03.10.2014
ZDF-Pfarrhausserie

Grüne Turnschuhe unterm Talar

München — 
Serienpfarrer Andreas Tabarius und seine vier Söhne sind zurück im deutschen Fernsehen. Nach dem großen Erfolg der ersten zehn Folgen startete im Oktober im ZDF die zweite Staffel der Pfarrhausserie »Herzensbrecher - Vater von vier Söhnen«. Hauptdarsteller Simon Böer war vor dem Sendestart in München. Mit dabei auch sein Berater: der evangelische Pfarrer Mathias Bonhoeffer, Großneffe des Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), der im KZ Flossenbürg starb.

Andreas Tabarius, gespielt von Simon Böer, ist ein verwitweter Vater von vier Söhnen. »Zusammen mit den schmucken Jungs könnte schon das ein oder andere Herz gebrochen werden. Aber wir sind eher Herzensgewinner«, verspricht Böer. Als junger und etwas unkonventioneller Pfarrer mischt er seine Gemeinde der Heilandkirche ganz schön auf. So kommt er schon mal mit knallgrünen Turnschuhen unter dem Talar zum Gottesdienst, oder er unterbricht seine Predigt, um eine Frage zu beantworten.

Dieser leidenschaftliche und frische Einsatz hat in der Serie nun so viele Menschen in die Kirche gelockt, dass Tabarius Verstärkung braucht. Die bekommt er mit einer hübschen wie selbstbewussten Chorleiterin und einem sehr konservativen Nachwuchspfarrer. Die strenge Kirchenvorstandsvorsitzende Constanze Abels wird ihm weiter das Leben schwer machen, aber auch in der Familie wird es rund gehen - die zwischen acht und 21 werden langsam flügge werden. Überraschen könnte auch die weitere Entwicklung der Beziehung zur »Vielleicht«-Geliebten Katharina, verrät Böer.

Dass die Pfarrerdarstellung möglichst realistisch ist - dafür sorgt auch Mathias Bonhoeffer. Er ist Pfarrer der Bonner Kartäuserkirche, wo auch die Serie spielt. »Es gibt viele Menschen, die ein gewisses Bild von Kirche haben. Aber sie haben leider schon lange nicht mehr nachgesehen, ob dieses Bild überhaupt noch stimmt.« Der Großneffe von Dietrich Bonhoeffer stellt nicht nur seine Kirche für die Dreharbeiten zu Verfügung, er ist zugleich auch Berater von Simon Böer. Der kann ihn jederzeit am Handy anrufen und Fragen stellen. Zum Beispiel die, wie man ein Taufkind richtig hält.

Simon Böer, der selbst aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, hat mittlerweile auch ein anderes Bild von Kirche. Seit er häufig zu »Recherchezwecken« Gottesdienste besucht, stellt er immer wieder fest, dass es viele Pfarrerinnen und Pfarrer gibt, die mit ihrer Predigt freudvoll auf die Menschen zugehen. Genauso viele tun es aber leider nicht, bedauert er. Der Schauspieler hat zusammen mit Mathias Bonhoeffer vergangenes Jahr schon den Gottesdienst am 1. Advent gestaltet und durfte sogar die Predigt halten. Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen.

Obwohl er hofft, noch lange den Pfarrer Tabarius geben, fürchtet sich Simon Böer nicht davor, auf der Straße als Pfarrer angesprochen zu werden. »Der Professor-Brinkmann-Effekt ist noch nicht eingetreten«, sagt er augenzwinkernd mit Blick auf die 80er-Jahre-Arztserie »Die Schwarzwaldklinik«. Auch Mathias Bonhoeffer hat noch nicht festgestellt, dass Serienfans die Orginialkulisse der Bonner Kartäuserkirche besuchen. Falls ja, würde er sich sehr freuen und bittet darum, angesprochen zu werden: »Ich zeige den Menschen dann gerne meine Kirche.«

Auch über einen Termin außerhalb der Dreharbeiten werden sich Pfarrer und Schauspieler demnächst beraten: Simon Böers Kinder sind beide noch nicht getauft.

 

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