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Aktuelle Ausgabe: 29 vom 17.07.2016
Dieser Artikel: Ausgabe 04/2016 vom 24.01.2016
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Mit Flüchtlingen arbeiten lernen

Hochschule Würzburg-Schweinfurt bildet weiter: »Unbegleitete Minderjährige«


Der Krankenpfleger und Erzieher Alexander Hübner arbeitet bei der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe in Würzburg mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Berufsbegleitend studiert der 31-Jährige Soziale Arbeit in München. »Ich hatte trotzdem immer mal wieder das Gefühl, dass mir etwas fehlt«, sagt Hübner. Denn die Arbeit mit jungen Flüchtlingen ist anders: »Traumata, Asylrecht, interkulturelle Arbeit - das spielt sonst kaum eine Rolle.«

Alexander Hübner im Garten der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe. Von der Fortbildung an der früheren FH können Mitarbeiter in vielen Einrichtungen profitieren.
Foto: epd
   Alexander Hübner im Garten der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe. Von der Fortbildung an der früheren FH können Mitarbeiter in vielen Einrichtungen profitieren.

        

Deshalb besucht Hübner zusätzlich die Weiterbildung »Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge« an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Entwickelt hat diesen Lehrgang unter anderen Vizepräsident Prof. Ralf Roßkopf. Der Jurist ist Dekan der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften, die Hochschule hat das Thema Flucht und Migration schon seit vielen Jahren im Blick. Im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit etwa gibt es seit 2011 einen Vertiefungsbereich Migration. Die Hochschule sei dabei, sich profilbildend zu internationalisieren, sagt Roßkopf. Das heißt: Man will nicht bloß deutsche Studenten ausbilden und als Sozialarbeiter ins Ausland schicken, sondern ausländische Studenten herholen und ausbilden.

Module für Praktiker

Weil man in diesem Bereich schon Expertise aufgebaut hatte, kamen Anfragen aus der Praxis, von Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Wohlfahrtsverbänden der Kirchen, mit der dringenden Bitte, ihr Personal fortzubilden. Überall fehlten händeringend Fachkräfte, sagt Roßkopf. Und selbst die hätten bislang nur selten mit Flüchtlingen gearbeitet. »Der Betreuungsschlüssel in der Asylsozialarbeit liegt bei einer Fachkraft für 100 bis maximal 130 Asylsuchende«, betont er. Einen weitaus größeren Personalbedarf gebe es bei der Betreuung unbegleiteter Minderjähriger.

»Die sind qua Gesetz durch die Jugendämter in Obhut zu nehmen, kommen also in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe«, sagt Roßkopf. Die Heranwachsenden würden dort im Dreischichtsystem rund um die Uhr betreut. Auf ein Kind komme da faktisch eine Fachkraft: »2015 kamen alleine in Bayern rund 10 000 unbegleitete Jugendliche an - da kann sich jeder selbst ausmalen, wie extrem der Fachkräftemangel ist.« Derzeit würden auch Kinderpfleger, Lehrer und andere Professionen aus dem Sozialbereich angeworben.

Diese Erfahrung hat auch Alexander Hübner gemacht. Er arbeitet seit einigen Monaten auch mit Theologen und Lehrern im Team. »Das ist kein Problem, finde ich, es bringt frischen Wind hinein«, sagt er. Trotzdem sei es für Fachfremde freilich noch wichtiger, sich fortzubilden.

Der Weiterbildungslehrgang behandelt außer Sozialarbeit auch den Umgang mit Traumata. »Der fachliche Input ist super«, sagt Hübner. Doch der Wissenstransfer in die Praxis sei manchmal schwierig. Noch wichtiger als das Fachwissen sei deshalb die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen. »Da kriegt man mit, wie andere mit diesem oder jenem Problem umgehen«, sagt Hübner. Die Hochschule will den Lehrgang ab März noch einmal anbieten - und mit weiteren drei Modulen sogar zu einem Zertifikatslehrgang ausbauen. »Flüchtlingssozialarbeiter« soll man danach sein, erläutert Professor Roßkopf.

Der Master-Studiengang »Internationale Sozialarbeit« geht darüber hinaus. Bewerben können sich Bachelor-Absolventen aus dem sozialen Bereich und Praktiker, betont Roßkopf: »Wir haben schon Anfragen von anderen deutschen und auch ausländischen Hochschulen, die unsere Weiterbildungsmodule gerne bei sich anbieten würden.«

In die gleiche Richtung gehe die Kooperation mit der deutsch-jordanischen Hochschule in Amman. Ein Semester des Master-Studiengangs soll man auch in Jordanien belegen können, kombiniert mit Vor-Ort-Praktika in Flüchtlingslagern der Vereinten Nationen.

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Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 24.07.2016 - 20:24 Uhr

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