Was hinter dem Tourismuskonzept »Stade Zeiten« steckt

Wer will das nicht, im Urlaub zur Ruhe kommen, sich entspannen, abschalten? Die Bayern Tourismus Marketing GmbH hat für Menschen, die sich eine Auszeit zum Auftanken wünschen, ein eigenes Angebot kreiert. Wie das Konzept funktioniert.
Kloster Heidenheim
Auch im ehemaligen Kloster Heidenheim finden Menschen, die sich eine Auszeit zum Auftanken wünschen, viele Angebote wie Meditationen, Oasentage oder Bibelnachmittage

Auf dem Vierseithof im bayerischen Wald ist die Zeit stehen geblieben. Wie im Jahr 1930 dreschen Knechte Stroh und schleifen Sensen, Mägde setzen Kartoffeln ins Beet. Für ein paar Tage tauchen hier die Seminarteilnehmer - ob Hausfrau oder Manager - in eine vergangene Welt und sollen so zur Ruhe und zu sich selbst finden. Tilli’s Hof, wie der Bauernhof in Kirchberg im Wald heißt, ist ein Angebot der »Stade Zeiten« der Bayern Tourismus Marketing GmbH.

Vor einem Dreiviertel Jahr ist das Tourismuskonzept gestartet. Inzwischen beteiligen sich 65 Anbieter in Bayern. Auf der Webseite www.bayern.by/stade-zeiten stellen sie weit über 150 verschiedene Angebote vor. Dazu gehören Übernachtungen auf Bauernhöfen oder abgelegenen Almen ebenso wie das Mitmachangebot auf Tilli’s Hof. Vorgestellt werden auf der Webseite aber auch Landschaften und Orte, die wie etwa Oberstaufen aufgrund ihrer Lage schon Ruhe und Stille bieten. Auch spirituelle Angebote gibt es.

Dossier

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Abstand vom Alltag als wichtigstes Urlaubsmotiv

Die Idee hinter »Stade Zeiten« ist einfach: Viele Menschen seien heute »permanent angespannt« und würden sich vom Handy unter Druck setzen lassen, sagt der Geschäftsführer der Bayern Tourismus Marketing GmbH, Martin Spantig. Digitalisierte Freizeit führe zu Unruhe und Stress. Das Angebot richte sich daher gerade an Menschen, die jetzt - kurz vor den Sommerferien - bis zur letzten Minute im Büro arbeiteten und sich nach Ruhe sehnten.

Spantig verweist auf die Reiseanalyse 2015 der Marketinggesellschaft der bayerischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft: 66 Prozent der Befragten nannten demnach den Abstand zum Alltag als wichtiges Urlaubsmotiv. 63 Prozent suchen im Urlaub Entspannung. »Wir bieten Angebote, um abzuschalten, dass man die Sinne wieder einschaltet und das Vogelgezwitscher wieder hört«, sagt Spantig.

Auch meditative Wanderungen gehören zu dem Angebot. So vermarktet der Tourismusverband etwa den Meditationsweg Ammergauer Alpen, der in über 87 Stationen vom Unesco-Weltkulturerbe Wieskirche bei Steingaden bis zum Schloss Linderhof führt. »Im Gleichklang des Gehens verliert die Zeit an Bedeutung und mit jedem Schritt kommen die Wanderer sich selbst ein Stückchen näher« , schreibt die Marketinggesellschaft.

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Zur Ruhe kommen - oder aktiv zupacken

Hinter »Stade Zeiten« stehe die Beobachtung, dass »der Mensch nicht mehr zur Ruhe kommt, es zugleich aber eine Sehnsucht abzuschalten und zu sich selbst zu kommen gibt«, sagt der evangelische Tourismusbeauftragte Thomas Roßmerkel. Deshalb beteiligen sich auch die Kirchen an dem Angebot - mit offenen Kirchen, Radwege-Kirchen, spirituellem Wandern und Pilgern. Die katholische Kirche bietet in zahlreichen Klöstern Übernachtungsmöglichkeiten und Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen.

Nicht mit Meditation, sondern mit aktivem Zupacken will unterdessen Tilli’s Hof zur Entschleunigung beitragen. Mit Hilfe einer Zeitreise in die Welt auf dem Land um 1930 sollen die Teilnehmer wieder zu sich selbst finden, sagt Marie-Luise Freimuth von Tilli’s Hof. Die Teilnehmer verwandeln sich in eine Hofgemeinschaft der damaligen Zeit, in Bauern, Mägde, Knechte. »Die Lebensweise von damals ist eine Methode der Entschleunigung«, sagt Freimuth. Es gehe darum sich selbst wieder wahrzunehmen.

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