Am Montagabend ist die CSU-Landtagsabgeordnete Barbara Becker in Ochsenfurt zur Präsidentin des fränkischen Weinbauverbands gewählt worden. Erstmals in dessen 190-jähriger Geschichte steht eine Frau an der Spitze. Die 56-Jährige kommt aus einer Winzerfamilie und ist nach wie vor als Winzerin im Nebenerwerb tätig. Zuletzt hatte sie verschiedene Ehrenämter in der bayerischen Landeskirche sowie in der kirchennahen Arbeit ihrer Partei und des Landtags. Einige Ehrenämter will sie abgeben, Landessynodale aber will sie ebenso weiter bleiben wie Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CSU.

Frau Becker, wo liegen aus Ihrer Sicht die großen Herausforderungen für Wein aus Franken und was wollen Sie als Präsidentin des Weinbauverbands für die Anbauregion erreichen? ⁠

Barbara Becker: Das gibt es einige Herausforderungen. Die Menschen trinken weniger Alkohol, sie trinken bewusster. Das ist natürlich gut. Gleichzeitig aber kommen nur 40 Prozent der in Deutschland verkauften Weinflaschen aus den deutschen Anbaugebieten, während etwa Italien seinen Absatz hierzulande noch einmal gesteigert hat. Die Franken denken ja gerne, sie müssen nur gute Arbeit machen und irgendwann merkt's schon jemand. Aber ich glaube, die Menschen wollen eine Geschichte, ein Erlebnis kaufen - und genau da müssen wir jetzt ansetzen: Was ist unsere Geschichte, die wir mit dem fränkischen Wein verbinden?

"Meine Aufgaben im Evangelischen Arbeitskreis der CSU verteilen wir anders"

Sie haben angekündigt, einige Ihrer Ehrenämter aufgeben zu wollen, wenn Sie zur Präsidentin des Weinbauverbands gewählt werden. Wie genau schauen Ihre Pläne aus?

Ich werde auf jeden Fall berufenes Mitglied der Landessynode der bayerischen Landeskirche bleiben. Ich hoffe, dass ich mindestens eine der beiden Tagungen im Frühjahr oder Herbst wahrnehmen kann. Aber ich habe mich in der neuen Legislaturperiode seit März bewusst nicht mehr für den Landessynodalausschuss aufstellen lassen - das ist ein zu großer Zeitaufwand neben dem neuen Präsidenten-Amt, wenn man es gut machen will. Meine Aufgaben im Evangelischen Arbeitskreis der CSU verteilen wir anders. Auf Bundesebene und im Bezirk ziehe ich mich zurück, auf Landesebene bleibe ich Vorsitzende.

Sie sind die erste Frau im Amt einer Weinbauverbands-Präsidentin - nicht nur in Franken, sondern auch in allen anderen Weinbauverbänden. Was werden Sie anders machen, alleine weil Sie den weiblichen Blick mitbringen?

Zuerst glaube ich, es ist nicht die alles entscheidende Frage, ob ich eine Frau bin - aber es ist schon eine Ehre, dass ich die erste Frau sein darf in diesem Amt. Mein Anspruch ist allerdings auch, dass ich nicht die einzige Frau in Leitungsfunktion bei den Weinbauverbänden bleibe. Ich glaube, wir als Weinbauverbände tun gut daran, stärker auf die Winzerinnen zuzugehen und sie auch sichtbar zu machen. Es gibt dort bereits tolle Netzwerke, aber es muss noch mehr gezielte Personalentwicklung im Ehrenamt stattfinden. Und zudem will ich die potenziellen Kundinnen und ihre Bedürfnisse mehr in den Blick nehmen!