Was die Fastenzeit für Katholiken, Protestanten und Orthodoxe bedeutet

Keine Süßigkeiten, kein Alkohol heißt es ab Aschermittwoch für viele Christen. Denn nun beginnt die Fastenzeit. Was das für die einzelnen Konfessionen bedeutet, erklären Vertreter der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche.
Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg
Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg

»Wieder Platz machen für Gott«

Bischof Rudolf Voderholzer vom katholischen Bistum Regensburg:

»Die Fastenzeit, genauer gesagt die österliche Bußzeit, ist eine Vorbereitungszeit auf Ostern, das zentrale und bedeutendste Fest der Kirche. In der Feier des sogenannten Ostertriduums gedenkt die Kirche des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu Christi und somit dem Ursprung des ganzen Christentums und der Quelle unserer Erlösung. So wie Jesus sich 40 Tage durch Fasten und Gebet in der Wüste auf sein öffentliches Wirken vorbereitet hatte, so bereiten sich Katholiken 40 Tage lang auf die Begegnung mit ihm in der Osterfeier vor. Die österliche Bußzeit beginnt am Aschermittwoch und endet an Gründonnerstag. Sie will dazu beitragen, dass der Gläubige durch Verzicht auf Nahrung, eine Intensivierung des Gebetslebens sowie der gelebten Nächstenliebe seinen wahren Hunger nach Gott wieder neu erkennt und sein Leben danach ausrichtet. Wir Menschen sind durch unser Leben oft so angefüllt mit Gedanken, Problemen, Wünschen und Ängsten, dass Gott, der sich uns in seinem Wort und Sakrament schenken will, keinen Platz mehr findet. Die Fastenzeit ist dafür da, wieder Platz zu machen für Gott. So wie jeder Sonntag ein kleines Osterfest darstellt, so ist jeder Freitag mit dem Verzicht auf Fleisch eine kleine Fastenzeit, Zeit des Verzichts und der Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott im Sakrament.«

Dorothea Greiner, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Bayreuth
Dorothea Greiner, Regionalbischöfin des Kirchenkreises Bayreuth

»Was wir wirklich zum Leben brauchen«

Regionalbischöfin Dorothea Greiner aus dem evangelischen Kirchenkreis Bayreuth

»Das Fasten dient der Besinnung auf das Wesentliche. Der ursprüngliche Sinn ist, sich innerlich auf die zentralen Feste Ostern und Weihnachten vorzubereiten. Viele evangelische Christen verzichten freiwillig und bewusst eine Zeit lang auf bestimmte Dinge, um zu erfahren, was sie wirklich zum Leben brauchen. Sie spüren dabei auch, ob gar die Gefahr einer Abhängigkeit besteht - zum Beispiel bei Alkohol, Süßigkeiten oder dem Medienkonsum. Gerade diesen Bereich gilt es mit dem Fasten anzugehen. Typisch für die evangelische Kirche ist die Fastenaktion »Sieben Wochen ohne«. Das Motto in diesem Jahr heißt: »Selber denken! Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten«. Das ist ein gutes Motto. Wir denken allzu häufig darüber nach, was uns »vorgebetet" wird. Im Gebet - im Sprechen mit Gott - ändert sich unser Denken. Wir lernen unser Leben auf das zu gründen, was gewiss ist: die Liebe Gottes zu uns. Ich hoffe, es gelingt mir, in dem Bereich zu fasten, der am heikelsten für mich ist: die Zeit. Ich habe in unserem Kirchenkreis Bayreuth die Ökumenischen Alltagsexerzitien eingeführt und will mir selbst morgens in der Passionszeit mehr Zeit für Gott nehmen. Die vorbereiteten Meditationen mit Gebet und Bibelwort tun auch mir gut. Ich bin überzeugt: Mehr Beten am Morgen reduziert den Stress des ganzen Tages.«

Erzbischof Serafim Joanta, der Metropolit der rumänisch-orthodoxen Kirche für Deutschland und Zentraleuropa
Erzbischof Serafim Joanta aus Nürnberg, der Metropolit der rumänisch-orthodoxen Kirche für Deutschland und Zentraleuropa

»Die wahre Freiheit gewinnen«

Erzbischof Serafim Joanta aus Nürnberg, Metropolit der rumänisch-orthodoxen Kirche für Deutschland und Zentraleuropa:

»Die Fastenzeit ist eine Einladung, uns persönlich die Erlösung durch das Sterben und die Auferstehung Christi anzueignen. Sie ist eine Übung, durch die wir am Leiden und der Auferstehung des Herrn teilhaben. Kreuz und Auferstehung sind tägliche Wirklichkeiten: Wir sterben täglich mit Christus in allen Prüfungen des Lebens, aber wir erleben auch täglich unsere Auferstehung, wenn wir uns mit ihm im Glauben und im Gebet vereinen. Wichtig ist, dass wir unbeirrt daran glauben, dass im Kreuz schon die Auferstehung gegenwärtig ist und nicht der Tod, sondern die Auferstehung den ewigen Sieg erringen wird. Das Fasten ist dabei eine Übung zur Selbstzügelung, durch die wir die Leidenschaften überwinden und wahre Freiheit gewinnen. Es hilft uns zur Verinnerlichung, vor allem wenn wir beten. Die Gläubigen sollen fasten, also keine tierischen Produkte essen, sondern nur vegetarische. Und sie sollen sich körperlicher Vereinigung enthalten. Sie sollen häufiger beten als sonst und mehr in der Heiligen Schrift lesen. Und sie sollen den Bedürftigen helfen. Sie sollen beichten und die Heiligen Sakramente empfangen. Mittwoch und Freitag feiern wir abends in der orthodoxen Fastenzeit die `Liturgie der Vorgeweihten Gaben`. An diesen Tagen wird bis zum Abend gefastet. Ich selbst versuche, alle kirchlichen Regeln des Fastens einzuhalten.«

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, in der viele Christen auf bestimmte Lebensmittel oder schlechte Angewohnheiten verzichten. Wer fastet und warum?  Lesen Sie in unserem Dossier mehr zum Thema Fastenzeit: www.sonntagsblatt.de/Fastenzeit

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