Prostatakrebs bei Männern: Warum jeder Mann sich untersuchen lassen sollte

Würzburg — 
Jedes Jahr erkranken um die 65.000 Männer in Deutschland an Prostatakrebs, die meisten leiden darüber hinaus irgendwann an einer Vergrößerung der Drüse. Trotz dieser Zahlen machen viele Männer aus Scham, Unkenntnis und Zeitmangel einen großen Bogen um Arztpraxen. Die Prostata Hilfe Deutschland, eine neu gegründete Initiative mit Sitz in Würzburg, will das Thema aus der Tabuzone holen und den Betroffenen Orientierung und Hilfestellung bieten.
Doktor Arzt Medizin Hand Hilfe

»Viele Männer überfordert schon der Verdacht einer Prostatakrebs-Erkrankung psychisch und emotional«

3 Fragen an Knut Müller vom Verein Prostata Hilfe Deutschland

Dass Männer über 45 regelmäßig ihre Prostata untersuchen lassen sollten, ist ja allseits bekannt - wozu braucht es Ihren Verein?

Müller: Es ist ja mit vielem so, dass wir eigentlich wissen, was gut für uns wäre. Die Realität ist indes eine andere. Die nackten Fakten sagen uns, dass nur jeder vierte Über-45-Jährige in Deutschland die Angebote der Prostata-Vorsorge nutzt. Die Frauen sind uns Männern da einen großen Schritt voraus und gehen viel häufiger zur Vorsorge. Frauen tabuisieren etwa das Thema Brustkrebs längst nicht so wie Männer Prostatakrebs. Das hat sicher etwas mit der persönlichen Erfahrung von Frauen zu tun, die bereits in jungen Jahren zu Vorsorgeuntersuchungen gehen.

Wenn Männer doch zum Arzt gehen und eine Prostataerkrankung festgestellt wird - wie gehen die Betroffenen damit um?

Müller: Wir haben da natürlich keine statistischen Daten für die rund 17 Millionen Männer ab 45 Jahren, die in Deutschland leben. Aber unsere Erfahrung bei der Prostata Hilfe Deutschland ist, dass »Mann« sich nach der Diagnose im Internet informiert - so habe ich das vor zwei Jahren auch gemacht. Danach war ich eher überinformiert und irgendwie auch desorientiert. Man findet dort zig falsche und schlechte Informationen, aber eben auch viele Fachinformationen für Mediziner. Das ist für einen Betroffenen nicht unbedingt hilfreich oder oft schwer verständlich.

Der Vereinssitz der Prostata Hilfe Deutschland ist Würzburg. Ist das reiner Zufall, weil Sie als persönlich Betroffene hier leben?

Müller: Ja, natürlich liegt das an uns, den Gründungsmitgliedern, die beinahe alle in und um Würzburg zu Hause sind. Wir haben uns in der Region außerdem sehr gut medizinisch betreut gefühlt und deshalb die Ärzte auf unsere Idee angesprochen und dafür begeistern können. Die Mediziner haben uns von Patienten erzählt, die mit Ausdrucken von eher nicht so seriösen Seiten vor ihnen saßen und völlig verunsichert waren. Da wollen wir mit unserer Internetseite etwas entgegensetzen. Mit klar strukturierten, verständlich aufbereiteten und dabei sachlich korrekten Informationen sowie kurzen Erklärvideos.

 

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