Wie wird Radio wieder sexy? Spießigkeit in den Medien

Nürnberg — 
Auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg hat die Arbeitsgemeinschaft evangelischer Rundfunk (aer) und die Bayerischee Landesmedienzentrale (BLM) wie jedes Jahr ein Panel veranstaltet. Heuer diskutierten vier Medienprofis über die neue Spießigkeit in Fernsehen und Radio. Was dabei herauskam

Nach Ansicht von Radiomoderator und Medienmanager Markus Langemann herrscht eine große Ödnis bei den Radiosendern in Deutschland. Außer Befindlichkeitsmeldungen wie Wetter und Verkehr, gemixt mit Gewinnspielen werde hier kaum etwas geboten, beklagte er bei den Lokalrundfunktagen 2017 in Nürnberg. Um gegenüber reinen Musikmedien wie Spotify interessanter zu werden, sei es nötig, wieder glaubwürdige Inhalte zu präsentieren. »Es genügt nicht, nach Personalities im Radio zu rufen. Man muss sie auch kreativ sein lassen«, forderte der Medienprofi mit langjähriger Erfahrung.

Radiomoderator und Medienmanager Markus Langemann
Radiomoderator und Medienmanager Markus Langemann auf den Lokalrundfunktagen 2017 in Nürnberg.

Die 4 Hs für die Arbeit in Funk und Fernsehen

Seine Tipps an die Medienmacher von heute:

  • Moderationen mit Hirn
  • Haltung zeigen (und natürlich auch haben)
  • großes Herz haben für die Hörerinnen und Hörer
  • Humor
Radiomoderator Andi Christl
Radiomoderator Andi Christl auf den Lokalrundfunktagen 2017 in Nürnberg

Radiomoderator Andi Christl, der derzeit für die Sender Bayern 3 und PULS arbeitet, sieht die Situation nicht ganz so schlimm. Der 31-Jährige gilt als junger Wilder im Radio, dabei hat er schon bei verschiedenen Sendern ausprobiert, was On Air möglich ist. Er habe festgestellt, dass es vor allem darauf ankommt, jemanden zu haben, der ihm den Rücken frei hält, erklärte Christl. Innerhalb eines´bestimmten Rahmens müsse den Moderatoren Farbe und Pinsel bereit gestellt werden. Dabei könne auch mal was schiefgehen, aber nur so könne Kreativität entstehen.

Autor und Journalist Harry Luck
Autor und Journalist Harry Luck auf den Lokalrundfunktagen 2017 in Nürnberg.

Autor und Journalist Harry Luck konnte den Begriff der Spießigkeit näher erläutern. Der Autor des »Lexikons der uncoolen Dinge« unterscheidet zwischen dem unbeweglichen, auf alten Strukturen beharrenden Spießer und dem intelligenten Spießer. Wer sich heutzutage zu einer gewissen Spießigkeit bekenne, picke sich aus seinem Lebensumfeld Dinge heraus, die nicht cool, aber praktisch sind. Dazu gehöre die Schrankwand, Eierlikör oder an die Altersvorsorge zu denken. Generell aber gilt: »Nur die Jugend hat das Privileg, nicht spießig zu sein.«

Insgesamt war die Diskussion eine Anregung für mehr Ausbildung von journalistischem Nachwuchs sowie ein Appell an die Medienmacher, ihren Talenten mehr Freiheiten zu geben.

Hier können Sie die ganze Diskussion anhören.

Das Special von aer und BLM wird auch auf den Nürnberger Lokalrundfunktagen 2018 (#lrft) wieder am ersten Dienstag im Juli stattfinden.

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