16.02.2017
Soziale Medien für Pfadfinder

Auf digitalen Wegen alte Werte finden

Erlangen — 
Nein, Frederik Wohlleben spricht nicht mit Eichhörnchen und umarmt auch keine Bäume. Und das, obwohl er Pfadfinder ist. »Das sind die immer wieder verbreiteten Klischees«, lacht der 21-Jährige. Was die Wenigsten aber wohl wissen: Die Pfadfinder anno 2017 sind durchaus auch auf digitalen Wegen unterwegs.
Pfadfinder Frederik Wohlleben aus Nürnberg mit Smartphone
Pfadfinder mit Smartphone: Frederik Wohlleben (21) aus Nürnberg setzt soziale Medien zum Erhalt der Gemeinschaft regelmäßig ein.

Schon die jährliche »Friedens-licht«-Aktion, bei der Pfadfinder in Österreich und Deutschland seit nunmehr 30 Jahren dazu aufrufen, sich für den Frieden einzusetzen, ließ im Dezember vergangenen Jahres aufhorchen: Das Motto lautete »Frieden: Gefällt mir« und sollte daran erinnern, auch im Internet Grenzen und Barrieren zwischen Menschen abzubauen, Freundschaften zu schließen und sich dafür einzusetzen, »die Welt ein wenig besser zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben«, wie die Aufforderung von Lord Robert Baden-Powell, des Gründers der Pfadfinderbewegung, an alle Pfadfinder weltweit lautet.

Wer sich da wunderte, dass die Scouts fernab jeder Naturburschen-Romantik tatsächlich auf das Internet und Plattformen wie Facebook setzen, der sollte sich mit Frederik Wohlleben unterhalten. In seinem Stamm St. Josef-Allerheiligen in Nürnberg sind Smartphone, Tablet und Whats- App ganz alltägliche Helferlein, um das Zusammenleben zu organisieren oder sich auszutauschen. Ohne jedoch die herkömmlichen Wege außer Acht zu lassen.

»Es gibt nach wie vor die wöchentlichen Treffen oder den Elternbrief zum Mit-nach-Hause-nehmen. Der persönliche Kontakt ist der Kitt, der unsere Gemeinschaft zusammenhält«, erklärt der Physik-Student der Universität in Erlangen, der auch dort eine eigene Facebook-Gruppe für ehemalige Pfadfinder-Studenten gegründet hat und pflegt.

Gerade hier zeige sich der klare Vorteil des Internets: Nach dem Studium verlassen viele Leute die Stadt und verlieren sich so bald aus den Augen. Online werde der Kontakt aber unkompliziert aufrechterhalten. Lagerfeuer werden dann vielleicht etwas seltener organisiert, »auch wenn die Sehnsucht nach den Zusammenkünften wie in der Jugend bei den meisten groß ist«, ist Wohlleben sicher. Doch auch zum Verabreden zur Kneipentour sei das Internet ein willkommenes Mittel.

Gegenüber Gott und sich selbst

Das Pfadfinder-Wesen geht aber ein ganzes Stück tiefer: Es sind immer noch die »guten, alten Tugenden« der 1907 in den USA gegründeten Erziehungsbewegung, die Pfadfinder auf der ganzen Welt zusammenschweißen, nicht nur in dem runden Dutzend Stämme, die im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen aktiv sind: die Pflicht gegenüber Gott, gegenüber Dritten und gegenüber sich selbst. Konkret bedeutet dies, die gemeinsame Zeit in der Natur sowie bei Aktionen zu verbringen. Die Schöpfung bewahren, spirituell sein, aber auch das Verständnis für andere Kulturen, ein Bekenntnis zum Frieden und der Respekt vor Natur und Menschen sollen gefördert werden.

»Pfadfinder sein, das ist nicht zuletzt die Erziehung zum mündigen Bürger«, weiß Wohlleben, dem das Interesse an der Gemeinschaft, der er seit 2004 angehört, praktisch in die Wiege gelegt scheint: Die Eltern waren auch begeisterte Pfadfinder, sind das aus dem Selbstverständnis dieser »Gemeinschaft auf Lebenszeit« heraus immer noch, sind aber wie die meisten Vertreter in den mittleren Lebensjahren nicht mehr im Vordergrund aktiv.

Der Sprössling umso mehr: Er sitzt im Vorstand des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt und beim BDKJ Nürnberg. Letzteres mag für einen Protestanten eher ungewöhnlich sein, da aber die Eltern gemischt-konfessionell sind, warum nicht? Und auch wenn sein Dachverband, die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) ein katholischer Pfadfinderverband ist, im Kopf und im Umgang werden keine Grenzen beim Bekenntnis gezogen.

»Der Fokus liegt auf der Jugend«, sagt Wohlleben. Seit anderthalb Jahren leitet er eine Gruppe zehn bis elf Jahre alter Jugendlicher, für die er eine Art »großer Bruder«-Rolle spielt. Er weiß, dass die Kommunkation mit seinen Jugendlichen vorwiegend über moderne Medien zustande kommt und aufrechterhalten wird, auch wenn die Smartphones beim Zeltlager im Gepäck bleiben müssen. Soweit geht die Offenheit der Technik gegenüber dann eben doch nicht.

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Sonntagsblatt