6.02.2018
Finanzskandal

Dallas-Geschäfte kosten Bistum Eichstätt Millionen

Dubiose Geldanlagen im texanischen Dallas haben im katholischen Bistum Eichstätt offenbar einen Millionenschaden verursacht. Und auch für das generelle Vertrauen in die Kirchen ist der aktuelle Finanzskandal Gift.
31 Kredite in Immobiliengeschäften in Höhe von insgesamt 60 Millionen US-Dollar sind von 2014 bis 2016 aus den Kassen des Bistums Eichstätt in die USA geflossen. Sieben bis zehn Prozent Zinsen sollten diese Anlagen abwerfen.
31 Kredite in Immobiliengeschäften in Höhe von insgesamt 60 Millionen US-Dollar sind von 2014 bis 2016 aus den Kassen des Bistums Eichstätt in die USA geflossen. Sieben bis zehn Prozent Zinsen sollten diese Anlagen abwerfen.

Sie sei sprachlos, sagt die Passantin auf dem Eichstätter Residenzplatz, angesprochen auf den jetzt bekanntgewordenen Finanzskandal in der katholischen Kirche: "Und ich zahle brav meine Kirchensteuer", schüttelt sie den Kopf. Der Generalvikar der Diözese Eichstätt, Isidor Vollnhals, erlebt hautnah die Stimmung im Bistum und erhält zahlreiche E-Mails. Manche sind voller Mitgefühl, die meisten Schreiber würden jetzt aber wieder über die Kirche schimpfen oder mit Austritt drohen, sagte er dem Evangelischen Pressdienst (epd).

Zur Beschönigung der Lage trägt nicht gerade bei, dass die Geschäfte, mit denen das Bistum Eichstätt wohl um einen Teil seines Anlagevermögens gebracht wurde, im texanischen Dallas gemacht wurden. Als am Dienstag der Rechtsanwalt und Wirtschaftsberater des Bistums, Ulrich Wastl, diese Einzelheit zu dem Millionen-Schaden erzählt, macht sich Heiterkeit unter den Pressevertretern breit. Viele kennen noch den TV-Fiesling J.R. Ewing aus der US-Serie "Dallas".

Fast wie mit TV-Fiesling J.R. Ewing aus der US-Serie "Dallas"

31 Kredite in Immobiliengeschäften in Höhe von insgesamt 60 Millionen US-Dollar sind von 2014 bis 2016 aus den Kassen des Bistums Eichstätt in die USA geflossen. Sieben bis zehn Prozent Zinsen sollten diese Anlagen abwerfen. 21,5 Millionen Dollar seien inzwischen fällig, erklärte Wastl. Davon seien, seit sich seine Kanzlei um die Aufklärung bemühe, lediglich 1,9 Millionen Dollar zurückgeflossen. Welche Höhe der Schaden für das Bistum letztendlich habe, lasse sich derzeit noch nicht beziffern, erklärte der Anwalt.

Sieben bis zehn Prozent Zinsen sollten die Anlagen abwerfen. Daraus wird wohl nichts werden.
Sieben bis zehn Prozent Zinsen sollten die Anlagen abwerfen. Daraus wird wohl nichts werden.

Man sei Opfer eines "investierten Vertrauens" geworden, stellte er fest. Für alle getätigten Geschäfte habe das Vier-Augen-Prinzip gegolten, räumte Wastl ein. Gegen den leitenden Mitarbeiter in der Finanzkammer, der die Anlagen des beschuldigten Beschäftigten gegenzeichnete, gebe es aber keine Ermittlungen.

Generalvikar Vollnhals erklärte, der Fall habe ihn betroffen und fassungslos gemacht. Dem Ärger von Kirchensteuerzahlern über den entstandenen Schaden "müssen wir jetzt mit einer sachlichen, transparenten Aufklärung begegnen", sagte er. Durch die Verluste seien keine Projekte von Kirchengemeinden gefährdet, versicherte der Generalvikar. Er kündigte an, dass das Bistum am 1. April einen neuen Finanzdirektor bekommt. Die Leitung der Finanzkammer, die nun mehr als ein Jahr vakant war, übernehme Florian Bohn. Der 39-Jährige habe nach einem Betriebswirtschaftsstudium Erfahrungen in verschiedenen mittelständischen Unternehmen gesammelt.

Kirche will jetzt "sachlich und transparent" aufklären

Der inzwischen entlassene Mitarbeiter des Bistums und sein Komplize aus den USA, die mit einem Sechstel des Anlagevermögens des Bistums Geschäfte gemacht haben, sitzen nach Informationen von Wirtschaftsberater Wastl in Deutschland in Haft. Im Juli vergangenen Jahres hatte der Bischof gegen den Mitarbeiter und die weitere Person aus den USA Anzeige wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit erstattet.

Das Bistum hatte die Machenschaften der beiden im Zuge der Transparenzoffensive aufgedeckt, die der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke im Jahr 2015 angeordnet habe, hieß es. Seither dürfen Geistliche nicht mehr mit der Kontrolle der Finanzen betraut sein. Die Diözese hat inzwischen auch ihren Vermögensverwaltungsrat überwiegend mit nicht-geistlichen Wirtschaftsexperten besetzt. Wastl kündigte für den Juni eine Bilanzpressekonferenz des Bistums an.

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