Eine Reise nach Odessa führt mitten hinein in den Alltag eines Landes im Krieg – und zugleich zu Menschen, die sich der Angst mit erstaunlicher Zuversicht entgegenstellen. Der Münchner Regionalbischof Thomas Prieto Peral besuchte gemeinsam mit Dekan Jörg Breu aus Regensburg und Dekan Wenrich Slenczka aus Würzburg die evangelisch-lutherische Gemeinde in der Stadt und den umliegenden Dörfern. Anlass war die Unterzeichnung einer Partnerschaftsvereinbarung zwischen dem Evangelischen Dekanat Regensburg und der Gemeinde St. Paul in Odessa.
Besuch bei der lutherischen Gemeinde in Odessa
Schon eine kleine Szene wurde zum Sinnbild der Reise. Bei einem Rundgang durch Odessa zeigte die Begleiterin aus der Gemeinde auf eine Malve am Straßenrand. Sie sei dort bewusst gepflanzt worden, erklärte sie.
Viele Menschen setzten Blumen, "weil uns das Kraft gibt in diesem Krieg".
In der Stadt liegen Normalität und Bedrohung dicht beieinander: Menschen flanieren durch Parks und sitzen in Cafés, zugleich heulen mehrmals täglich die Sirenen. Besonders am Hafen sind die Folgen der russischen Angriffe sichtbar.
Ein geistliches Zentrum der Stadt ist die evangelisch-lutherische St.-Paul-Kirche. Nach Jahrzehnten des Verfalls wurde sie restauriert und 2010 neu eingeweiht. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) hatte die Renovierung wesentlich unterstützt.
Heute ist die Kirche Gotteshaus, Kulturort und Oase in der Stadt. Während des Besuchs begann ausgerechnet zu Beginn des Gottesdienstes ein Luftalarm. Die Gemeinde verließ die Kirche nicht und sang weiter, so wie sie es im Gottesdienst immer tut bei Luftalarm. Aus der anfänglichen Beklemmung der Gäste wurde die Erfahrung eines Gottesdienstes als "Fest gegen die Angst".
Hoffnung pflanzen mitten im Krieg
Die Gemeinde gehört zur Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine (DELKU). Die kleine lutherische Kirche hat heute nur noch rund 1.000 Mitglieder und ist seit 2022 eigenständiges Mitglied des Lutherischen Weltbundes und der Gemeinschaft Evang. Kirchen in Europa (GEKE). Ihre Wurzeln reichen weit in die Geschichte der deutschen und lutherischen Gemeinden im Gebiet der heutigen Ukraine zurück. Nach der nahezu vollständigen Zerschlagung kirchlichen Lebens in der Sowjetzeit begann ab 1990 ein Neuaufbau.
Dabei spielte die ELKB eine wichtige Rolle. Seit Anfang der 1990er Jahre begleitet sie die DELKU durch kirchliche Partnerschaft, Personalentsendungen, Projektförderung und Begegnungen. Nach einer schweren innerkirchlichen Krise ruhte die Zusammenarbeit zwischen 2014 und 2018; mit der neuen Kirchenleitung unter Bischof Pavlo Shvarts wurde sie wieder aufgenommen. Seit Beginn der russischen Invasion unterstützt die ELKB gemeinsam mit weiteren kirchlichen Partnern auch humanitäre und diakonische Projekte in der Ukraine.
Projekte in der Ukraine, Verbindung nach Regensburg
Die Verbindung zwischen Regensburg und Odessa hat zusätzlich eine besondere Geschichte: Beide Städte haben auch politisch eine Städtepartnerschaft, daraus erwuchsen kirchliche Kontakte. Die nun bekräftigte Partnerschaft soll die Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie vertiefen.
Wie sehr dabei Zukunftshoffnung mehr ist als ein Wort, zeigte sich auch in Nowohradkiwka bei Odessa. Von der früheren lutherischen Kirche im ehemaligen deutschen Dorf Neuburg stehen nur noch die Außenmauern. Im Ort gibt es auch nur noch ein paar Dutzend Lutheraner.
Trotzdem plant die kleine Gemeinde den Wiederaufbau. Für ein deutsches Immobilienkonzept wäre das sicher ein Projekt ganz hinten auf der Prioritätenliste. Für die Menschen vor Ort ist es dagegen immens wichtig: ein sichtbares Zeichen, der Zerstörung etwas entgegenzusetzen. Vielleicht beginnt Hoffnung ja genau so – mit einer Ruine, die man nicht aufgibt, einem Gottesdienst während des Luftalarms oder einer Malve am Straßenrand.
Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche der Ukraine
Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche der Ukraine hat (2026) rund 1.000 Mitglieder und ist seit 2022 eigenständiges Mitglied des Lutherischen Weltbundes und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Ihre Wurzeln reichen weit in die Geschichte der deutschen und lutherischen Gemeinden im Gebiet der heutigen Ukraine zurück. Nach der nahezu vollständigen Zerschlagung kirchlichen Lebens in der Sowjetzeit begann ab 1990 ein Neuaufbau.
Die bayerische Landeskirche begleitet die Kirche seit den 1990er Jahren durch Partnerschaft, Personalentsendungen, Projektförderung und Begegnungen. Nach einer schweren innerkirchlichen Krise ruhte die Zusammenarbeit zwischen 2014 und 2018; mit der neuen Kirchenleitung unter Bischof Pavlo Shvarts wurde sie wieder aufgenommen. Seit Beginn der russischen Invasion unterstützt die bayerische Landeskirche gemeinsam mit weiteren kirchlichen Partnern auch humanitäre und diakonische Projekte in der Ukraine.
Folgende Kirchen gehörten zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine:
- St. Pauli in Odessa
- Berdiansk
- Donezk
- Winniza
- Shitomir
- Alexandria
- Versöhnungskirche Poltawa
- Himmelfahrtskirche; Charkiw
- St. Katharina, Kiev
- Verklärungsgemeinde, Bila Zerkwa
- Saporischschja
- Smijiwka, Schlangendorf
- St. Martin, Kiew
- Krementschuk
- Krywyj Rih
- Novohradkiwka (Neuburg)
- Petrodolynskoe (Peterstahl)
- Erlöserkirche Schostka
Die zentrale Webseite ist über diesen Link zu erreichen.