29.01.2016
Evangelische Publizistik

Wie der Evangelische Presseverband auf den Medienwandel reagiert

München — 
Der Evangelische Presseverband für Bayern e.V. nimmt am »Verkündigungsauftrag« der Kirche teil. Doch was bedeutet das in Zeiten von Digitalisierung und Medienwandel? Essay von EPV-Direktor Roland Gertz.
Evangelischer Presseverband für Bayern - gestern und heute

EPV 1.0: Was der Auftrag fordert

Es geht scheinbar erstmal gaaanz langweilig los: Mit einem Blick in die Satzung des Evangelischen Presseverbands für Bayern e.V. (EPV). Ja, der EPV, das zentrale evangelische Medienhaus in Bayern, ist als Verein organisiert – und das bereits seit 1932. Daher legt die Vereinssatzung fest, was der Auftrag des EPV e.V. ist. So heißt es in der aktuellen Fassung aus dem Jahr 2013 unter § 2:

»Zweck des Vereins ist die Förderung der kirchlichen Medienarbeit durch Wort, Schrift und Bild. Bei der Erfüllung dieses Zwecks, die einen Teil der notwendigen Lebensäußerung der Kirche darstellt, ist der Verein an das Bekenntnis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) gebunden. Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Herausgabe von evangelischen Nachrichtendiensten und Publikationen wie das Sonntagsblatt, Evangelische Wochenzeitung für Bayern, die Herstellung und Verbreitung von Büchern einschließlich des Gesangbuchs der ELKB, die Durchführung von oder Beteiligung an Veranstaltungen und Schulungen, sowie anderen mediale Tätigkeiten, auch im Internet.«

Daraus ergibt sich zweierlei: Erstens, dass der EPV am Verkündigungsauftrag der Kirche teilnimmt und ihn mit erfüllt. Und zweitens, dass der EPV die Wege, auf denen die christlichen Inhalte transportiert werden, ständig aktualisiert und weiterentwickelt werden muss.  

Spiegelbild dieser Veränderungen und stetigen Weiterentwicklung sind die neuen Arbeitsfelder, die in den letzten Jahren im EPV dazugekommen sind. So gehören zum EPV -  neben den etablierten Bereichen Sonntagsblatt, Evangelischer Pressedienst (epd), Evangelische Funk-Agentur (efa), Evangelisches Fernsehen (efs) und Claudius Verlag – der Bereich Vernetzte Kirche, die Evangelische Medienagentur (ema) als Dienstleister für kirchliche Kunden und der Bereich Online/Crossmedia.


EPV 2.0: Was die Kunden wollen

Was die Kunden vom EPV wollen? Viel, ganz viel. Weil die Kunden selbst so vielfältig sind wie die Angebote des EPV. Ein paar exemplarische Beispiele gefällig? Die Tageszeitungen wollen schnelle und sauber recherchierte Artikel des epd. Die Leserinnen und Leser des Sonntagsblatts wünschen sich neben aktuellen Berichten aus allen Regionen Basisinformationen über den christlichen Glauben, was sich an der enormen Resonanz auf die Glaubenskurse im Sonntagsblatt wie die Reihen »Personen der Bibel« (hier der Bestellschein als PDF) oder jetzt ganz neu »Evangelische Augenblicke« ablesen lässt. Antenne Bayern erwartet von der Evangelischen Funk-Agentur knackig-kurze Stücke wie die »Bayernreporter« oder »nachgedacht« für seine durchschnittlich bis zu 1,2 Millionen Hörerinnen und Hörer pro Stunde. Die Sendung »Lebensformen« auf Sat.1 benötigt vom Evangelischen Fernsehen spannende Geschichten und Reportagen.

Wer zu einem Claudius Buch greift wünscht sich Bücher mit religiös-spirituellem Inhalt oder Bücher, die erklären, wie die Welt tickt. Oder fachlich hochkompetente Schulbücher und Unterrichtsmaterialien. Wenn Kirchengemeinden bei Vernetzter Kirche Musterwebsites bestellen, erwarten sie fachkundige Beratung, schnellen Support und Technik, die ohne Macken funktioniert. Kunden der Evangelischen Medienagentur verlassen sich darauf, dass die bestellen Produkte wie Filme, Online-Produkte oder Printwerke ebenso professionell geliefert werden wie gebuchte Fortbildungen oder Veranstaltungen.

Doch dann gibt es noch ganz andere Kundenwünsche: Menschen beispielsweise, die per handgeschrieben Brief samt beigelegter Briefmarken die aktuelle Ausgabe von »Kirche im Rundfunk« mit den Predigten der sonntäglichen »Morgenfeier« im Bayerischen Rundfunk ordern. Oder Kunden, die die neueste Ausgabe des Magazins »Sonntagsblatt THEMA« bestellen. Zugleich wächst natürlich die Zahl derer, die längst alles online suchen, finden und bekommen: Die täglichen epd-Meldungen auf das Smartphone, Podcasts und Videocasts, oder E-Books aus dem Claudius Verlag.

