Grafrath (epd). Die evangelische Gemeinde Grafrath (Dekanat Fürstenfeldbruck) hat die Martin-Luther-Kirche in Mammendorf entwidmet. Beim Abschiedsgottesdienst am Sonntag würdigte der Münchner Regionalbischof Thomas Prieto Peral alle damit verbundenen Gefühle: "Es tut einfach weh, diese Kirche aufgeben zu müssen", sagte der Theologe laut Predigtmanuskript. Die Entscheidung sei über Jahre gewachsen, auch wenn es Konflikte und Hoffnungen auf andere Lösungen gegeben habe. Er wünsche sich, "dass wir auch diesen Teil der Geschichte mit Achtung betrachten", so Prieto Peral, der selbst Gemeindemitglied in Grafrath ist.

Vertraute Orte seien prägend, sagte der Regionalbischof, der nach eigenen Angaben zum ersten Mal eine Kirche entwidmet hat. Zugleich verstehe sich evangelische Kirche als Glaubensgemeinschaft, die auch unter freiem Himmel, am Krankenbett oder beim Tischgebet Gestalt gewinnen könne. Der Abschied von der 1978 gebauten und 2008 mit ihrem Namen versehenen Martin-Luther-Kirche sei mit tiefem Dank verbunden: "Für alle, die ihr Leben mit ihr verbunden haben, für 48 Jahre Gottesdienst an diesem Ort, für jede Geschichte, die hier ihre Heimat gefunden hat."

Ein Drittel weniger Mitglieder seit 2000

Prieto Peral verwies auf den Umbruch der bayerischen Landeskirche. Seit dem Jahr 2000 habe man ein Drittel der Mitglieder verloren. Während im 20. Jahrhundert das Geld für den Bau zahlreicher Gemeindezentren in Bayern zur Verfügung gestanden habe, müsse man sich jetzt von vielen Gebäuden wieder trennen. Man bitte Gott "um Weisheit bei Entscheidungen, um Freude an neuen Ideen, um Zusammenhalt und um Vertrauen" für den künftigen Weg.

Die ländlich geprägte Gemeinde Grafrath gehört zum Dekanat Fürstenfeldbruck. Vor einem Jahr hat sie bereits die Friedenskirche in Türkenfeld entwidmet. Nach der Aufgabe der Martin-Luther-Kirche in Mammendorf verbleibt als letztes Sakralgebäude nun die Michaelskirche in Grafrath.