Nürnberg (epd). Ein Stern aus Papier, schlicht und schön, hat es bis ins Museum geschafft: Das Bibel Museum Bayern in Nürnberg widmet dem Herrnhuter Stern vom 22. Oktober an eine kleine Ausstellung. Unter dem Titel "...und leuchtet in die ganze Welt" erzählt die Schau die Erfolgsgeschichte des beliebten Weihnachtssterns. Ob in Gelb, Rot oder Blau, ob ein- oder zweifarbig, ob aus Papier oder Plastik: Der Stern, der zur Adventszeit allerorten in Fenstern, in Kirchen, auf Plätzen und in öffentlichen Gebäuden hängt, gilt längst als weltbekannt.
Schon bald ist es wieder so weit: Dann holen viele Menschen den Stern mit den 25 Zacken aus der Papierschachtel und stecken ihn zusammen. Für viele Familien ist das "Sterneln" inzwischen Tradition. "Manche pflegen den Brauch ganz bewusst und freuen sich, dass der Stern ihnen in der Weihnachtszeit Licht schenkt. Andere wissen gar nicht um seine christliche Bedeutung", sagt Carolin Deubel, Leiterin des Museumsshops des Bibelmuseums in Nürnberg.
Stern erinnert an Weihnachtsgeschichte
Dabei ist der Herrnhuter Stern streng genommen alles andere als Dekoration. Von Anfang an hatte er eine christliche Symbolik. Er gehe zurück auf den Stern von Bethlehem aus der biblischen Weihnachtsgeschichte, heißt es in der Ausstellung. Möglich sei auch, dass der "Herrnhuter" auf Jesus Christus als Morgenstern verweise. "Der erste Stern hatte rote und weiße Zacken. Weiß wie die Windel Jesu, rot wie sein Blut", erklärt Daniel Schubach, Kurator der Ausstellung. Aber nicht jeder kaufe ihn aufgrund seiner Symbolik: "Für manche ist er auch einfach Ausdruck von Heimat", sagt Schubach.
Gleichzeitig steckt in jedem der Sterne ein Stück Kultur- und Handwerksgeschichte, das der Hersteller bis heute nach eigenen Angaben bewahrt: Die ersten Exemplare leuchteten im 19. Jahrhundert in den Internatsräumen der Herrnhuter Brüdergemeine im Südosten Sachsens. Ein Erzieher hatte den Körper zunächst für den Mathematikunterricht erdacht, um geometrisches Verständnis besser vermitteln zu können. Fortan bastelten die Kinder jeweils am ersten Sonntag im Advent ihre eigenen Sterne und trugen diesen Brauch in die Familien. Bis heute käme der Stern in sächsischen Geometriebüchern vor, erzählt Kurator Schubach.
Patent auf Papierstern
Den eigentlichen Durchbruch, vom lokalen Brauchtum zu überregionaler Bedeutung, erlebt der Stern 1925: Der Buch- und Musikalienhändler Peter Hendrik Verbeek meldet das erste Exemplar zum Patent an. Erstmals kann der Papierstern auseinandergenommen, verpackt und per Post vertrieben werden. Das Design des Originals mit 25 Zacken, 17 viereckigen und acht etwas kleineren dreieckigen ist entsprechend bis heute gleich geblieben.
Und noch etwas hat sich über die Jahrhunderte gehalten: Der Stern wird weiterhin in einer Manufaktur in Herrnhut von Hand gefalzt und geklebt. Das hat durchaus seinen Preis: Die Sterne kosten zwischen 19,50 Euro für ein Papier-Sternchen bis zu 205 Euro für ein Kunststoff-Exemplar mit 1,30 Meter Durchmesser. Aber man könne ihn ja jedes Jahr wieder auseinanderbauen und zusammensetzen, er sei damit nachhaltig, sagt Schubach.
Inzwischen verkauft der Hersteller rund 850.000 Sterne pro Jahr, exportiert werden sie in 60 Länder. An vielen Stellen hängen die Traditionssterne auch weithin sichtbar, im Bundeskanzleramt etwa, in der Dresdner Frauenkirche oder im Petersdom. Der weltweit größte "Herrnhuter" aber schmückt seit Oktober 2026 das Firmengelände der Manufaktur.
Exemplare aus Notenpapier
Kein Wunder, dass es mittlerweile auch Liebhaber-Objekte und Sondereditionen für Sammler gibt: Dieses Jahr ist die Farbe Apricot an der Reihe. "Genauso gibt es spezielle Varianten, etwa Sterne aus Notenpapier oder Buchseiten", erläutert Schubach. In Nürnberg, wo es die Sterne auch am Christkindlsmarkt zu kaufen gibt, sind die Lichter in der Vorweihnachtszeit schnell vergriffen. Aber selber basteln geht auch: Wer sich an einem eigenen Stern versuchen will, kann dies an den Adventssonntagen im Museum tun.