München (epd). Gedenken und Demokratie: Zu diesen Schwerpunkten hat sich der Bayerische Jugendring (BJR) von Freitag bis Sonntag in Nürnberg auf seiner Herbstvollversammlung ausgetauscht. Die Ernennung des ersten bayerischen Staatsministers für Jugend und Demokratie, Manuel Knoll (CSU), sei "ein starkes Signal und zugleich ein Auftrag", sagte BJR-Vorsitzender Philipp Seitz. Zugleich warnte er vor zunehmenden Angriffen der AfD auf die demokratische Bildungsarbeit in Bayern. In Gesprächen wurden neue jugendgerechte Formen des Erinnerns an die NS-Opfer erkundet.

Seitz begrüßte es, dass Bayern nun einen eigenen Jugendminister habe: "Jugend ist nun nicht lediglich eine Abteilung eines Ministeriums, sondern steht im Titel an erster Stelle." Entscheidend sei, was daraus für junge Menschen konkret entstehe. Jugendpolitik betreffe Bildung und Mobilität ebenso wie Gesundheit, Beteiligung und die Entwicklung der Kommunen. Alles Handeln müsse dabei auf den Kinderrechten auf Schutz, Förderung und Beteiligung gründen.

Angriffe gegen Jugendarbeit nehmen zu

Per Videobotschaft sagte der Minister den BJR-Delegierten einen schnellen Austausch zu. Der BJR will gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen eine jugendpolitische Wunschliste erarbeiten.

Laut Seitz nehmen verbale Angriffe gegen die Jugendarbeit zu. AfD-Abgeordnete hätten den BJR, einzelne Verbände und Ehrenamtliche im Landtag und in sozialen Netzwerken wiederholt diskreditiert. Die AfD Bayern fordere in ihrem Kommunalwahlprogramm zudem das Ende des Programms "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

"Jugendarbeit ist nicht wertneutral"

"Alle diese Beiträge stellen unsere demokratische Bildungsarbeit unter Generalverdacht und versuchen, die öffentliche Finanzierung der Jugendarbeit in Frage zu stellen", sagte Seitz. Von den demokratischen Mandatsträgern erwarte der BJR, dass sie sich weiter vor die Jugendarbeit stellen.

Die Präambel des BJR verpflichte die Jugendarbeit seit fast 80 Jahren zur Mitarbeit am demokratischen Aufbau und zur Abwehr jeder Form von Diktatur. "Jugendarbeit ist nicht wertneutral", sagte Seitz: "Wir stehen für Teilhabe. Wir stehen für Zusammenhalt. Für Räume, die allen Menschen offenstehen."

"Wo Einsamkeit schrumpft, kann Demokratie wachsen"

Angesichts knapper Kassen warnte Seitz vor Kürzungen: "Was kostet es uns am Ende, wenn Jugendzentren vor Ort schließen müssen? Wenn junge Menschen keine Orte für Gemeinschaft haben? Wenn Ehrenamtliche entmutigt werden?" Auf Dauer könne dies die Demokratie beschädigen.

Spaenle appellierte in einem Gespräch zum Thema Erinnerungskultur an das Verantwortungsbewusstsein heutiger und künftiger Generationen für die Sicherung der Menschenrechte. Das "Nie wieder", das die Väter und Mütter des Grundgesetzes der Gesellschaft als Auftrag gegeben haben, gelte bis heute. Es bedeute, dass an die Shoah und die Gräueltaten des NS-Unrechtsstaats erinnert werden müsse, habe aber auch Konsequenzen für die Zukunft: "Wir tragen Verantwortung dafür, dass solches Unrecht nie wieder in deutschem Namen begangen wird."

Hoffnung macht Einsatz für Menschenrechte

Die Situation von Menschen jüdischen Glaubens im Freistaat und in der Bundesrepublik beschrieb Spaenle als ausgesprochen schwierig. Antisemitische Gesinnung sei tief in die deutsche Gesellschaft eingedrungen, entsprechende Straftaten seien die Folgen. Zudem würden Jüdinnen und Juden in Deutschland häufig verantwortlich dafür gemacht, was im Namen der israelischen Regierung geschieht.

Hoffnung mache ihm, dass sich viele junge Leute für die Geltung der Menschenrechte einsetzen, so Spaenle. Sie wüssten sich der Kultur der Aufmerksamkeit gegen Antisemitismus und der Solidarität mit Menschen jüdischen Glaubens verpflichtet.

"Viele Bürger standen hinter der Gardine"

In Gesprächen wurden neue Wege zu jugendgerechten Formen des Gedenkens an die NS-Opfer ausgelotet. Nürnberg will laut Oberbürgermeister Marcus König (CSU) eine zeitgemäße Erinnerungsbildung mit Angeboten für junge Leute fortentwickeln. "Erinnerungsbildung" wolle - anders als eine statisch wirkende "Erinnerungskultur" - stärker eine Brücke zum Heute schlagen, sagte König: Was ist damals schiefgegangen, und was können wir für die Gegenwart daraus lernen? 2027 jährt sich der erste Reichsparteitag in Nürnberg zum 100. Mal. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen seien geplant.

Der SPD-Landtagsabgordnete Arif Tasdelen erzählte, wie er den Überlebenden Arno Hamburger einmal gefragt habe, ob es damals niemand mitbekommen habe, wenn Nürnberger Juden und Jüdinnen aus ihren Wohnungen geholt und deportiert wurden. Hamburger antwortete: Viele Bürger hätten am Fenster hinter der Gardine gestanden und nichts getan. Nichtstun sei eben auch eine Haltung, so Tasdelen. König sagte, heute komme es darauf an, dem Mob und dem Hass nicht die Straße zu überlassen.