13.09.2017
Kirche und die NS-Zeit

»Hitler-Glocke« soll nicht mehr läuten

Die sogenannte Hitler-Glocke im pfälzischen Herxheim am Berg soll verstummen. Das Presbyterium der Kirchengemeinde hat beschlossen, die umstrittene Glocke nicht mehr für den liturgischen Gebrauch zu nutzen.
Herxheimer Adolf-Hitler-Glocke
»Alles für‘s Vaterland – Adolf Hitler«, dazu ziert die Glocke ein Hakenkreuz. Der Turm der Kirche in Herxheim ist inzwischen für Fotografen gesperrt.

Neben dem Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde hat sich auch der Gemeinderat von Herxheim dafür ausgesprochen, das viertelstündige Schlagen der Glocke einzustellen. Ob die Glocke abgehängt wird, ist noch nicht entschieden.

Seit Wochen erregt in dem rund 750 Einwohner zählenden Herxheim am Berg im Landkreis Bad Dürkheim die 1934 gegossene Glocke mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift »Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler« die Gemüter. Zunächst hatte der Ort erwogen, den Kirchturm zu schließen, um den Zugang zu der Glocke zu verhindern. Mittlerweile hat der Gemeinderat beschlossen, ein Gutachten in Auftrag zu geben, auf dessen Grundlage das weitere Vorgehen besprochen werden soll. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat gefordert, die Glocke abzuhängen und ins Museum zu stellen.

Den ehrenamtlichen Bürgermeister von Herxheim am Berg, Ronald Becker (Freie Wähler), hat die Debatte um die Glocke sein Amt gekostet. Im ARD-Magazin »Kontraste« hatte er gesagt, er sei stolz auf die Glocke. Außerdem hatte er beklagt, dass Hitler immer nur mit Gräueltaten in Verbindung gebracht werde, nicht jedoch mit den Sachen, die in dieser Zeit auf den Weg gebracht worden seien und bis heute genutzt würden. Nach heftiger öffentlicher Kritik an seinen Äußerungen trat Becker zurück.

Unterdessen hat die NPD eine Kundgebung für den Erhalt der Glocke im Turm der Jakobskirche angemeldet.

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