München (epd). Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, Eva Umlauf, hat die Enthüllung über eine gezielte Beeinflussung des Eichmann-Prozesses durch den Bundesnachrichtendienst (BND) als "ungeheuerliche und empörende Nachricht" bezeichnet. Umlauf bezog sich laut einer Mitteilung vom Sonntag auf Forschungen des Historikers Klaus-Dietmar Henke, worüber die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag berichtet hatte. Demnach schleuste der BND 1961 mit Billigung des Kanzleramts einen Agenten in das Verteidigerteam des NS-Verbrechers Adolf Eichmann ein, um den damaligen Kanzleramtschef Hans Globke zu schützen.

Die Enthüllung mache deutlich, "wie scham- und verantwortungslos die Spitzen der Politik im westlichen Nachkriegsdeutschland mit den Verbrechen des Holocaust und dem Leid der Opfer umgegangen sind", sagte Umlauf. Täter seien abgeschirmt und geschützt worden, während die Aufklärung der NS-Verbrechen manipuliert und verhindert worden sei.

Schutz für Kommentator der Rassengesetze

Die Geheimdienstoperation sollte laut Historiker Henke verhindern, dass Globkes Rolle im Nationalsozialismus während des Prozesses zur Sprache kommt. Globke, die rechte Hand von Bundeskanzler Konrad Adenauer, war einer der hauptverantwortlichen Juristen bei der Kommentierung der Nürnberger Rassengesetze gewesen. Diese bildeten die rechtliche Grundlage für die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Adenauer habe an seinem Staatssekretär festgehalten, weil dieser als strategisch unentbehrlich gegolten habe.

Statt einer unbewussten "Verdrängung" der NS-Zeit habe in der Nachkriegsgesellschaft eine aktive Abwehr der eigenen Vergangenheit stattgefunden, sagte der Historiker weiter. Eva Umlauf zeigte sich erschrocken über die Enthüllungen: "Uns als Überlebende mutet es fast makaber an, dass die aktuellen Informationen in eine Zeit fallen, in der in Deutschland schon wieder zu viele Menschen bereit sind, Vertretern dieser Ideologie ihre Stimme zu geben."