26.01.2018
Justiz

Disziplinarverfahren gegen früheren Neumarkter Dekan dauert an

Mit hoher Spannung ist das Ergebnis im Disziplinarverfahren gegen den früheren Neumarkter Dekan Norbert Dennerlein erwartet worden. Doch die Disziplinarkammer der Landeskirche in München hat eine neuerliche Anhörung angeordnet.
So fühlt sich Sozialpolitik in Deutschland oft an: weniger gerecht als blind und ungerecht.

 

Das Disziplinarverfahren gegen den ehemaligen Neumarkter Dekan Norbert Dennerlein ist immer noch nicht abgeschlossen. Die Disziplinarkammer habe zwar am Montag (22. Januar) getagt, dann aber eine weitere Verhandlung anberaumt, sagte der Sprecher der Landeskirche, Johannes Minkus, dem Sonntagsblatt. Grund sei, dass weitere Zeugen gehört werden müssten. Frühestens in drei Monaten werde mit der nächsten Verhandlung zu rechnen sein. Ob es bei der dritten Sitzung des Gerichts zu einem abschließenden Urteil komme, könne zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.

Bereits im Mai 2016 hatte die Landeskirche mitgeteilt, dass sie gegen Dennerlein ein Disziplinarverfahren eröffnet habe. Es gebe Anhaltspunkte, »dass der ehemalige Dekan in zwei Fällen bei erwachsenen Mitarbeitern die nötige Distanz nicht gewahrt habe«, hieß es. Es bestehe der Verdacht, dass Dennerlein seine Amtspflichten als Pfarrer verletzt habe.

Zeuge belastet ehemaligen Neumarkter Dekan

Das Strafmaß könne von einer Rüge als Minimum bis zu einer Entfernung aus dem Dienst als Maximum reichen, hieß es. Strafrechtlich besäßen die Vorwürfe keine Relevanz, weil die Betroffenen Erwachsene sind. Um wie viele Zeugen es sich insgesamt handle, ist nicht bekannt, erklärte Minkus.

Einer der Zeugen, der unter anderem als Betroffener von der Landeskirche angehört wurde, schilderte dem Sonntagsblatt, was er erlebt hat: »Dieser Mensch hat einen sehr manipulativen Charakter. Das Muster war dabei in allen Fällen gleich: Erst hat er sich das Vertrauen erworben und dann nach und nach körperliche Nähe gesucht.« Seinen Namen wollte der Zeuge nicht nennen.

Obwohl die Ereignisse schon einige Jahre zurückliegen, fiel ihm das Reden schwer. Immer wieder stockte er, um das Unaussprechliche auszusprechen. Nicht nur Frauen, auch Männern könne so etwas passieren, sagte er. »Auch wenn manche das gerne abtun und nicht wahrhaben wollen.« Der Zeuge hat das Dekanat inzwischen verlassen, aber er wünsche sich, »dass diesem Mann geholfen wird, damit so etwas in Zukunft nicht wieder vorkommt«.

 

Der frühere Neumarkter Dekan Norbert Dennerlein: Die Disziplinarkammer der Landeskirche will weitere Zeugen hören.

 

Der Fall hat in Neumarkt für reichlich Wirbel gesorgt. »Das beschäftigt uns alle sehr«, sagte Diakon und Öffentlichkeitsreferent Klaus Eifler. Dekanatssekretärin Karin Rieger sprach davon, dass seit einem langen Zeitraum »eine Last auf den Mitarbeitern liegt«.

Je länger das Verfahren dauere, umso mehr sei die Anspannung gewachsen. Zeugen mussten gehört, Fristen für Erwiderungen eingehalten werden. Erschwerend sei hinzugekommen, dass Norbert Dennerlein in einen Ort unweit von Neumarkt gezogen ist und immer wieder in der Kreisstadt auftauche.

Schwierige Situation

Immer noch sind die Meinungen über den früheren Dekan gespalten. Die einen halten ihn für einen offenen, kommunikativen und kompetenten Dekan, der verleumdet worden sei. Dennerlein soll diese Version bei seinen Besuchen gestützt haben, indem er davon sprach, er sei von seinen Mitarbeitern »gemobbt« worden und habe deshalb gehen müssen, wie ein Zeuge berichtete.

Den Kirchenmitarbeitern wiederum sind die Hände gebunden, weil sie sich zum laufenden Verfahren nicht äußern dürfen. »Ich bin zum Beispiel auf der Straße angesprochen worden, was wir mit unserem Dekan gemacht haben«, sagte Eifler. Man müsse sich verteidigen, dürfe dann aber wieder keine Einzelheiten sagen. Das sei insgesamt eine schwierige Situation. Die Geschichte habe ihn bis in seine Träume verfolgt, berichtete Eifler. Nun hoffe er, dass bald ein Schlussstrich gezogen werden könne, »der allen Beteiligten und dem Beschuldigten gerecht wird«.

Rückblick

Im März 2016 war der Fall zum ersten Mal an die Öffentlichkeit gelangt: Im April legte der damals amtierende Dekan Norbert Dennerlein »aus gesundheitlichen Gründen« alle seine Ämter nieder. Der Rücktritt kam völlig überraschend. Im Mai eröffnete die Landeskirche ein Disziplinarverfahren gegen ihn. Sie teilte mit: »Es liegen zureichende Anhaltspunkte vor, dass der ehemalige Dekan in zwei Fällen bei erwachsenen kirchlichen Mitarbeitern die nötige Distanz nicht gewahrt hat.« Dennerlein hatte das Dekanat mit seinen 18 000 Protestanten sieben Jahre lang geleitet. Davor war der promovierte Theologe mehrere Jahre als Oberkirchenrat in Hannover tätig gewesen. Der heute 56-Jährige ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

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