Und dann ist da noch der Kunde Kirche – genauer gesagt: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die mit ihrem jährlichen Zuschuss den EPV in die Lage versetzt, seine satzungsgemäßen Aufgaben zu erfüllen. Dieser Zuschuss stellt nach den Verkaufs- und Anzeigenerlösen im EPV das zweite große Standbein auf der Einnahmenseite dar. Immer wieder taucht in diesem Zusammenhang die Frage nach der Unabhängigkeit und der journalistischen Freiheit auf. Kann denn der EPV überhaupt objektiv und mit kritischer Distanz über Ereignisse innerhalb der bayerischen Landeskirche berichten? Eine Antwort steckt in den vielen Leserbriefen, die Woche für Woche die Sonntagsblatt-Redaktion erreichen und die die ganze Bandbreite abbilden. Die einen werfen der Redaktion vor, dass das letzte Interview mit einem Kirchenvertreter nicht eine einzige kritische Frage enthalten habe und damit zu einer einzigen Lobhudelei verkommen sei; die anderen kritisieren, dass mit der fundierten Darstellung der finanziellen Schieflage einer kirchlichen Einrichtung die Sache des Evangeliums massiv Schaden genommen habe.      


EPV 3.0: Was die Medienwelt verlangt

Die moderne Medienwelt fordert vor allem dreierlei: Flexibilität, Kreativität und Schnelligkeit. Was heute aktuell ist, kann morgen schon wieder veraltet sein. Der Hype rund um Pokemon Go! ist längst vorbei. Wer heute noch SMS-Botschaften verschickt gilt als Oldie. Twitter und Facebook – na ja. Snapchat ist angesagt, aber wer weiß, wie lange noch?

Bei publizistischen Tankern wie »Bild« und »Welt« liegt die Zeitspanne für strategische Planungen inzwischen bei maximal sechs Monaten. Agiles Arbeiten ist der neue Standard. Trotz allerlei Versuche mit Bezahlangeboten, Paywalls oder Abo+Angeboten verdient (fast) niemand Geld mit journalistischen Inhalten im Netz. Die Gewinne großer Medienkonzerne wie Springer und Bertelsmann im digitalen Bereich stammen stattdessen aus Online-Portalen für Shopping, Partnervermittlung, Immobilien, Reisen oder Tierfutter.

Fast jeden Tag gibt es Meldungen über Fusionen und Übernahmen in der Medienwelt, fast jeden Tag gibt ein Verlag bekannt, dass er angesichts wegbrechender Einnahmen aus dem Anzeigen- und Verkaufsgeschäft im klassischen Printbereich Stellen abbauen und Menschen entlassen muss. Fast jede Woche melden - inzwischen auch öffentlich-rechtliche - Radio- oder Fernsehsender, dass sie angesichts hoher Defizite bei Programm und Personal sparen müssen. Auch das sind Formen von Flexibilität, die der modernen Medienwelt geschuldet sind.


EPV 4.0: Was der EPV liefert

Flexibilität, Kreativität und Schnelligkeit. Diese drei Herausforderungen der modernen Medienwelt gelten auch für den EPV. Ohne Einschränkung. Dazu kommt noch eine vierte: die Qualität. Deshalb investiert der EPV in die Qualität seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa durch regelmäßige Fortbildungen. Er investiert in eine gute Ausstattung der Arbeitsplätze, der Räume, der Technik. Er versucht, etwa durch familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und ein interessanter Arbeitgeber zu sein.

Der EPV steckt mitten im digitalen Wandel. Das Erfolgsrezept für die erfolgreiche Zukunft im Strom der Digitalisierung kennt auch der EPV nicht. Deshalb wird auch im evangelischen Medienhaus inzwischen agiles Arbeiten praktiziert, samt vieler Sprints mit realistischen Zwischenzielen statt seitenlang ausgefeilten 3-, 5- oder 10-Jahrespläne.

Erste Ergebnisse des digitalen Wandels im EPV sind insbesondere in den letzten Monaten schon sichtbar geworden: Lutherpedia, Storytelling zu Robert Geisendörfer, oder multimedial aufbereitete Redaktionsgespräche wie zuletzt mit dem Münchner Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Oder der neue EPV-Newsletter, der neu aufgestellte Bereich Online/crossmedia oder die Aktion #nächstenliebejetzt. Im Hintergrund laufen die Sprints zum kompletten Relaunch von Sonntagsblatt.de und dem neuen Shopsystem, beide mit Zieleinlauf Anfang 2017.

Der digitale Wandel dient dazu, den EPV zu einem zukunftsfähigen evangelischen Medienhaus zu machen, um den zentralen Satzungszweck des EPV e.V. zu erfüllen: die Teilhabe an der Verkündigung des Evangeliums durch eine professionelle evangelische Medienarbeit.

Es ist noch viel Arbeit. Es ist noch viel Veränderung auf dem Weg zu einem Medienhaus auf der digitalen Höhe der Zeit. Es ist – zum Glück – kein Schwelgen in der guten alten Zeit, in der alles angeblich besser, entspannter und einfacher war. Es ist stattdessen: ein Geist des Aufbruchs, der Blick nach vorne. Einfach EPV 4.0 und EPV go!

Dieser Text ist erschienen in den »Nachrichten« der ELKB, Ausgabe 4/2016.

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