute sie in der Münchner St.-Matthäus-Kirche vorbei.
Share Facebook Twitter Google+ Share
Sonntagsblatt