15.10.2017
Kirche und Kultur

Die Kirchenbänke raus, eine Fußbodenheizung und eine moderne Beschallungs- und Lichtanlage rein: Die Dreieinigkeitskirche im Nürnberger Stadtteil Gostenhof soll bald nicht nur umgebaut, sondern für jedermann geöffnet und damit »fit für die Zukunft« gemacht werden.
Peter Bielmeier, Pfarrer in Nürnberg-Gostenhof, in den Kirchenbänken der Dreieinigkeitskirche.
Ein Bild, das wohl bald der Vergangenheit angehört: Peter Bielmeier, Pfarrer in Nürnberg-Gostenhof, in den Kirchenbänken der Dreieinigkeitskirche. Die Bänke kommen raus, mehr Leben soll rein.

Wir müssen was machen« – mit dieser Haltung schauten sich Anfang 2016 Pfarrer Peter Bielmeier und Mitglieder des Kirchenvorstands ihre Kirche mal genauer an. Der Schuh drückte einerseits bei den Besucherzahlen der Gottesdienste: Wenn nicht gerade ein großes Kirchenfest anstand, wurden schon mal unter 20 Menschen in den Kirchenbänken gezählt. »Eine kritische Masse ist damit unterschritten«, meint Pfarrer Bielmeier. Andererseits hatte sich die Dreieinigkeitskirche mittlerweile den Ruf einer Konzertkirche erarbeitet, in der von klassischer geistlicher Orgelmusik bis hin zu Blues und Rockmusik so ziemlich alles möglich scheint und die auch wegen ihrer guten Akustik gebucht wird. Und im Foyer des Kirchenraums fand der monatliche Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst schon länger Anklang. Eine Basis, auf die sich bauen lässt, dachten sich Pfarrer und Kirchenvorstand.

Die eigentliche Initialzündung zum nun anstehenden Projekt kam aber beim Besuch eines Architekten des Landeskirchenamts München. »Wieso denkt ihr nicht eine Nummer größer?« – Diese Frage stand jetzt im Raum. Das Team kam zum Entschluss, in der 1903 eingeweihten Kirche etwas zumindest für die Nürnberger Region bisher Einzigartiges umzusetzen: »Unsere Kirche soll zum kulturellen und gemeinschaftlichen Zentrum im Gostenhof werden«, sagt Pfarrer Bielmeier. Regelmäßig sollen beispielsweise Musikveranstaltungen stattfinden, der Raum kann flexibler für Ausstellungen, Lesungen oder sonstige Anlässe genutzt werden. Dafür werde die Kirchengemeinde eine halbe Stelle für einen Koordinator schaffen, der die Kirche vermarktet. »Jeder soll willkommen sein, unabhängig von Konfession, Herkunft oder Bildung«, sagt Bielmeier.

Dreeinigkeitskirche Gostenhof: Holzbänke müssen weichen

Nachdem ohnehin in den vier kalten Monaten des Jahres die Gottesdienste im Gemeindehaus stattfinden, verzichtet man künftig auf die Holzbänke in der Kirche. Sie werden einer modernen, flexiblen Bestuhlung weichen, die hinter einer noch einzuziehenden Wand in der jetzigen Apsis verschwinden sollen. Ein oberfränkischer Fachbetrieb wird eine moderne Beschallungs- und Lichtanlage installieren, die vom Mesner sogar per Tablet bedient werden kann. Der Hauptzugang soll künftig auf der Südseite der Kirche angelegt und mit einer Rampe für Rollstühle versehen werden. Dazu nimmt die Gemeinde auch den Behindertenbeirat der Stadt Nürnberg mit ins Boot. Auch für die Außenanlagen braucht man die Kommune, da das Areal nicht der Kirchengemeinde gehört.

Nach dem Gottesdienst soll künftig mindestens zweimal im Monat Gelegenheit zum Austausch bei Kaffee und Kuchen angeboten werden. Ebenso sei es denkbar, den Kirchenraum für den Betrieb einer Tafel unter der Woche zur Verfügung zu stellen.

Altarraum der Dreieinigkeitskirche Nürnberg bleibt erhalten

Im Landeskirchenamt in München werde derzeit ein Auslobungstext für einen Architektenwettbewerb erstellt, erklärte Bielmeier. Die evangelische Landeskirche habe bereits zugesagt, ein Drittel der Kosten zu übernehmen, die Bielmeier auf zwischen einer und anderthalb Millionen Euro schätzt. Was nahezu unverändert bleibt, ist der Alttarraum: Schließlich sei es nach wie vor eine Kirche und solle auch als solche erlebt werden.

»Wir sehen diese Umgestaltung und die neue Ausrichtung als eine langfristige Investition in die Zukunft an«, erklärt der Pfarrer. »Denken in Räumen« – das sei eines der Schlagworte, welches nach der Landessynode in Coburg vom kirchlichen Reformprozess »Profil und Konzentration« heute regelmäßig zu hören sei. »Im Prinzip haben wir schon ein Jahr zuvor in dieselbe Richtung gedacht.«

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