05.04.2015
Religiöse Feiertage

Was warum auf dem Sederteller zu Pessach liegt

Pessach und das christliche Osterfest (das auf ein Pessachfest vor rund 2000 Jahren zurückgeht) finden 2017 fast gleichzeitig statt. Mit dem »Erew Pessach«, dem Pessach-Vorabend, beginnt für Juden in der ganzen Welt drei Tage vor Karfreitag das achttägige Pessachfest 5777.
Ein Pessach-Sederteller besteht aus »Maror«, »Karpas«, »Chaseret«, »Seroa«, »Charosset«, und »Beitzah« (im Uhrzeigersinn oben rechts beginnend). Alle Speisen erinnern an den Exodus.
Ein Pessach-Sederteller besteht aus »Maror«, »Karpas«, »Chaseret«, »Seroa«, »Charosset«, und »Beitzah« (im Uhrzeigersinn oben rechts beginnend). Alle Speisen erinnern an den Exodus.

»Ma nischtanah ha lailah haseh mi kol ha leiloth?« - Worin unterscheidet diese Nacht sich von all den anderen Nächten? Seit Jahrhunderten singen jüdische Kinder diese Frage zu Pessach, und der Vater erzählt - getreu der Haggadah, der überlieferten Geschichte - vom Auszug aus Ägypten, vom Weg durch die Wüste Sinai, als hätte er alles selbst erlebt.

»Gründungsakt« des jüdischen Volks

Rund 15 Millionen Juden in Israel und der Diaspora gedenken zu Pessach an den Exodus, den Auszug der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten. Eine Erfahrung der Befreiung war der »Gründungsakt« des jüdischen Volks. Angeführt von Moses und unter Gottes Schutz schloss sich für die Israeliten nach der dramatischen Flucht durchs Schilfmeer allerdings auch eine 40-jährige Wüstenwanderung ins gelobte Land Kanaan an.

Der abgebildete Pessach-Sederteller hat seinen Namen vom hebräischen Wort für »Ordnung« und besteht aus »Maror«, »Karpas«, »Chaseret«, »Seroa«, »Charosset«, und »Beitzah« (im Uhrzeigersinn oben rechts beginnend). Alle Speisen erinnern an den Exodus.

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Maror ist ein Bitterkraut, meist Meerrettich, das an die Bitterkeit der Knechtschaft in Ägypten erinnern soll.

Karpas - Sellerie, Radieschen, Petersilie oder Kartoffeln - symbolisiert als Frucht der Erde die harte Sklavenarbeit in Ägypten. Diese Erdfrucht wird während des Mahls in das Salzwasser getaucht und gegessen.

Chaseret, ein zweites Bitterkraut, kann (muss aber nicht) aus derselben Gemüseart wie Maror sein und wird zusammen mit dem Charosset gegessen.

Seroa ist eigentlich eine angebratene Lammkeule mit wenig Fleisch, die an die biblische Vorschrift der Opferung eines Pessach-Lamms im Jerusalemer Tempel erinnert. Da der Tempel nicht mehr steht, essen aschkenasische Juden (also Juden aus Mittel- und Osteuropa) heute keinen Lammbraten mehr; der Seroa bleibt zudem während des Seders auf dem Teller liegen.

Charosset ist eine Mischung aus Apfel- oder auch Feigenstückchen mit Datteln, Nüssen oder Mandeln, die mit etwas Rotwein zusammengeknetet und mit Zimt oder Ingwer bestreut werden. Die Paste symbolisiert den Lehm, aus dem die Israeliten in den Zeiten der Knechtschaft Ziegel herstellen mussten.

Beitzah schließlich ist ein gekochtes Ei und steht für die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens und für die Trauer um den zerstörten Jerusalemer Tempel.

Nicht im Bild ist, was ebenfalls unbedingt zu einem Sederteller gehört: ein Becher Wein nämlich, der für den Propheten Elia bestimmt ist.

Grafische Übersicht der Osterdatierung bei Johannes und den Synoptikern (Matthäus, Markus, Lukas).
Kreuzigung an einem jüdischen Hauptfeiertag? Die Evangelisten stellen das Datum von Jesu Kreuzigung unterschiedlich dar. Einig sind sich die Evangelien aber über die Wochentage des österlichen Geschehens: Kreuzigung am Tag vor dem Sabbat (»Freitag«), Grabesruhe am Sabbat, Auferstehung am folgenden Tag (»Sonntag«). Wie der Evangelist Johannes das Ostergeschehen datiert, gilt als historisch wahrscheinlicher. Auf ein gemeinsames Datum fielen der 14. Nisan (oder Erew Pessach) und der Karfreitag zuletzt im Jahr 2015.

Pessach war - neben Schawuot und Sukkot - zu Zeiten des Tempels das erste der drei Pilgerfeste, zu denen die Juden aus dem ganzen Land nach Jerusalem pilgerten. Es fällt in den jüdischen Frühlingsmonat Nissan, die Zeit der ersten Gerstenernte in Israel.

Der Name »Pessach« bedeutet »hinwegschreiten« oder »verschonen« und erinnert daran, wie Gott die Hebräer verschonte, als er während der letzten der zehn Plagen die ägyptischen Erstgeborenen sterben ließ.

Das Fest mündet in einer Trauerzeit

Während der acht Festtage wird nur ungesäuertes Brot (Matze) gegessen, um daran zu erinnern, dass der plötzliche Aufbruch aus Ägypten es nicht gestattete, den Brotteig vor dem Backen säuern und aufgehen zu lassen. Die Matzen sind dünne knusprige Fladenbrote, die unter strenger rabbinischer Aufsicht hergestellt werden. In einem jüdischen Haushalt darf sich zu Pessach kein Krümel gesäuertes Brot befinden. In einer Art Frühjahrsputz wird vor dem Fest jeder Winkel des Hauses gesäubert.

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Ostern

Fastenzeit, Passion, Ostern und Auferstehung - was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? In unserem Themen-Dossier »Ostern« finden Sie spannende Artikel, Informationen und Tipps zu den christlichen Fest- und Feiertagen.

Im Mittelpunkt des ersten Pessach-Tags steht nach dem Abendgottesdienst in den jüdischen Familien das große Seder-Festmahl. Nachdem die den einzelnen Speisen entsprechenden Stellen aus der Pessach-Haggada (= Pessach-Erzählung) vorgelesen und erklärt wurden, werden sie gemeinsam gegessen. Dazu werden in bestimmten Abständen vier Becher Wein getrunken. Sie symbolisieren die vier Versprechungen Gottes, der die Kinder Israels aus Ägypten herausführen, sie erretten, sie erlösen und als sein eigenes Volk annehmen will.

Der Gedanke an die Befreiung und das Lob Gottes stehen im Mittelpunkt des Sedermahls. Im zweiten Teil des langen Abends werden vor allem Lieder gemeinsam gesungen. Am achten und letzten Tag des Fests findet in der Synagoge eine Feier zum Gedenken an die Verstorbenen statt.

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