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Dieser Artikel: Ausgabe 45/2015 vom 08.11.2015
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Bayerns lutherische Stimme

Die unterfränkische Pfarrerin Jacqueline Barraud-Volk ist kirchenpolitisch bestens vernetzt


Es ist nicht so, als hätte Jacqueline Barraud-Volk nicht genug zu tun. Die evangelische Pfarrerin teilt sich im unterfränkischen Marktbreit mit ihrem Mann eine Pfarrstelle, unterrichtet am katholischen Gymnasium der Benediktiner, hat zwei Töchter. Und sie ist in der zweiten Legislaturperiode Mitglied der Landessynode der bayerischen Landeskirche, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Außerdem ist sie die erste Vizepräsidentin der VELKD-Generalsynode - und hat sich für ihre sechsjährige Amtszeit einiges vorgenommen.

»Wir brauchen Typen im Pfarrberuf, Leute, die nicht langweilig und nicht unfreundlich sind«, sagt Jacqueline Barraud-Volk.
Foto: epd/by
   »Wir brauchen Typen im Pfarrberuf, Leute, die nicht langweilig und nicht unfreundlich sind«, sagt Jacqueline Barraud-Volk.

        

Barraud-Volk will die VELKD näher an die EKD heranbringen. »Das ist kein einfacher Prozess, teilweise auch ein schmerzhafter«, sagt sie. Vor allem für lutherische Institutionen wie das Amt der VELKD in Hannover.

Denn: Die Pfarrerin will Synergien schaffen, indem Doppelstrukturen abgebaut werden. Für einige Institutionen der VELKD bedeute das einen gewissen Bedeutungsverlust, räumt Barraud-Volk ein, andere hingegen könnten dadurch aufgewertet werden. »Das liturgiewissenschaftliche Institut der VELKD könnte zum Beispiel auch für die EKD tätig sein«, schlägt sie vor. Wohl wissend, dass solche Vorschläge bei den Lutheranern und auch der Union Evangelischer Kirchen nicht nur gut ankommen. In der VELKD sind sieben lutherische Landeskirchen mit zusammen rund zehn Millionen Mitgliedern verbunden.

»Das kann man straffen«

»Es hat aber nun einmal keinen Sinn, dass die Synoden der EKD, der VELKD und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sich jeweils mit demselben Pfarrdienstgesetz befassen müssen«, sagt die 51-Jährige: »Das kann man straffen.« In den Debatten um solche Reformen dürfen auch mal klare und deutliche Worte fallen - ganz im Sinn Luthers also: »Aber Konfrontation allein ist zu wenig.«

Kompromissfähig müsse man allen persönlichen Überzeugungen zum Trotz sein: »Nicht jeder muss bei jeder Gelegenheit Martin Luthers Aussage ›Ich stehe hier und kann nicht anders‹ nachplappern.« Solchen Starrsinn könne man angesichts der vielen Herausforderungen für die Kirche nicht gebrauchen. Die evangelischen Kirchen in Deutschland sind laut Barraud-Volk »sicher reformfähig - und teils auch reformbedürftig«.

Sie sieht den deutschen Protestantismus »an einer Art Wendepunkt, den es zu gestalten gilt«. Man müsse, gerade auch bei Minderheiten, die spezielle Ansichten etwa zum Thema Homosexualität haben, das Bewusstsein wecken, »dass wir in Vielfalt eine Kirche sind«. Und das bedeutet für die gebürtige Lahrerin, dass man »in der Kirche jede Profilierung auf Kosten anderer« ablegen müsse. Damit hat sie auch ihren VELKD-Konsynodalen Carsten Rentzing im Blick, den sächsischen Landesbischof, der zu seiner Amtseinführung mit Aussagen zur Homosexualität bewusst polarisiert hatte.

Reformbedürftig ist der deutsche Protestantismus für Barraud-Volk auch wegen seiner überbordenden Bürokratie und Ordnungswut: »Überspitzt gesagt: Es gibt Gremien, die beschäftigen sich ellenlang mit der Frage, welche Farbe das neue Briefpapier haben soll, das künftig alle benutzen müssen - die eigentlich spannende Frage, wie man das Wort Gottes in die Gesellschaft hineinbringen kann, geht dabei manchmal etwas unter.«

Die Theologin bringt sich gerne ein, streitet auch mal, ganz im Sinne des Reformators: »Ich habe nicht wirklich ein dickes Fell. Aber wenn ich von etwas überzeugt bin, stehe ich auch dafür ein - immer um der Sache willen, für mein Ego brauche ich das alles nicht«, stellt sie klar.

Die kritisierte Regelungswut gibt es auch in ihrer eigenen Landeskirche, sagt Barraud-Volk. Zu aktuellen Pfarrerbilddiskussion hat die Synodale eine klare Meinung. Es sei kein einfacher Prozess, »weil man nicht alles schematisieren, kategorisieren und über einen Kamm scheren kann«. Wenn am Ende durch diesen Prozess eine Entlastung im Bereich der Verwaltung gelinge, wäre sie sehr dafür.

Das Wichtigste sei: »Wir brauchen Typen im Pfarrberuf, Leute, die nicht langweilig und nicht unfreundlich sind.« Das erfüllt Barraud-Volk selbst auf jeden Fall.

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Daniel Staffen-Quandt

 


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abgerufen 26.09.2016 - 17:34 Uhr

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