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Nicht erst seit dem Ausfall Anfang Oktober suchen viele Menschen Alternativen zum Messengerdienst WhatsApp. Wir stellen euch die drei Apps Signal, Telegram und Threema vor.
Drei Alternativen zu WhatsApp

Messenger-Dienste erleichtern das Leben – um sich spontan mit Freunden zu verabreden, Fotos zu verschicken oder in Gruppen mit mehreren Leuten austauschen. Aber gerade WhatsApp taucht wegen Datenschutzbedenken immer wieder in den Schlagzeilen auf. Allgemein gilt bei Messengern und anderen Online-Diensten die Devise: "Wenn du nichts für das Produkt zahlen musst, bist du das Produkt.". Welche Alternativen gibt es und sind sie wirklich besser als WhatsApp?

Signal

Signal hat die gleichen Funktionen, die auch WhatsApp-Nutzer*innen kennen: Gruppenchats, Audio- und Videoanrufe und Sticker.
Der große Unterschied zwischen Signal und WhatApp ist, dass hinter Signal eine gemeinnützige Stiftung, die Signal Foundation, steht. Sie ist nicht profitorientiert, aber auf Spenden angewiesen. 2018 bekam Signal vom WhatsApp Gründer Brian Acton 50,000,000 $ für die Stiftung. Kritiker sind der Meinung, dass Signal deswegen nicht besser ist als WhatsApp.

Die App verfolgt einen Open-Source-Ansatz, das bedeutet, dass der Quellcode veröffentlicht wurde. Das ist wichtig, weil der Quellcode dann von Expert*innen auf Schwachstellen untersucht werden kann.

Alle Nachrichten sind außerdem Ende-zu-Ende verschlüsselt. Man muss sich zwar mit einer Handynummer registrieren, aber die Telefonnummern der Kontaktlisten und Profile werden nicht im Klartext gespeichert. Signal nutzt sogenannte Hashes. Das sind Zahlenwerte, die nicht zurückverfolgt werden können. So bleiben die Telefonnummern verschlüsselt. Dadurch sind die Verbindungsdaten vor Überwachung geschützt und Signal kann die Nutzer*innen nicht identifizieren.

Wegen diesem hohen Sicherheitsstandard empfiehlt sogar der Whistleblower Edward Snowden immer wieder die App. Wie WhatApp und Telegram hat Signal auch eine Browser-Erweiterung. Damit können Sie den Messenger auch am Computer verwenden.

Nutzer*innen können zwischen verschiedenen Farbdesigns wählen und so die App optisch anpassen. Ein Feature, das bisher nur Signal hat, sind die sogenannten Emoji-Reactions. Dabei kann man im Chat auf eine Nachricht mit einem Emoji reagieren, das dann direkt an die Nachricht angeheftet wird. Außerdem kann man Nachrichten automatisch verschwinden lassen. Nutzer*innen können in den Einstellungen festlegen, ob die Chats gespeichert oder automatisch gelöscht werden sollen. Signal lässt die Wahl zwischen drei Zeiträumen: 30 Tage, 6 Monate oder ein Jahr, dann verschwinden die Nachrichten aus dem Chat.

Allerdings gibt es auch Sicherheitsbedenken gegenüber der App. 2020 wurde eine PIN-Funktion eingeführt. Sie soll beim Wiederherstellen von einem Account helfen. Dabei werden die Daten allerdings in der Cloud abgelegt. Das wird von einigen Experten als bedenklich angesehen. Signal fordert außerdem viele Berechtigungen ein. Die App möchte unter anderem auf deinen Standort, Speicher, Telefon, die Kontakte und den Kalender  zugreifen. Man kann diese zwar manuell beschränken, aber sollte sich bewusst sein, dass über diese Berechtigungen möglicherweise Daten abgegriffen werden.

Threema

Wie Signal ist auch bei Threema der Quellcode öffentlich und die Nachrichten sind  Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die App lässt sich komplett ohne Registrierung nutzen, was die App noch anonymer macht. Die Telefonnummer wird also, anders als bei anderen Messengern, nicht gespeichert. Die App erhebt also am wenigsten persönliche Daten. Die Firma hinter dem Messenger ist profitorientiert mit einem Sitz in der Schweiz, deswegen kostet die App einmalig zwischen drei und vier Euro. Durch diese Form der Finanzierung ist die App wahrscheinlich weniger darauf angewiesen, Nutzerdaten zu verkaufen. Auch Threema hat Gruppenchats und auch die Kontakte werden über Hashes abgefragt. Aktuell noch ein Manko der App: Videotelefonieren geht nur mit einer anderen Person. Dafür bietet Threema aber eine andere Funktion: In den Chats können Umfragen gestartet und ausgewertet werden. Auch optisch kann der Messenger in verschiedenen Designs dargestellt werden.

Telegram

Den Messengerdienst Telegram kennen viele aus den aktuellen Debatten über Verschwörungstheorien und die Querdenkerszene. Der Messenger bietet viele Funktionen, die andere Messenger auch haben, wie Videocalls, Gifs, Umfragen, Sticker und Selbstzerstörungstimer für Nachrichten.
Telegrams Source-Code ist frei zugänglich. Die Chats sind durch eine Server-Client Verschlüsselung gesichert. Anders als bei einer Ende-zu-Ende, die zwischen zwei Geräten funktioniert, liegt bei dieser Methode ein Server dazwischen. Die Nachrichten, die auf dem Server ankommen, werden mit MTProto verschlüsselt. Dadurch kann Telegram die Nachrichten theoretisch lesen, weil erst auf dem Server verschlüsselt wird. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet die App nur in geheimen Chats und Sprachanrufen.

Fazit

Wer Wert auf Sicherheit legt, sollte auf jeden Fall einen anderen Messenger als WhatsApp nutzen. Signal und Threema bieten in diesem Bereich einfach mehr an. Der einmalige Preis von Threema könnte einige Nutzer*innen abschrecken, wenn sie auf einen anderen Messenger umsteigen wollen. Am Ende kommt es bei jedem Messenger aber auch darauf an, wie viele Menschen in Ihrem Umfeld welchen Anbieter benutzen. Sprechen Sie mit den Menschen in Ihrem Umfeld über das Thema. Denn Sicherheit im Netz ist wichtig für unsere Privatsphäre.

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