München (epd). Die albanische Dichterin Luljeta Lleshanaku wird mit dem Horst-Bienek-Preis für Lyrik 2026 ausgezeichnet. Die mit 10.000 Euro dotierte Ehrung würdige ein bedeutende Stimme der neuen albanischen Dichtung, teilte die Bayerische Akademie der Schönen Künste am Montagabend in München mit. Der Förderpreis geht an die ukrainische Lyrikerin Halyna Kruk.

Lleshanaku schreibe Gedichte von großer Klarheit, in denen persönliche Erinnerung und geschichtliche Erfahrung unauflöslich ineinandergreifen, begründete die Jury ihre Entscheidung. Die 1968 in Elbasan geborene Autorin wuchs unter der Diktatur Enver Hoxhas auf und leitet heute in Tirana das Institut für die Aufarbeitung des kommunistischen Genozids, wie die Akademie erläuterte. Mit feinem Gespür für Brüche und Verluste mache ihr Werk sichtbar, "wie Geschichte sich in Körper, Beziehungen und Lebensläufe einschreibt".

Zeugnis über Krieg und Zerstörung

Kruks Gedichte wiederum legten Zeugnis über die Lage ihres Landes ab, hieß es zur Vergabe des Förderpreises. Obwohl ihre Texte einem grauenhaften Krieg abgerungen würden, machten präzise beobachtete Szenen auch die Widerständigkeit der Menschen erfahrbar. Kruk wurde 1974 im früheren Lemberg (Lwiw) geboren, wo sie nach ihrer Promotion als Hochschullehrerin für ukrainische Literatur arbeitet, wie die Veranstalter mitteilten. Zudem verfasse sie Kinderbücher und übersetze Literatur aus dem Polnischen.

Die Auszeichnung wird den Angaben zufolge aus dem Nachlass des Schriftstellers Horst Bienek (1930-1990) finanziert, der die Akademie testamentarisch mit der Errichtung einer Stiftung beauftragt hatte. Bienek verarbeitete in seinen Werken unter anderem seine Kindheit in Oberschlesien sowie mehrjährige Haft in sowjetischen Straflagern. Beide Auszeichnungen werden am 2. Dezember um 19 Uhr in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München überreicht.