23.11.2017
Kunst und Theologie

»Bild und Botschaft« ist Publikumsrenner der Pinakotheken

München — 
Longseller und Bestseller zugleich: Das ist die Reihe »Bild und Botschaft«, die seit 27 Jahren jeden Monat bis zu 200 Menschen ins Museum lockt. Was ist das Geheimnis hinter dem Erfolg?
Das Gemälde »Anbetung der Heiligen Drei Könige« des niederländischen Malers Rogier van der Weyden.
Das Gemälde »Anbetung der Heiligen Drei Könige« des niederländischen Malers Rogier van der Weyden (um 1455).

Pro Termin steht ein Gemälde aus den Münchner Pinakotheken im Zentrum einer theologisch-kunsthistorischen Bildbetrachtung. Das Geheimnis der Erfolgsreihe liege in der »Intensität der Bilder und der Qualität der Vorträge«, sagte Daniela Thiel, die seit 2003 zum Leitungsteam gehört, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Zum Referentenstamm gehören zahlreiche Kunsthistoriker sowie Theologieprofessoren der Ludwig-Maximilians-Universität; auch Promis wie der ehemalige Andechs-Prios Anselm Bilgri oder der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Bernhard Maatz, beteiligen sich.

Über neue Referenten kämen auch immer wieder neue Zuhörer, so die Kunsthistorikerin. »Der Großteil unseres Publikums sind aber Stammhörer, für die die Bild-und-Botschaft-Abende heilige Termine sind«, sagt Thiel. Die Bildauswahl begleite den Verlauf des Kirchenjahres. Manche Gemälde wie die Anbetung der Heiligen Drei Könige aus dem Columba-Altar des niederländischen Malers Rogier van der Weyden seien aber als »Lieblingsstücke« immer wieder im Repertoire.

Thiel bricht eine Lanze für die Meisterwerke der alten Kunst. »Da geht es um große Menschheitsthemen, um Hass, Glaube, Eifersucht, Gerechtigkeit«, sagt die Kulturvermittlerin. Mit den Vorträgen aus theologischer und kunsthistorischer Sicht versuche Bild und Botschaft, »die Bilder von der Wand zu holen und mitten in unser Leben zu stellen«.

Sie selbst habe ein Faible für die Werke der Neuen Pinakothek. »Im 19. Jahrhundert beginnen viele Fragestellungen, die uns heute noch beschäftigen«, so Thiel. Auf Neuerungen hätten damalige Zeitgenossen mit Entsetzen und Ablehnung reagiert - »wie heute auch«, stellt die 53-Jährige fest. Insofern helfe die Vergangenheit, die Gegenwart zu erklären. »Das den Menschen vor Augen zu führen ist unglaublich lebendig«, sagt die Kunstvermittlerin.

Veranstaltungs-Tipp

Bilder mit Botschaft

Bild und Botschaft lädt in diesem Jahr noch zweimal in den Hörsaal C 123 der LMU (Theresienstraße 41) und zu den Originalen in der Pinakothek: Am 28. November steht das Gemälde »Sieg der Gerechtigkeit« des Malers Hans von Aachen im Zentrum, am 19. Dezember Stefan Lochners »Anbetung des Kindes« (Beginn je 18 Uhr im Hörsaal).

Kunsthistorikerin Daniela Thiel ist am Mittwoch, 29. November, um 19.30 Uhr mit einer »Kulturgeschichte des Weihnachtsfests« zu Gast im Forum Friedenskirche Trudering (Friedenspromenade 101).

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