22.11.2015
SPD-Fraktionschef Rinderspacher

Rinderspacher: Synode ist kein Ort zur Selbstprofilierung

Der bayerische SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher gehört seit einem Jahr zur Synode der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Die Berufung in die Landessynode kam für den Politiker überraschend.
Markus Rinderspacher
Markus Rinderspacher

Markus Rinderspacher ist ein Mann der moderaten Töne. Kein verbaler Haudrauf, er redet überlegt, seine Kritik ist oft messerscharf, aber fürs Bierzelt zu ausgewogen. Insofern passt der Chef der bayerischen SPD-Landtagsfraktion wunderbar in die Synode der evangelisch-lutherischen Landeskirche. »Ich bewundere, mit wie viel Empathie und Akribie bei den Synodaltagungen diskutiert und argumentiert wird«, sagt der 46-jährige Berufspolitiker, der seit einem Jahr als berufener Synodaler dazugehört: »Man versucht, alle auf den Wegen der Entscheidungen mitzunehmen.«

Eine Erfahrung, die der Fraktionsvorsitzende so aus dem Landtag nicht kannte. Seit sechs Jahren steht er an der Spitze der Sozialdemokraten im bayerischen Parlament. »Wie die Mitglieder der Landessynode - egal, ob nun konservativ oder liberal, sehr fromm oder auch nicht - zusammen nach Lösungen suchen, da könnte sich der Landtag schon eine Scheibe von abschneiden«, findet er. Gleichwohl weiß er natürlich, dass man die beiden Gremien nicht miteinander vergleichen kann: »Ich mache da auch als Landtagsabgeordneter keine Parteipolitik, das gehört dort nicht hin.«

Kein Kirchgänger, aber Christ

Dass Rinderspacher in die Landessynode berufen wurde, hat ihn »sehr gefreut«, aber schon auch ein bisschen überrascht. »Ich bin kein großer Kirchgänger und auch in meiner Gemeinde nicht engagiert«, sagt er. Er sei aber bekennender Christ und überzeugt evangelisch: »Ich will in der Synode meinen Beitrag leisten und dadurch zeigen, dass die Kirchen ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind.« Das schätzt er übrigens auch an Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: »Ich finde es hervorragend, wie er sich als Gesicht der Kirche in der Flüchtlingspolitik positioniert.«

Bedford-Strohms Positionierung dürfte nicht jedem Synodalen gefallen, glaubt er. »Ich wünsche mir in Schweinfurt eine Aussprache zum Thema - angesichts brennender Flüchtlingsheime und Attentate auf Politiker«, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. Denn es gebe gerade auch von anderen Synodalen Wortmeldungen zum Thema, die er »so nicht mittragen« will. Er wolle niemandem vorschreiben, wie er sein Amt als Synodaler ausfüllt und begreift: »Ich versuche mich da in Bescheidenheit zu üben: Für mich geht es in der Synode um die Sache und nicht um Selbstprofilierung.«

Das kann man durchaus auch als Kritik an manchem Mitsynodalen aus dem Landtag verstehen, auch wenn Rinderspacher keine Namen nennen will. »Natürlich kann man bei jeder Gelegenheit betonen, dass man Christ und gerne evangelisch ist«, sagt er: »Aber wer in Sonntagsreden christliche Werte wie Ehe und Familie hochhält, dann aber den Familiennachzug für Flüchtlinge infrage stellt, macht sich unglaubwürdig.« Deshalb halte er es für klüger, das Christsein im Parlament nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen - und das Politikersein in der Synode ebenfalls hintanzustellen.

Dossier

Landessynode

Das bayerische Kirchenparlament, auch Landessynode genannt, bestimmt auf ihren Tagungen den Kurs der evangelischen Kirche in Bayern. Die wichtigsten Entscheidungen, aktuelle Entwicklungen sowie Interviews mit den Synodalen finden Sie in unserem Dossier zum Thema Landessynode:   www.sonntagsblatt.de/landessynode

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