Was sich in der Pflegepolitik ändern muss

München — 
In Zukunft wird die Zahl der Pflegebedürftigen stark ansteigen. Vielen Familien möchten sich selbst um ihre Angehörigen kümmern. Doch welche Hilfe erhalten sie dabei vom Staat? Wie kann Politik pflegende Angehörige unterstützen?
Podiumsdiskussion: Wie muss sich Pflegepolitik verändern?
v.li.n.re: Brigitte Bührlen (Gründerin "WIR! Stiftung pflegender Angehöriger), Diana Stachowitz (SPD-Landtagsabgeordnete), Elke Amberg (Moderation)

Zu viel Bürokratie für pflegende Angehörige hat die bayerische Landtagsabgeordnete Diana Stachowitz (SPD) kritisiert. Es könne nicht sein, dass sich Angehörige mit unterschiedlichen Formularen an verschiedene Kostenstellen wenden müssten, um Unterstützung in der Pflege zu bekommen, sagte die Politikerin bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich Ebert Stiftung in München. Der bürokratische Aufwand »tötet alles und treibt uns in den Dschungel«, so Stachowitz.

Brigitte Bührlen, Gründerin der WIR! Stiftung pflegender Angehöriger, sieht in der Kommunikation die größten Herausforderungen. »Wir müssen Brücken bauen, damit pflegende Angehörige über ihre Rechte im Klaren sind«, sagte sie. Laut Bührlen müssten Politiker und Kostenträger endlich eine Sprache sprechen, die über Rechte und Möglichkeiten für pflegende Angehörige verständlich aufkläre.

Pflegende Angehörige brauchen eine Stimme

Laut Veranstalter werden in Deutschland jährlich 4,9 Milliarden Pflegestunden in der Familienpflege geleistet. Das entspräche 3,2 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen, die 44 Milliarden Euro kosten würden. Für die Pflege von Angehörigen gebe es hingegen kaum finanzielle Unterstützung. Das Pflegegeld dürfe man nicht mitrechnen, sagte Bührlen. Es sei für den Versicherten gedacht und nicht für den Lebensunterhalt von pflegenden Angehörigen.

Bührlen appellierte an die Betroffenen sich mehr für ihre Forderungen einzusetzen. »Wir haben es versäumt eine Lobby zu gründen, die mitentscheidet, wie unsere Gelder verwendet werden«, bemängelte sie. Die Stiftungs-Vorsitzende spricht aus Erfahrung: Sie pflegte sieben Jahre ihre demenzkranke Mutter im eigenen Zuhause und begleitete sie 13 Jahre während der Pflege im Heim. Pflege, Beruf und Familie zu vereinbaren habe sie an ihre Grenzen gebracht. »Wir dürfen es nicht zulassen, dass der Staat das Ehrenamt instrumentalisiert und sich aus der Verantwortung zieht«, forderte Bührlen in ihrem Schlussgedanken.

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