Wanderausstellung über Frauen der Reformation wird oft gebucht

Nürnberg — 
Die Schau ist das Ergebnis einer fast zweijährigen Recherche- und Forschungsarbeit: In ihr kommt Agnes Dürer ebenso vor wie einfache Frauen aus dem Volk. Frauen, die die Reformation vorantrieben.
Ausstellung "Frauen der Reformation" in der Lutherkirche München
Ausstellung "Frauen der Reformation" in der Lutherkirche München

Das Engagement von starken und mutigen Frauen in der Reformation zeigt eine Wanderausstellung des FrauenWerks Stein: 15 raumhohe Tafeln beleuchten das Thema unter dem Motto "Vom Dunkel ins Licht". Die Fachstelle für Frauenarbeit hat sie zum Luther-Jahr 2017, dem Gedenkjahr an 500 Jahre Reformation, konzipiert. Hier soll nicht der Einfluss von Männern, sondern vielmehr von Frauen auf die Reformation gezeigt werden. "Sie standen den Männern in nichts nach. Im Gegenteil", sagt Andrea König, Leiterin der Fachstelle für Frauenarbeit in Stein bei Nürnberg und eine der Initiatorinnen der Wanderausstellung.

Ob Schriftstellerin, Adelige, Nonne oder einfache Frau - die Reformation in den frühen 20er Jahren des 16. Jahrhunderts sei keine Gelehrten-, sondern vielmehr eine Massenbewegung gewesen, sagt König. Deshalb wolle man der Öffentlichkeit Menschen zeigen, die sich jenseits der bekannten Namen für die Reformation starkmachten. Neben vielen Männern seien dies eben auch zahlreiche weibliche Persönlichkeiten gewesen. Auf rund 200 sind die Initiatorinnen der Ausstellung allein im süddeutschen Raum gestoßen.

Von Argula von Grumbach bis Agnes Dürer

Für König und ihre Kollegin Ulrike Knörlein von der Fachstelle für Frauenarbeit liegt das Besondere der Ausstellung in ihrem Aufbau. Sie ist nicht nach Einzelbiografien, sondern thematisch geordnet und geht unter anderem auf die "spektakulären Methoden" ein, die Frauen zur Durchsetzung ihres Unmuts über die Missstände in der katholischen Kirche anwandten. Die 15 Tafeln erzählen aber auch von Frauen, die wegen ihres Engagements verspottet und moralisch wie psychisch unter Druck gesetzt wurden. Der weibliche Protest äußerte sich in vielfältigen Aktionen, erfährt der Besucher. Frauen traten vielfach als Unruhestifterinnen bei Messfeiern auf, sie formierten sich zu Gruppen und äußerten ihren Unwillen mit Gesang. Andere wiederum riefen ihre Geschlechtsgenossinnen dazu auf, politisch tätig zu werden.

Eine der bekanntesten Vertreterinnen ist die Reformatorin Argula von Grumbach (ca. 1492-1568). Sie bezahlte ihren Mut mit familiärem Leid, ihr Mann verlor seine berufliche Position. Die Fachstelle für Frauenarbeit stieß auch auf Agnes Dürer, die Ehefrau des Künstlers Albrecht Dürer. "Sie wollte mit ihrem Erbe die Reformationsbewegung beeinflussen, indem sie Stiftungen gründete und über diese die Kirchenpolitik mitbestimmte", erzählt Knörlein.

Ausstellung auch 2018 unterwegs

Die interaktive Ausstellung lebt aber nicht nur von den Tafeln. Laut König werden Führungen, Lesungen, Publikationen, ein 256 Seiten starker Begleitband und sogar Rezepte angeboten. Wer die Ausstellung "Vom Licht ins Dunkel!" mieten möchte, kann die Sonderschau jederzeit beim FrauenWerk Stein leihen. Die Resonanz der Besucher und Aussteller sei sehr gut, sagt König. Man habe die Werbetrommel gar nicht rühren müssen. Im Gegenteil: Die Wanderausstellung ist auch so in den nächsten Monaten fast ausgebucht.

Ob in Kirchengemeinden, Dekanaten oder von Frauenbeauftragten - die Sonderschau, die in doppelter Ausführung hergestellt wurde, soll deshalb auch im Jahr 2018 auf Wanderschaft gehen. Dann allerdings werden die Tafeln über starke Frauen der Reformation im süddeutschen Raum im gesamten Bundesgebiet und über die Landesgrenzen in Österreich und der Schweiz hinaus zu sehen sein.

Die nächsten Termine

Die Ausstellung ist in den kommenden Wochen an folgenden Orten zu sehen:

  • 21. Februar bis 12. März in München (Ev.-Luth. Kirchengemeinde Lutherkirche,  Bergstr. 3, 81539 München)

--> Samstag, 4. März, 19.00 Uhr: „Reformatorinnen eine Stimme geben.“ Lesung mit Schauspielerin Wiebke Puls

--> Sonntag, 5. März, 11.00 Uhr: „Frauen und Reformation - eine evangelisch-katholische Spurensuche“ Dialogführung mit Verena Übler und Marion Mauer-Diesch.

--> Montag, 6. März, 19.00 Uhr:  „Bayerns evangelische Königinnen. Ihr Leben, Wirken und Glauben zwischen Toleranz und religiösem Fanatismus“
Vortrag von Historikerin Dr. Susanne Pfisterer-Haas

--> Mittwoch, 8. März, 18.30 Uhr: „Frauen reformieren Religion“ – Frauenmahl, mehrgängiges Festmahl mit Tischreden und Tafelmusik

  • 15. März bis 5. April in Gerolzhofen (Ev.-Luth. Erlöserkirche, Dreimühlenstr. 2, 97447 Gerolzhofen)
  • 20. März bis 18. April in Cadolzburg (Historisches Museum, Pisendelpl. 1, 90556 Cadolzburg)

--> 31. März, 19.00 Uhr, "Protestantische Kämpferinnen und streitbare Nonnen" Vortrag von Nadja Bennewitz

  • 6. April bis 17. April in Nürnberg (Martin-Niemöller-Kirche, Annette-Kolb-Str. 57, 90471 Nürnberg)

--> 6. April, 19.30 Uhr, "Frauen der Reformation" Eröffnungsveranstaltung mit Vortrag von Dr. Joachim Habbe 

--> 12. April, 14.30 Uhr, "Luthers Leben und die Frauen" Seniorennachmittag mit Vortrag von Pfarrer Dr. Habbe

  • 19. April bis 7. Mai in Ansbach (St. Johannis-Kirche Ansbach/Weidenbach, Luisenstr. 2, 91522 Ansbach)

--> 20.April, 19.00 Uhr Vortrag Ulrike Knörlein

  • 19. April bis 10.Mai in Langenzenn (Gemeindesaal im Kloster, Prinzregentenplatz 2, 90579 Langenzenn)

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