18.05.2017
Doku über Chöre in Tansania

»Sing it loud« – Luthers Erben singen am Kilimandscharo

Über 1500 Chöre kommen jedes Jahr zum Sing-Festival der Evangelisch-Lutherischen Kirche Tansanias (ELKT) zusammen. Unvorstellbar für kirchenferne Deutsche wie die Filmemacherin Julia Irene Peters, die eher zufällig bei einem Tansania-Besuch von dem Wettstreit hörte – und einen Film über die singenden Lutheraner drehte, der nun im Kino zu sehen ist.
»Ein feste Burg«: der Kanaani-Jugendchor aus Arusha, Tansania.
»Ein feste Burg«: der Kanaani-Jugendchor aus Arusha, Tansania.

Unvorstellbar war für die deutsche Filmemacherin Julia Irene Peters auch, dass sich die tansanischen Chöre vollständig auf Eigeninitiative und Eigenständigkeit gründen. Heißt: Sie organisieren, finanzieren und promoten sich komplett selbst. Die  tansanische Kirche schwebt lediglich als frommes Dach über allen Beteiligten.

Der Aufwand bei den Teilnehmern ist also enorm, Stoff für Geschichten und Geschichte gibt es genug, und als das Lutherjahr nahte, waren neben privaten Sponsoren auch die Partnerkirchen der ELKT in Bayern und Sachsen bereit, die Produktion dieser Musikfilmdokumentation zu unterstützen.

So drehte Peters (und mit ihr noch Koregisseurin Jutta Feit und Kamerafrau Vita Spies) nicht nur, wohl zeitlich bedingt, auf dem zahlenmäßig viel kleineren, vorgeschalteten Festival des Kirchenkreises Arusha, sondern erzählt auch die exemplarischen Geschichten von sechs Menschen aus drei Chören in der expandierenden Stadt am Fuß des Kilimandscharo.

 

Der Neema-Chor aus Arusha, Tansania.
Der Neema-Chor aus Arusha, Tansania.

Erhellende Bilder, handwerkliche Mängel

Alle sind Autodidakten, alle kommen aus unterschiedlichen Milieus, und alle haben den unbedingten Willen zu siegen. Das erinnert durchaus an Wettbewerbe wie den European Song Contest, sieht aber wegen der selbst gebastelten Requisiten viel pittoresker aus.

Gesungen wird in praller Sonne, und die Juroren – statt der fünf sind es beim »kleinen« Wettbewerb nur zwei – tragen ihre Punktzahl noch selber mit spitzem Bleistift in ihre Kladde ein. Neben einem selbst komponierten Song ist ein protestantisches Kirchenlied Pflicht. Im Lutherjahr ist das passenderweise »Ein feste Burg ist unser Gott« – natürlich auf Suaheli.

In Tansania, Schwarzafrika, auf Lehmböden und Plastikstühlen sieht Chorpraxis dann so aus: Die frommen Sänger müssen für einen bezahlen, der Noten lesen kann und der dann mit ihnen, die keine Noten lesen können, die frisch gedruckten Choräle aus Deutschland einstudiert. Für Außenstehende klingt das skurril, für Eingeweihte hat das eine lange missionsgeschichtliche Tradition. Kritisch beleuchtet werden die Hintergründe und Zusammenhänge allerdings nicht.

 

Der Kanaani-Jugendchor aus Arusha, Tansania
Singende Lutheraner am Fuß des Kilimandscharo: der Kanaani-Jugendchor.

Chor beim Kirchentag

Dafür gibt es erhellende Bilder: Die Kamera fängt großzügig die flirrende Weite der trockenen Savannenlandschaft und beiläufig die typische Unordnung in der Stadt einerseits sowie kleinteilig das persönliche Umfeld der Protagonisten andererseits ein: die opulente Polstergarnitur des Mittelklasse-Ehepaars, stolze Besitzer einer Autowerkstatt. Der Besuch im Friseursalon, wo es gerade Mode ist, sich die Haare glätten und ondulieren zu lassen. Die Hütte der Kleinbauern, die sorgfältig mit einem Vorhängeschloss versehen wird, ehe sich das Ehepaar im Sonntagsstaat auf den Fußmarsch über die Felder zum Festival macht. Der Waisenjunge, der sich mit seinem Chorfreund ein Mini-»Studio« mit einem Uralt-Laptop auf dem wackligen Campingtisch eingerichtet hat und von einer Karriere als cooler Popstar träumt. Der Kamerablick ins Detail sagt mehr aus als die Protagonisten selber, wenn sie direkt in die Kamera sprechen.

Der Film hat handwerkliche Schwächen, aber er lohnt sich wegen seines »anderen«, von außen kommenden Blicks auf das lutherisch geprägte Tansania. Der porträtierte Kanaani-Jugendchor wird gemeinsam mit der Regisseurin viele Termine der Filmtour bis hin zum Kirchentag begleiten und musikalisch untermalen. Da könnte man noch mal nachfragen, wie es um das Singen und die Kirche in Tansania bestellt ist.

 

Ab 18. Mai. Kinofinder im Internet unter www.singitloud.de

TERMINE

Am Sonntag, 21. Mai, stellt die Regisseurin der Musikdoku »Sing it Loud - Luthers Erben in Tansania«, Julia Irene Peters, im Nürnberger Kino »Cinecitta« ihren Film vor. Begleitet wird sie dabei vom tansanischen Jugendchor Kanaani. Der Chor wird nach dem 90-minütigen Film einige A-cappella-Stücke singen.

Am Montag, 29. Mai, singt der tansanische Jugendchor auf der Bühne im Bayerischen Garten der evangelischen Landeskirche bei der Weltausstellung in Wittenberg.

Kinofinder im Internet unter www.singitloud.de

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