14.09.2017
Aberglaube

Fränkisches Museum stellt Abwehrzauber aus

Feuchtwangen — 
Der Aber- oder Volksglaube von der Antike bis zur Gegenwart steht im Mittelpunkt einer neuen Schau im Fränkischen Museum Feuchtwangen.
Stalltür mit magischen Zeichen und Abwehrmitteln.
Stalltür mit magischen Zeichen und Abwehrmitteln.

In der Ausstellung mit dem Titel »Wer’s glaubt, wird selig!« sollen anhand von mehr als 300 Exponaten die »magischen Praktiken« in Geschichte und Gegenwart aus Franken, Schwaben und Altbayern gezeigt werden. Die Exponate zeigen zugleich die Nöte und Bedrohungen der bäuerlichen Bevölkerung im 18. und 19. Jahrhundert, die mit übernatürlichen Einflüssen erklärt und deshalb mit Zauberei abzuwehren versucht wurden.

Schwerpunkte der bis 10. Dezember laufenden Schau sind Volksmagie, Abwehrzauber, Amulettgebrauch, Volksmedizin, Entbindung sowie der Aberglaube im evangelischen Franken – damals und heutzutage. Seit dem Soziologen Max Weber (1864-1920) habe man den Protestantismus mit einer Säkularisierung des Denkens verbunden, die magische Vorstellungen aus dem Alltag evangelischer Christen verdrängt habe. Diese These hält den Ausstellungsmachern zufolge einer kritischen Überprüfung nicht stand. Wie Akten aus dem ehemaligen Fürstentum Ansbach zeigen, war der Glaube an Hexen und Teufel trotz der reformatorischen Kritik ungebrochen.

Von der Hexe zum Erdstrahl

Man verwendete Schutzamulette, läutete den Wettersegen, erkannte die Kraft gesegneter Gegenstände und suchte Rat bei Wahrsagern und Zauberern. Dingbeseelung, Astrologie, Hexenglaube, Schadenszauber am Vieh, Verwünschungen und Volksmedizin hatten ihren festen Platz im Alltag der Menschen. Georg Christoph Zimmermann, Pfarrer in mehreren ansbachischen Dorfpfarreien, hat 1720 beispielsweise eine Abhandlung verfasst, in der er die abergläubischen Praktiken seines evangelischen Pfarrvolks ausführlich beschrieb.

Die Vorstellung, dass Unglück in Haus und Hof an »bösen Leuten« und Hexen liege, war aber noch im 20. Jahrhundert verbreitet. Bis in die 1960er-Jahre waren »Hexenbanner« unterwegs, die gegen Geld magische Dienstleistungen anboten. In der Schau ist der Koffer eines schwäbischen »Hexenbanners« mit seinen Zauberutensilien zu sehen. Um 1970 gab es einen Hype um Erdstrahlen, die angeblich Kopfschmerzen und Krebs verursachten. Mit Wünschelruten konnten sie aufgespürt und mit Erdstrahlenentstörungsgeräten bekämpft werden. Die dem Volksglauben zugrunde liegenden Denksysteme münden heute in die verschiedenen Formen der Esoterik.

Die Skeptiker kommen

Offizielle Eröffnung der Ausstellung ist am Freitag, 15. September 2017, um 18 Uhr. Führungen beginnen um 15 Uhr an den drei Sonntagen 8. Oktober, 12. November und 10. Dezember.

Das Rahmenprogramm beginnt am 11. Oktober mit einem Erzählcafé für Senioren: »Meine Erfahrungen mit dem Übersinnlichen, mit Spuk und Aberglauben« (15 Uhr). Dann kommt die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften GWUP (»Die Skeptiker«) und versucht, dem Übernatürlichen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Am 19. Oktober spricht Bernd Harder über »Alle Übel dieser Welt. Verschwörungstheorien in der Postfaktokalypse«. Am 7. November folgt der Geologe Michael Link mit dem Vortrag »Erdstrahlen, Wünschelruten & Co. Was ist dran an der Radiästhesie« (je 19.30 Uhr).

In die Zeit des alten Aberglaubens zurück führen Ulrike Bergmann und Eberhard Kummer mit ihrem Programm »Magie, Tod und Teufel« voller historischer Lieder zur Schoßharfe und zur Drehleier – am 10. November, 20 Uhr im Kulturtreff Feuchtwangen.

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Sonntagsblatt