"Deine Oma liegt im Krankenhaus. Sie wird nicht mehr lange leben und bald sterben." So oder so ähnlich werden Kinder häufig unerwartet mit dem Thema "Tod und Sterben" konfrontiert. Oft befinden sich die Erwachsenen in einer Stress-Situation: Sie müssen mit den eigenen Gedanken und Gefühlen umgehen und sich gleichzeitig um die Kinder kümmern. Umso schwerer ist es oft für sie, mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch über die letzten Dinge zu kommen.

Mit Kindern und Jugendlichen über den Tod sprechen

Das Gespräch über Tod, Sterben und Trauer kann vorbereitet und schon früh im Alltag eingeübt werden. Wir geben Tipps, wie Sie mit Kindern in Ihrem Umfeld in einer Altersspanne drei bis zehn Jahren über den Tod und das Sterben reden können. Die Anregungen eignen sich nicht nur für Menschen, die akut mit dem Thema konfrontiert sind.

Vielmehr hilft die frühzeitige Beschäftigung mit dem Themenfeld, die emotionale Welt rund um den "Tod und Sterben"  Kinder nahbar und weniger bedrohlich erscheinen zu lassen. Vorweg sei darauf hingewiesen, dass die Anregungen natürlich dem jeweiligen Entwicklungsstand, Interesse und Alter angepasst werden sollten. Hier die Tipps:

Bilder malen über Tod und Sterben

Nehmen Sie sich Zeit und malen Sie gemeinsam ein Bild. Machen Sie Ihrem Kind Vorschläge, die je nach Lust und Laune aufgegriffen werden können. Von "Dein Opa wird doch bald beerdigt. Wollen wir ein Bild für ihn malen?" bis zu "Was glaubst du, wie sieht ein Knochen aus? Wollen wir einen malen?" ist alles erlaubt. Wichtig dabei ist nur, dass das Kind die Aktion und das Tempo vorgibt. Sollte es nicht auf die Anregungen eingehen wollen, hat es seine Gründe, die es zu respektieren gilt.

Einen Friedhof besuchen

Spazieren Sie gemeinsam mit Kindern oder Jugendlichen über einen Friedhof. Schauen Sie sich verschiedene Grabsteine an und sprechen Sie mit den Kindern über den Grabschmuck und oder die Bepflanzung. Ganz beiläufig können Sie den Unterschied zwischen Urnen- und Sarggräbern erklären und darüber sprechen, wie ein Mensch stirbt und begraben wird. Oder Sie fragen, wie sich die Kinder den Tod vorstellen.

Bücher über Tod und Sterben lesen

Wie wäre es mit einer gemeinsamen Lesestunde? Mittlerweile gibt es eine ganze Menge empfehlenswerter Kinderbücher zum Thema Tod. Für jüngere Kinder eignet sich zum Beispiel "Abschied von Opa Elefant" von I. Abedi & M. Cordes. Kids ab 5 Jahren können von "Abschied, Tod und Trauer" von M. Brockamp & P. Mennen aus der Ravensburger Verlag Reihe "Wieso Weshalb Warum?" profitieren. Kleiner Tipp: Wenn Sie das Buch vor dem gemeinsamen Lesen kennen, können Sie vorbereiteter auf eventuell aufkommende Fragen antworten. Für Erwachsene hat zum Beispiel R. Caspers "Wenn Papa jetzt tot ist, muss er dann sterben?"  geschrieben. Dieses Buch eignet sich wunderbar als Kompass für passende Antworten auf unerwartete Fragen.

Über die Vergänglichkeit sprechen

Auch bei einem Spaziergang kann über die Vergänglichkeit unseres Daseins gesprochen werden. Umgeknickte Grashalme, tote Käfer oder vertrocknete Regenwürmer bieten einen guten Anknüpfungspunkt, um die Aufmerksamkeit des Kindes auf die Endlichkeit zu lenken. Manchmal ist es dem Kind auch ein Bedürfnis, das tote Tier zu begraben und eine kleine Beerdigung zu veranstalten. Greifen Sie die Idee auf, denn so finden erste gedankliche und emotionale Auseinandersetzungen mit dem Thema statt.

Erinnerungen pflegen

Der Tod eines Haustieres bietet einen guten Anlass, mit dem Kind über dieses Tier und die Erinnerungen daran ins Gespräch zu kommen. Fragen wie "Was ist deine schönste Erinnerung an das Tier?" oder "Wollen wir ein Foto heraussuchen und aufhängen?" sorgen für die Integration der Erinnerung an die verstorbenen Haustiere.

Viele Familien haben auch einen Ort, an dem sie Fotos der Angehörigen aufhängen. Ganz beiläufig kann dort erklärt werden, wie die Verwandtschaftsverhältnisse sind - oder wann und unter welchen Umständen ein Angehöriger gestorben ist.

Kinofilme über Tod und Sterben schauen

Auch Kinderfilme eignen sich gut, um mit dem Thema Tod und Sterben in Berührung zu kommen. Dazu gehören etwa:

  • Bambi
  • König der Löwen
  • Die Brüder Löwenherz
  • Oben
  • My Girl
  • In einem Land vor unserer Zeit

Hier gilt: Schauen Sie die Filme am besten gemeinsam mit ihren Kindern oder den Jugendlichen und achten Sie auf die FSK-Empfehlung in Bezug auf das Alter. Auch wenn Kinder schon älter sind, können Sie auf emotionale Szenen sehr unterschiedlich reagieren und benötigen eventuell eine Einordnung des Erwachsenen.

Urne oder Grabmal gestalten

Wenn eine Person aus dem nahen Umfeld verstorben ist und das Kind unmittelbar mit dem Tod in Kontakt kommt, ist es hilfreich, handlungsfähig zu bleiben, also gemeinsam Aktivitäten zu suchen, die den Umgang mit dem Thema erleichtern.

Das kann bedeuten, dass Sie und das Kind den Sarg oder die Urne der verstorbenen Person gestalten können. Handabdrücke und kindliche Zeichnungen für den Sarg oder das Grabmal bieten dann eine gute Gelegenheit, sich über die verstorbene Person zu unterhalten.

TIPPS FÜR ELTERN

  • Suchen sie in Ruhe das direkte Gespräch. Kinder zeigen oder sagen ihre Grenzen oftmals recht deutlich. Fragen Sie beispielsweise, ob jetzt ein guter Zeitpunkt ist mit ihnen etwas zu besprechen.
  • Geben Sie dem Kind die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wenn es keine Nachfragen mehr stellt, hören Sie auf, weiter zu sprechen. Wenn Kinder keine Fragen mehr zu dem Thema haben, haben Sie in der Regel alle altersentsprechenden Informationen erhalten.
  • Sie müssen nicht jede Situation alleine meistern. Entsprechende Beratungsstellen oder Vereine in Ihrer Region stehen Ihnen als Anlaufstellen zur Verfügung. Fragen Sie bei Ihrem zuständigen Jugendamt nach oder der Familienberatung in Ihrer Nähe. Dort erhalten Sie Gesprächsmöglichkeiten, weitere Anregungen oder Angeboten in Form von Kursen oder Gruppen speziell für Kinder.
  • Schauen Sie auf Socialmedia-Kanäle und Webseiten für Betroffene. Wie kommen andere An- und Zugehörige mit Kindern ins Gespräch über Tod und Sterben? Auf Instagram (z.B. @kinder.trauern.bunter oder @hommageansleben) oder auf anderen sozialen Netzwerken finden Sie gute Anregungen mit entsprechenden Erfahrungswerten und können sich vernetzen.