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Für viele Kinder gibt es keine schlimmere Strafe als ein Handyverbot. Doch ist dies als Erziehungsmaßnahme sinnvoll? Das rät eine Medienexpertin.
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Jede Familie kennt Situationen wie diese: Das Kind hat keine Lust auf Hausaufgaben und erledigt sie nur halbherzig oder gar nicht. Irgendwann fliegt das auf. Und die Reaktion der Eltern folgt prompt: Indem sie etwa das Smartphone eine Zeitlang einkassieren.

Aus Sicht der Eltern ist diese Reaktion völlig logisch, denn: Wenn das Kind sich nicht an Regeln und Abmachungen hält – wie etwa die, dass Hausaufgaben in jedem Fall erledigt werden müssen – dann muss es mit den Konsequenzen leben.

Das Kind sieht das vermutlich ganz anders. Beginnt zu diskutieren, wird wütend und gibt den Eltern zu verstehen: Das ist sowas von ungerecht!

Handyverbot als Erziehungsinstrument?

Ist es das? So gesehen schon, gibt Mediencoach Kristin Langer von der Medieninitiative "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht" zu bedenken: "Sofern keinerlei Zusammenhang zwischen der Verfehlung und der Konsequenz besteht, wird sich kaum eine Einsicht und damit eine mögliche Verhaltensänderung einstellen."

Anders gesagt: Wenn das Smartphone überhaupt nichts mit der Nachlässigkeit des Kindes bei den Hausaufgaben zu tun hat, sollte es auch bei der Bestrafung keine Rolle spielen, sagt Diplom-Medienpädagogin Kristin Langer, die selbst Mutter einer Tochter ist:

"Unsere Herausforderung als Eltern ist es, Mediengeräte und deren Nutzung nicht pauschal als Erziehungsinstrument zu gebrauchen."

Tipp 1: Angepasst an die Situation reagieren

Natürlich braucht es gar nicht viel elterliche Phantasie, um sich Situationen vorzustellen, in denen es diesen Zusammenhang geben könnte, von dem die Expertin spricht: Wenn das Kind zum Beispiel den Nachmittag am Smartphone verdaddelt, statt die Hausaufgaben zu erledigen. Dann könnte das Handy dieser Logik zufolge auch durchaus eine Rolle bei der Bestrafung spielen.

Denn in dem Fall reagieren Eltern nicht pauschal, indem sie dem Kind zeitweise das verwehren, was ihm mutmaßlich am meisten zu schaffen macht. Sondern angepasst an die Situation. Und dann sehe die Sache schon ganz anders aus, so Mediencoach Kristin Langer.

In anderem Kontext, aber ebenfalls ganz gewöhnlichen Alltagssituationen sei das schließlich so ähnlich: Räumt das Kind nicht wie vereinbart sein Zimmer auf, wird dort auch nicht geputzt. Landet das Lieblings-T-Shirt nicht im Wäschekorb, dreht sich die Waschmaschine eben ohne das gute, aber leider gerade verdreckte Stück, das damit erstmal nicht zur Verfügung steht.

Tipp 2: So kann sich ein Lerneffekt ergeben

Dieser sachliche Zusammenhang zwischen Fehlverhalten und der elterlichen Reaktion darauf gelte auch für die Medienwelt, sagt Langer.

Beispiel: Eltern haben mit ihrem Kind vereinbart, dass es sich neue Apps erst aufs Handy laden darf, wenn es dies vorher mit ihnen besprochen hat. Hält sich das Kind nicht daran, könnten das Budget für Apps oder das Handyguthaben gekürzt werden. Beides spielt ja eine Rolle bei dem Verhalten, das dem Kind in der aktuellen Situation angekreidet wird.

"Für unser Kind ist also eine direkte Einschränkung eine Zeitlang spürbar, aus der sich ein Lerneffekt ergeben kann",

sagt Langer. Der Lerneffekt lautete dann etwa: Wenn ich mich nicht an die Regel halte, riskiere ich, dass mir das Handy weggenommen wird. Dabei möchte ich es doch gerne nutzen. Die Angelegenheit könnte sich also nicht ganz optimal entwickeln für mich.

Tipp 3: Abmachungen treffen

Mediencoach Kristin Langer geht sogar noch weiter – sie regt an, ältere Kinder einzubinden in das System aus Ursache und Wirkung: In dem Fall treffen Eltern und Kinder gemeinsam Abmachungen – etwa mit Blick auf die Nutzung des Smartphones – und überlegen sich im Gespräch, welche Konsequenzen folgen, wenn diese Abmachungen gebrochen werden ("Kinder sind da sehr einfallsreich und klar"). Mitbestimmung und Mitverantwortung seien die Folge.

Gerade beim Smartphone gibt es demnach zahlreiche Situationen, die Konfliktpotential zwischen Eltern und Kindern bergen. Für welche Situationen Eltern und Kinder Vereinbarungen treffen könnten, zeigt die von den "Schau hin!"-Medienexperten zusammengestellte Checkliste.

Tipp 4: Ursachen auf den Grund gehen

Last but not least sei es wichtig, den Ursachen für die Verletzung von Absprachen auf den Grund zu gehen, sagt die Diplom-Medienpädagogin. Schleiche sich das Kind etwa nachts zum Handy, müssten Eltern klären, was so wichtig sei, dass das Kind nicht schlafen kann oder mag.

Bei Regeln und Absprachen zur Mediennutzung gelte

"wie in vielen anderen Erziehungssituationen: Greifen Sie hier doch auf Ihr bekanntes und bewährtes Repertoire zurück".

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